Miriam Metze wirbt für ihren Sport / Ferienspäße in Planung

Holtebüttel: Fußball ist sehr wohl etwas für Mädchen

Miriam Metze auf dem Sportplatz in Holtebüttel. Hier läuft der Betrieb nach der langen Coronapause endlich wieder an.
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Miriam Metze auf dem Sportplatz in Holtebüttel. Hier läuft der Betrieb nach der langen Coronapause endlich wieder an.

Holtebüttel – Endlich. Endlich können sie wieder auf den grünen Rasen. Anfangs nur unter ganz strengen Vorschriften, ab Donnerstag dürfen die Mädchen und ihre Trainerinnen mehr. Sehr zur Freude von Miriam Metze, stellvertretende Jugendwartin für die Fußballerinnen im SV Holtebüttel. Trainerin ist die 29-Jährige auch, vor allem aber mit dem Fußballvirus infiziert und sehr darauf bedacht, diesen Virus an möglichst viele Mädchen und junge Frauen weiterzugeben.

Das erste Mal hat sie wann selbst im Verein gegen den Ball getreten? „September 2000“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. „Das war ein Probetraining bei den Jungs in Holtebüttel.“ Da hatte der Verein noch Jungenmannschaften. „Heiko Strüver und Carsten Hasselhoff“, fallen Metze spontan als Trainer ein. Wo vor 20 Jahren an der Nassen Straße nur Jungsmannschaften auf den Platz gingen, gibt es heute etliche Mädchen-Teams und Frauenmannschaften. Die Jungs aus dem südlichen Teil des Fleckens Langwedel kicken beim FSV Langwedel-Völkersen. Der hat dafür keine weiblichen Mannschaften.

Das Elternhaus von Miriam Metze, geborene Hesse, darf man getrost als fußballnah bezeichnen. Natürlich lief da die Bundesliga im Fernsehen. „Das fand" ich immer faszinierend.“ Sie war schon Fan von Sebastian Deisler. Später ein bisschen auch von Roy Makay.

2004 oder war es 2005? Auf jeden Fall wechselte Miri, wie sie in Holtebüttel eigentlich nur genannt wird, zu den Mädchen. Der Kräfteunterschied zu den Jungs machte sich auf dem Platz langsam bemerkbar, dazu kam ihr Sehproblem. Das Ende der persönlichen Spielerinnenkarriere nahte schon 2008, quasi mit einem Fußballklassiker: „Knieprobleme.“

In Holtebüttel wurden bei den Mädchen, wie in anderen Vereinen, den Trainerinnen immer Spielerinnen als Betreuerinnen an die Seite gestellt. Damit der Nachwuchs herangeführt wird, vielleicht mal selbst eine Mannschaft übernimmt. „Ich bin als Betreuerin bei Christine Sander mitgelaufen.“

Miriam Metze wollte Erzieherin werden, hat darum ein Freiwilliges Soziales Jahr im Kindergarten Völkersen gemacht. „Die waren total nett.“ Außerdem konnte sie da am Nachmittag in Holtebüttel auf dem Fußballplatz sein. Heute ist Miriam Metze in Rotenburg ausgebildete und staatlich anerkannte Erzieherin, seit der Saison 2015/16 auch Fachkraft für die ganz kleinen Menschen aus dem Krippenbereich – und seit 2019 in Elternzeit.

Mit dem erfolgreichen Ende der Ausbildung ist Miriam Metze 2013 als Jugendtrainerin beim SV Holtebüttel eingestiegen, seit 2017 ist sie federführend dafür verantwortlich, den Mädchenbereich im SV Holtebüttel noch weiter auszubauen. „Der Vorstand gibt uns alle Möglichkeiten, macht vieles, wenn nicht sogar alles möglich“, so die begeisterte Fußballerin, die gefühlt ohne Punkt und Komma reden kann, wenn es um ihre Leidenschaft für das runden Leder geht. Mittlerweile hat sich ihr Arbeitsschwerpunkt im Verein ein gehöriges Stück in Richtung Organisation und Ansprechpartnerin für die Eltern verschoben. Sie hat mit Mieke Schäper und Amelie Bethge aber auch zwei engagierte Betreuerinnen für ihre Mannschaft.

