Rentner will sich voll engagieren

Alfons Adam: „Dafür brauchst du wirklich Zeit“

Wenn Alfons Adam sich für seine Themen engagiert, dann aber richtig. Ruhe geben, aufhören sich einzusetzen, ist so gar nicht seine Sache.
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Wenn Alfons Adam sich für seine Themen engagiert, dann aber richtig. Ruhe geben, aufhören sich einzusetzen, ist so gar nicht seine Sache.

Daverden – Er ist keiner von den Frischlingen, weiß Gott nicht. Wer solange dabei ist, muss sich schon manchmal die Bezeichnung „Dinosaurier“ anhören. Wenn Alfons Adam so einer ist, dann aber ein verdammt munterer – und auch einer, der immer noch zubeißen kann. Aber nur, wenn er meint, dass das jetzt mal sein muss.

Seit 28 Jahren arbeitet der Daverdener ehrenamtlich im Gemeinderat. Solange ist sonst niemand mehr dabei. Im Ortsrat Daverden ist der Arbeitnehmervertreter für Schwerbehinderte im Daimler-Benz-Konzern auch. Die 65 Jahre hat Adam im vergangenen Jahr schon geknackt, das Pensionsalter erreicht – und am 1. Dezember ist finito, Alfons Adam geht tatsächlich in Rente. „Mein Job hat mich immer ausgefüllt. Tut er immer noch“, sagt er. Und muss zugeben, dass sein Beruf, der ihn bundesweit in Anspruch genommen hat, seine politische Arbeit gerade in den letzten Jahren schon beeinträchtigt hat.

Er hat in der Vergangenheit in Daverden die meisten Stimmen bekommen, war damit erster Anwärter auf das Amt des Ortsbürgermeisters. „Aber dafür brauchst du Zeit, wirklich Zeit.“ Also hat er abgelehnt. Silke Brünn hat übernommen, aber sie kandidiert aus beruflichen und privaten Gründen nicht mehr.

Jetzt, als angehender rüstiger Rentner, denkt der gebürtige Daverdener Alfons Adam gar nicht daran, sich aus der Politik zurückzuziehen. „Ich würde gern Ortsbürgermeister werden. Wenn die Leute mich wollen und wenn ich gewählt werde.“

Dass er überhaupt jemals in der Lokalpolitik arbeiten würde, war Mitte der 90er-Jahre nicht vorherzusehen. Der gelernte Maschinenschlosser war zwar in der IG Metall, war Arbeitnehmervertreter, als ihn Alfred Eggers ansprach, ob er nicht für den Ortsrat und den Gemeinderat kandidieren wolle. „1994 bin ich in die SPD eingetreten. Erst.“ Gleich bei der ersten Kandidatur wird Alfons Adam in den Gemeinderat gewählt. „Dabei stand ich auf der Liste ganz hinten.“

Es ist dem Mann nicht ganz einfach zu entlocken, aber dann wird deutlich: Der Schlosser hatte es unter den Genossen der damaligen Langwedeler Sozialdemokratie nicht leicht, musste um Anerkennung und Respekt kämpfen. „Ich war ganz, ganz viele Jahre der einzige Arbeiter in der SPD-Fraktion. Sonst viele Beamte und Lehrer“, sagt Adam.

Aber mit einem von diesen Studierten, mit Rolf Gerken, habe er gutes Team in Sachen Jugend- und Sozialarbeit gebildet. Die Gründung des allerersten Jugendtreffs fällt in diese Zeit sowie der Kampf um einen öffentlichen Treffpunkt und eine Skateranlage in Cluvenhagen.

„Barrierefreiheit“ ist noch so ein Stichwort, bei dem Adam nie Ruhe gegeben hat – und auch nie Ruhe geben wird. Zum Beispiel beim Langwedeler Rathaus. Oder bei der neuen Oberschule. Er hat für die völlige Barrierefreiheit des Neubaus gekämpft. Die Ratsmehrheit, auch die SPD, wollte nicht. Um Geld zu sparen. „Da habe ich mich gegen meine eigene Fraktion gestellt.“ Und jetzt soll ein Zaun um die neue Schule gebaut werden. Für 70.000 Euro. „Ein Zaun um eine Schule? Das geht doch gar nicht.“

 Vorsitzender des Kreisbehindertenrates ist er jetzt auch noch. Passt schon, wo er bald Rentner ist. Sein Hauptanliegen auf Kreis- und Gemeindeebene sei immer noch die Jugend- und die Sozialpolitik. „Ich hab’ fünf Enkelkinder. Da weiß ich schon, was die sich wünschen und brauchen.“

Also hat er beim Bürgermeister einen Antrag auf Einrichtung eines Generationenprojektes abgegeben. Stimmt der neue Gemeinderat zu, dann sollen sich hier Menschen aus der sogenannten älteren Generation mit Jugendlichen zusammentun, die keinen Zugang zu einem der Vereine oder anderen Organisationen gefunden haben. Die Senioren könnten den jungen Leute vielleicht in einer Fahrradwerkstatt helfen, die Jugendlichen den Älteren mal die Geheimnisse und Kniffe aus der Welt der Smartphones verraten. Nur so als Beispiel. Die unterschiedlichen Generationen sollen sich in puncto Wissen und Können austauschen. „Die Altersklassen sind zuviel für sich“, hat Adam beobachtet. Was sich in Corona-Zeiten unseligerweise noch verschärft habe.

Das Projekt auch wirklich hinzubekommen „ist eine Riesenaufgabe, ich weiß. Aber woanders klappt das auch“, hat er sich so langsam richtig in Fahrt geredet. So und noch ein bisschen heftiger kennt ihn, wer Alfons Adam über die Jahrzehnte in Ausschüssen und im Rat erlebt hat. „Ich weiß. Aber der Kampf in der Firma, der Kampf in der Politik“, da sei es ihm schon mitunter schwergefallen, ruhig und sachlich zu bleiben. „Aber ich habe an mir gearbeitet“, sagt er mit dem ernstesten Gesicht der Welt. „Und ich bin ja nicht nachtragend.“ Spricht es und grinst.

Jetzt muss zur Sicherheit noch einmal nachgefragt werden: Ist denn aus der Mittel der 90-er wirklich keiner mehr im Rat? Nein. Obwohl, im nächsten Rat dann ganz sicher einer wieder. „Andreas Mattfeldt war 1996 auch schon dabei.“ Und? Was hält Adam davon, dass sich ein viel beschäftigter Bundestagsabgeordneter, Kreistagsmitglied und Geschäftsmann, dazu noch von der CDU, jetzt wieder für ein Ratsmandat bewirbt?

Alfons Adam seufzt. Er sei ja viel in Berlin gewesen, auch beruflich. Dort sei man sich öfter begegnet. „Auf Augenhöhe.“ Man meint zu spüren, dass er diesen Punkt dem CDU-Mann anrechnet. Man habe ja früher in der lokalpolitschen Arbeit auch gut zusammenarbeiten können. „Er wird Stimmen holen, ohne Frage.“

Aber wie wird Mattfeld dann in den Ausschüssen und im Rat mitarbeiten, als Bundestagsabgeordneter? „Ich kenn’ das aus eigener Erfahrung und der Arbeit im Betrieb. Das ist nicht zu schaffen. Und dann fehlt einer im Gemeinderat.“

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