Langwedeler Kulturtage gehen mit plattdeutschem Konzert zu Ende / Positive Gesamtbilanz

„Bürgermeister, hier klingt die Musik richtig gut“

Konzentriert und gleichzeitig entspannt lauschte das Langwedeler Publikum dem Otto Groote Ensemble im Bürgersaal des Rathauses. - Fotos: Sommerfeld

Langwedel - Leise und ein wenig feierlich klangen die Langwedeler Kulturtage aus. Das Abschlusskonzert am Sonntagabend im Rathaus stand ganz im Zeichen des Plattdeutschen. In dieser Mundart begrüßte Bürgermeister Andreas Brandt die zahlreich erschienen Gäste zum „grooten Finale“ mit dem Otto Groote Ensemble.

Die Musiker stimmten ein ruhiges Lied an. Das Publikum lauschte konzentriert und doch entspannt, niemand sprach. Eine fast andächtige Stimmung breitete sich im Saal aus. Otto Groote sang, begleitet von Matthias Malcher an der Gitarre und von Ralf Strotmann am Bass. Dann artiger Applaus.

„Die meisten haben wohl nichts verstanden“, meinte Groote, und die Besucher nickten lachend. „Das Ostfriesen-Platt hat einen anderen Klang als euer Platt“, erklärte er. Damit auch alle etwas vom Abend haben, übersetzte er die Texte seiner plattdeutschen Lieder – die hochdeutschen verstand ja sowieso jeder.

Dann ein selbst vertontes Gedicht der Lyrikerin Hilde Frauke Wichmann. „Ein romantisches Gedicht, das beschreibt, was ich fühlte, als ich 15 war“, kündigte Groote an. Titel auf Hochdeutsch: „Schaust du zum Mond am Himmelszelt“. Es folgten weitere vertonte Gedichte, aber auch Lieder auf Groninger Platt, eigene Stücke auf ostfriesischem Platt und auf Hochdeutsch: über einen verregneten Sommer, den Betrieb am Café Sand in Bremen, eine Hymne an Dangast, ein Lied über Berlin. Aber auch eines über Klänge. Das hat der gebürtige Ostrhauderfehner vom Groninger Platt in „sein“ Platt übersetzt. Dazu akustische Gitarrenmusik. „Folkmusik“ macht er, beschrieb Groote seinen Stil: „Das ist die Art Musik, wie sie Iren und Schotten machen“, schob er hinterher.

Poetisch, ja fast intellektuell sind die Texte und entsprechen überhaupt nicht dem Image des Plattdeutschen: derb und deftig. „Es klingt richtig edel. Auch wenn ich nicht alles verstehe, ist es ein Genuss zuzuhören“, meint eine Besucherin.

Zwischendurch wurde Groote zum humorvollen Geschichtenerzähler. Er berichtete von zahlreichen Fans, die im Süden Deutschlands wohnen und zu seinen Konzerten nach Bremen reisen: „Die verstehen kein Wort, die Texte müssen für sie wie Schottisch oder Kisuaheli klingen. Deshalb fragten sie mich, ob ich nicht auch Lieder auf Hochdeutsch spielen könnte.“ Oder über die Insel Spiekeroog: „Das ist unsere Stamminsel geworden - wie spielen dort mehrere Male im Jahr. Nach Ende des Konzerts kommt man dort nicht weg - so verbringen wir pro Konzert ein Wochenende auf der Insel, dürfen Musik machen und bekommen auch noch Geld dafür.“

Das Bremer Trio präsentierte außerdem Lieder der neuen CD. „Unsere Stücke handeln vom Verlassen einer alten Welt. Von den damit verbundenen Gefühlen wie Neugier und Abenteuerlust, aber auch von Unbehagen und Trauer um das Vergangene. Einige der Lieder kann man als Auswandererlieder bezeichnen - dabei hatten wir die Lage der Menschen im Kopf, die Deutschland vor 150 Jahren verließen. In den vergangenen Monaten zeigte sich, wie aktuell das Thema ist“, sagte Groote.

Übrigens: Der Sänger wusste die Akustik des Saals zu würdigen: „Bürgermeister, wir spielen in vielen Räumen, doch hier klingt die Musik richtig gut. Da kommen wir gern wieder.“ Und an die Organisatoren vom Langwedeler Kulturverein und Verein für Kultur und Geschichte Daverden: „Ganz klasse, in welch toller Stimmung die Kulturtage organisiert wurden. Respekt für das, was ihr auf die Beine gestellt habt.“

Sigrid Ernst und Theda Henken zogen denn auch eine positive Bilanz der Veranstaltungsreihe: Zu den sechs Abenden kamen insgesamt 500 bis 600 Besucher, schätzte Ernst.

„Wir hatten ein ausgewogenes Programm, zu dem je nach Veranstaltung neues Publikum kam – zusätzlich zum harten Kern“, freut sie sich. Henken ergänzte: „Es war viel Arbeit, doch wenn alles läuft und die Gäste kommen, freuen wir uns.“ Ob es 2017 Kulturtage gibt und wenn ja, wie sie organisiert werden, wollen die Veranstalter in den kommenden Tagen besprechen. is

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