In Holtebüttel spielen auch schon Mädchen im Alter von vier bis sechs Jahren. „Wir sind der einzige Verein im Landkreis, der das macht.“ Das erklärte Ziel dabei: „Wir holen die Mädchen ab.“ Die jungen Kickerinnen bekommen Post vom Einhorn Carla aus Holtebüttel, das war auch schon vor Corona so. „Carla kommt gut an.“ Und macht Werbung für den Mädchenfußball, wie Miriam Metze auch – schon in Kitas, gern lässt man sich in Holtebüttel auch auf Kooperationsprojekte mit Schulen ein, um mit dem immer noch existierenden Vorurteil aufzuräumen: „Fußball ist doch nichts für Mädchen.“ Ist er wohl.

Und dann kam das: „Corona hat uns auf die Bank gesetzt.“ Auf den Plätzen ging nichts mehr. Die Holtebüttelerinnen blieben kreativ, starten etliche Aktionen über das Internet, blieben an ihren Spielerinnen dran, kümmerten sich um den Zusammenhalt. Was sich ausgezahlt hat. Bei den Mädchen gibt es seit dem vergangenen Jahr mehr Anmeldungen als Abmeldungen. „Das liegt vielleicht auch am geringen Beitrag“, überlegt Miriam Metze. Mädchen bis 14 Jahre zahlen in Holtebüttel nur 45 Euro im Jahr.

14 Trainerinnen, okay, einen Trainer gibt es auch, sind beim SV Holtebüttel unterwegs. Gemeinsamer Antrieb: Es soll Spaß machen. Allen. „Und wenn es Spaß macht, dann kommt auch die Leistung.“

Allerdings ist Miriam Metzes Fußballenthusiasmus nicht mehr grenzenlos. Die Begeisterung für Bundesliga und Co ist erloschen. Nicht zuletzt wegen Corona. „Die Profis durften alles, im Amateursport war nichts erlaubt. Die Kinder konnten nicht mal zum Kinderturnen.“

Als sie wieder auf den Platz durften, war das so: „In der Bundesliga haben sie sich abgeklatscht und umarmt, hier musste ich den Mädchen beibringen, dass sie Abstand halten.“ Trotz der Tests, die die Schulkinder machen mussten. Jetzt bieten die Verordnungen auch den Amateuren mehr Freiheit. Beim SV Holtebüttel wagen sie sich im Sommer an einen Fußball- Ferienspaß. Nur für Mädchen.

  • Ferienspaß 2021 beim SV Holtebüttel
  • „Kunterbunte Fußballwelt“ heißt der Ferienspaß für Mädchen beim SV Holtebüttel. Am Donnerstag, 29. Juli, sind die Drei- bis Sechsjährigen (mit einer Begleitperson) von 15 bis 17.30 Uhr dran.
    Für die sechs bis zwölf Jahre alten Mädchen hat man am Freitag, 30. Juli, von 11 bis 17 Uhr ein Programm. Mitzubringen sind drei Euro, bei Geschwistern zwei Euro.
    Der dritte Ferienspaß, gedacht für 12- bis 16-Jährige, ist am Sonnabend, 31. Juli, von 11 bis 17 Uhr. Auch hier gilt ein Kostenbeitrag von drei Euro, bei Geschwistern zwei Euro.
    Geboten wird jeweils auf dem Sportplatz in Holtebüttel an der Nassen Straße ein Programm mit altersgerechten Trainingseinheiten, kleinen Teamwettbewerben, verschieden Stationen, professionellen Trainerinnen, Speis und Trank. Und noch ein bisschen mehr.
    Anmeldungen, gern auch per WhatsApp gehen an Miri Metze, Mobil 0160 / 12 47 452 oder E-Mail an miriam-metze@web.de.

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