Bürgerinitiativen bestürzt über neue Regelungen zum Gasbohren

„Es darf weiter gefrackt werden“

Vertreter verschiedener Bürgerinitiativen sind wegen der Geseztesänderungen alarmiert, darunter auch Gerd Landzettel (3. von links) von der Bürgerinitiative „No Fracking“ in Völkersen. - Foto: Bruns

Völkersen - Von Wiebke Bruns. „Plötzlich ging alles ganz schnell“, so die einleitenden Worte von Thomas Vogel, Sprecher der Bürgerinitiative „No Fracking“ aus Völkersen, Freitagnachmittag bei einem Pressegespräch in der Gaststätte „Grashoffs“. Es ging um das vor drei Wochen verabschiedete sogenannte „Fracking-Gesetz“. Mit Unterstützung ihres BI-Mitglieds und Juristen Gerd Landzettel haben sie das Gesetz genau unter die Lupe genommen und ziehen für die Menschen in der Region ein negatives Fazit.

„So wird die bisherige Fördertätigkeit im Erdgasfeld Völkersen unverändert weitergehen können. Es darf weiter auch in unmittelbarer Nähe der Wohngebiete gebohrt werden. Es darf weiter offen abgefackelt werden. Und es darf sogar wie in der Vergangenheit weiter gefrackt werden. Letzteres setzt lediglich die Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung voraus, die jedoch, das zeigen die Erfahrungen aus anderen Bereichen, in der Regel wenig bewirken wird“, heißt es in einer Presseerklärung.

Gefeiert werde von den Politikern, selbst von hiesigen Abgeordneten, eine in dem Gesetz festgelegte Beweislastumkehr bei Schäden durch Erdbeben, die auf die Erdgasförderung zurückgeführt werden. Wenn Schäden an Gebäuden entstanden sind, muss bislang der Hauseigentümer beweisen, dass diese auf das Erdbeben zurückzuführen sind. Das Gesetz sei aber nur bedingt ein Fortschritt, heißt es bei der BI.

Für die Anwendung der „Bergschadensvermutung“ sei es erforderlich, dass das betreffende Gebäude im „Einwirkungsbereich“ des Erdbebens liegt. „Dazu gibt es eine Einwirkungsbereich-Verordnung und nur wenn das Objekt in diesem Bereich liegt, dann greift die Beweislastumkehr“, erklärt Landzettel. Entscheidend sei dabei ein Wert von fünf Millimeter/Sekunde für Wohngebäude. Doch lediglich bei dem letzten Erdbeben soll dieser Wert erreicht worden sein, sagte Landzettel. Zumindest habe er am Donnerstag einen Wert von 5,5 genannt bekommen, was er derzeit noch prüft.

„Sogar eine eindeutige Verschlechterung für Völkersen beinhalten die Regelungen zur Verpressung des Lagerstättenwassers“, heißt es seitens der BI. Dies soll als „gesetzlich geregelter und damit grundsätzlich nicht mehr in Frage zu stellender Regelfall in ausgeförderten Lagerstätten zulässig sein“. Eine vorherige Aufbereitung sei nicht zwingend vorgeschrieben. Das Wasser dürfe 0,1 Prozent wassergefährdender Stoffe beinhalten. Genau dieses Verpressen sei in Völkersen geplant und beantragt. „Diskutiert werden 120.000 Kubikmeter jährlich“, sagte Andreas Noltemeyer, ebenfalls Sprecher der BI. Dort fürchtet man einen Lagerstättenwasser-Tourismus und unabsehbare Folgen, denn 120 Kubikmeter wassergefährdender Stoffe könnten dann jährlich verpresst werden.

„Viele lehnen sich jetzt zurück und denken: Ist alles gut“, so Noltemeyer mit Blick auf das von Politikern als Erfolg gefeierte Gesetz. Nicht so die BI’s im Landkreis Verden. Deshalb denkt man in Völkersen daran, einmal mehr auf die Straße zu gehen, um auf die weiterbestehenden Gefahren hinzuweisen.

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