„Mutti macht Politik“

Christin Sellinger aus Daverden ist SPD-Kandidatin für den Gemeinderat

Grüner Rückzugsort mit Terrasse: Christin Sellinger, neue SPD-Kandidatin für den Gemeinderat Langwedel, in ihrem Garten in Daverden.
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Grüner Rückzugsort mit Terrasse: Christin Sellinger, neue SPD-Kandidatin für den Gemeinderat Langwedel, in ihrem Garten in Daverden.

Daverden – „Schon immer“ – so umreißt Christin Sellinger den Zeitraum ihres ehrenamtlichen Engagements im Flecken Langwedel. In Daverden zehn Jahre Jugendarbeit bei der Kirchengemeinde, Elternsprecherin des Kindergartens sowie in Langwedel (nicht mehr aktives) Gründungsmitglied der DLRG und Laienschauspielerin der Goldbachbühne des MTV – die Liste ist lang.

„Ich bin wohl eine natürliche Helferin“, stellt die zweifache Mutter fest. Darüber hinaus ist sie Mitglied im Daverdener TSV, im Verein für Kultur und Geschichte Daverden sowie im Förderverein der Langwedeler Grundschule. Nun kandidiert Sellinger als SPD-Kandidatin für den Gemeinderat und den Ortsrat Daverden. „Mutti macht Politik“, bringt sie ihr Vorhaben auf den Punkt.

Sellinger betritt kein völlig neues Terrain: Sie nimmt als zugewähltes oder beratendes Mitglied im Jugend-, Sozial- und Sportausschusses bereits an Fachausschüssen teil. „Ich kann aber nicht mitbestimmen, sondern nur scharfe Fragen stellen“, sagt sie. Dass die 34-Jährige nun den Schritt in die Politik gehen will, daran ist mehr oder weniger SPD-Ratsherr Lars-Henrik Haase Schuld. In einer Sitzung des Jugend-, Sozial- und Sportausschusses wollte Christin Sellinger einen gut vorbereiteten, aber auch sehr langen Fragenkatalog verlesen. Fachbereichsleiter Rolf Korb habe sie sofort ausgebremst: Das Thema, das sie wenige Tage zuvor eingereicht hatte, stünde nicht auf der schon übervollen Tagesordnung. „Da bin ich aufgelaufen, aber aus Fehlern lernt man“, sagt Sellinger. Ihr Auftritt hatte Eindruck gemacht: Kurz darauf lud Haase sie zu einer Sitzung der SPD ein und schlug vor, dass sie sich aktiv in die Kommunalpolitik einbringen könnte. Sellinger fühlte sich „erstmals von der Politik ernstgenommen“ und bei den Langwedeler Sozialdemokraten so gut aufgehoben, dass sie im Mai 2021 sogar Parteimitglied wurde.

Sellinger wuchs in Daverden in einer Familie mit mehreren Generationen unter einem Dach auf. Anfangs sogar noch mit der Urgroßmutter. Die Namenswahl für ihre Söhne Fips (4 Jahre) und Fiete (6) führt sie ein wenig auf diesen frühen Einfluss zurück. „Das sind plattdeutsche Namen. Und meine Urgroßmutter hat Platt gesprochen“, erzählt sie.

Nach der Schule blieb Sellinger in Daverden, und machte eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten beim Flecken Langwedel, danach hängte sie noch ein Jahr Schwangerschaftsvertretung hinten dran. Anschließend wechselte sie nach Nienburg zum Amt für Ausbildungsförderung. Ihr Fachgebiet war das Schüler-Bafög. Nach vier Jahren war sie das Pendeln leid und fing beim Kirchenamt in Verden an, wo sie für die Bereiche Haushalt und Friedhof zuständig ist. Dann kam die Familienplanung, die junge Mutter hielt es jedoch nicht lange zu Hause aus. „Nach einem halben Jahr bin ich wieder einmal pro Woche arbeiten gegangen. Mit Erwachsenen zu reden, fehlte mir“, gibt Sellinger offen zu. Dabei spielte ihr die Möglichkeit, die Elternzeit aufzuteilen, in die Hände. Ihr Ehemann, der Steuerberater ist, blieb dafür einen Tag pro Woche zu Hause. Inzwischen arbeitet Sellinger 20 Stunden pro Woche. Eines ihrer politischen Ziele, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern, entspringt damit direkt der eigenen Lebenswirklichkeit. „Das betrifft sicher auch Männer, aber vor allem Frauen.“ Darum will sie auch die Betreuungssituation für Kinder verbessern, etwa durch mehr Krippenplätze, den Ausbau der Kindertagespflege und die Einführung der teilgebundenen Ganztagsschule. „Diese Schulform kommt auch Eltern zugute, die sich keine private Betreuung leisten können.“

Dass der Flecken den Betreuungsschlüssel im Jahr 2019 von zwei auf drei Erzieher pro Gruppe à 25 Kinder erhöht hat, begrüßt sie sehr. Aktuell stehen in Langwedel keine Grundstücke für den Bau weiterer Kitas zur Verfügung. Auch dafür hat Sellinger einen Vorschlag parat: „Eine Waldkita im Daverdener Holz. Man müsste nur gucken, wo man einen Bauwagen aufstellen könnte.“

Für die Jugend müsse im Flecken ebenfalls mehr passieren, findet Sellinger. Zum Beispiel fehle in Langwedel-City ein Jugendtreff. Daverden genüge da als Standort auf Dauer nicht. Das Engagement der Vereine will sie damit nicht schmälern. „Aber man muss den Jugendlichen auch außerhalb von Kirche und Sportvereinen etwas anbieten“, findet Sellinger.

Auch für alte Menschen will Sellinger etwas tun: Stationäre Pflegeheime seien nicht die einzige Lösung. Tagespflegeeinrichtungen als sozialer Treffpunkt für Senioren könnten die Angehörigen so weit entlasten, dass ein Wohnen zu Hause weiter möglich sei. Bislang gibt es in der Gemeinde nur zwei Einrichtungen. „Wir sollten uns als Sozialdemokraten dafür einsetzen, dass mehr Tagespflegeeinrichtungen ins Dorf kommen.“

Für den Fall, dass Christin Sellinger in den Gemeinderat gewählt wird, freut sie sich besonders auf die Sitzungen des Finanzausschusses. „Weil der über die Finanzierung von Vorhaben entscheidet. Ich muss mich natürlich noch reinfuchsen in die Materie“, sagt sie. Denn berufsbedingt sei sie zwar auch für Haushaltsangelegenheiten zuständig, aber mehr Fachfrau für das Friedhofswesen. „Zeit habe ich dafür zwar eigentlich nicht, aber einer muss es ja machen“, sagt sie über die Arbeit im Gemeinderat. Da spricht aus Sellinger wohl die Erfahrung aus den diversen Ehrenämtern.

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