Landvolk wirbt Imagekampagnen

Hagen-Grinden „Das ist wirklich ein Paradehof“

Lina Blohme (li.) soll Stück für Stück den elterlichen Hof übernehmen und erläutert hier in der Marsch das „Finka“-Projekt. Mit dabei Landvolkpräsident Holger Hennies, Christian Intemann und Heinrich Blohme.
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Lina Blohme (li.) soll Stück für Stück den elterlichen Hof übernehmen und erläutert hier in der Marsch das „Finka“-Projekt. Mit dabei Landvolkpräsident Holger Hennies, Christian Intemann und Heinrich Blohme.

Hagen-Grinden – Was für ein Idyll. Die Sonne beißt an diesem Donnerstagvormittag zwar, aber alte Bäume vor dem noch älteren Bauernhaus spenden angenehmen Schatten. Das findet auch die Entenmama mit ihren beiden Küken. Wie wäre es dazu mit Hühnergegacker und Hähnekrähen? Danke, das kommt dann wie auf Regieanweisung. Der Kreislandvolkverband Rotenburg-Verden hätte sich keinen besseren Ort als den Hof Blohme in Hagen (Flecken Langwedel) aussuchen können, um die Werbetrommel für die Kampagne „Echt grün – Eure Landwirte“ zu rühren und die Aktion „Bienenfreundlicher Landwirt“ zu rühren.

Dafür ist sogar Niedersachsens Landvolkpräsident Dr. Holger Hennies in die Wesermarsch gekommen. „Stellst du die Kampagne jetzt vor?“, lautet die leise Frage des Präsidenten an Christian Intemann, einen der Vorsitzenden des Landvolkes Rotenburg-Verden. Macht er. Seit 2015 gibt es die Kampagne „Echt grün – Eure Landwirte“. „Unsere Mitglieder haben gesagt, wir müssen mehr machen, mehr Öffentlichkeitsarbeit.“ In der Diskussion um Überdüngung und Artensterben sahen und sehen sich die Landwirte in die Ecke gedrängt, ins falsche Licht gerückt. „Die Kampagne liegt mir echt am Herzen“, versichert Hennies. „Wir müssen insgesamt die Landwirtschaft mehr zeigen.“

Man habe ja selbst gemerkt, da läuft was nicht richtig, zum Beispiel mit Blick auf die Artenvielfalt und Zahl bei Insekten und Vögeln, die Landwirte müssten mehr machen und tun das auch. Wenn man Anreize für die Kollegen setzt wie mit der Aktion „Bienenfreundlicher Landwirt“, sei die Bereitschaft bei den Landwirten da, gerade bei den Jüngeren.

Heinrich Blohme (54 Jahre alt) hat von der Aktion, vom Landvolk und dem Bieneninstitut Celle zum Schutz von Wildbienen und andern Insekten ersonnen, gelesen und festgestellt: „Das meiste hast du ja eh zu Hause.“ Streuobstwiese? Ist da. Staudengarten? Gleich um die Ecke. Totholz und Steinhaufen? Da haben sich Plätze gefunden. Die Wiese um den Teich – einfach liegen lassen und nichts dran tun. „Das ist wirklich ein Paradehof hier. Das ist nicht bei jedem Landwirt so“, gibt Christian Intemann zu. „Aber jeder kann mit wenigen Handgriffen etwas tun. Vielleicht auch Privatleute in ihren Gärten.“

Allerspätestens mit dem Blick hinter den Bauerngartenzaun ist es auf dem Hof Blohme mit dem reinen Idyll vorbei. Seit 1570 gibt es hier Landwirtschaft, und sie soll es auch in Zukunft geben. Hier braucht es neben aller Erfahrung auch wissenschaftliche Erkenntnis. Die Familie Blohme stellt auf „Bio“ um, zumindest was ihren Standort mit 175 Hektar bewirtschafteter Fläche anlangt. Der zweite Standort mit 70 Hektar soll konventionell betrieben werden. „Die Schweinemast wird auch bio“, sagt Heinrich Blohme. Aktuell sind keine Tiere auf dem Hof, die Stallungen werden umgebaut, für dann 450 Tiere. „Das waren mal dreimal so viele.“

An den Blühflächen und vor dem Hof Blohme stehen die Schilder für den bienenfreundlichen Landwirt.

Tochter Lina will und soll den Hof übernehmen. Sie studiert Landwirtschaft in Rendsburg. „Noch ein Semester.“ Sie hat den biologischen Anbau von Knoblauch angefangen. „Alles Handarbeit.“

Bei einer kleinen Exkursion erläutert Heinrich Blohme die groß angelegten Blühflächen in der Marsch. „Immens, was da ein Leben drin ist“, sagt Heinrich Blohme. Lina Blohme erklärt die Beteiligung des Hofes an „Finka“. Das steht für „Förderung von Insekten im Ackerbau“ und wird mit Bundesmitteln unterstützt.

In Niedersachsen haben sich 30 Betriebspaare zusammengefunden, je ein ökologisch wirtschaftender und ein konvetioneller. Für fünf Jahre arbeiten Uwe Michaelis aus Mahndorf und Familie Blohme zusammen, um verlässliche Daten und Erkenntnisse zu gewinnen, was passiert, wenn die Landwirte auf ihrer Ackerfläche auf Pflanzenschutzmittel verzichten und dafür mit mechanischen Mitteln arbeiten.

Wer bei dem Thema „Bienenfreundlicher Landwirt“ nicht fehlen durfte, war Heinrich Kersten aus Verden-Eissel. „Der Imker unseres Vertrauens“, so Christian Intemann. Kersten warb für die Zusammenarbeit von Imkern und Landwirten – zum ökonomischen Vorteil beider Seiten mit positiven Effekten für die Natur.

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