Bürgerinitiativen machen mobil / Harsche Kritik am geplanten Fracking-Gesetz

Gegen Lagerstättenwasser: Demonstration am 9. Mai

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Am 9. Mai gibt es eine Demonstration mit dem Ziel Völkersen – gegen die geplante Verpressung von Lagerstättenwasser.

Völkersen - „Die Energiekonzerne wollen Völkersen zum Vorreiter für unerprobte und augenscheinlich riskante Technologien machen“, beklagt Thomas Vogel. Doch dem Sprecher der Bürgerinitiative (BI) „No Fracking“ Völkersen geht ihm nicht nur um seine Heimat. „Nirgendwo soll es je möglich sein, ungereinigtes giftiges Lagerstättenwasser wieder zu verpressen.“Auch darum bekommen die örtlichen Bundestagsabegeordneten in den nächsten Tagen Post zum geplanten „Fracking-Gesetz“ und unter anderem auch darum organisiert man für den 9. Mai eine Demonstration in Völkersen.

An dem besagten Sonnabend demonstrieren alle Bürgerinitiativen gegen das Gasbohren aus der Region und hoffen dabei auf viele Menschen, „die sich für sauberes Grund- und sicheres Trinkwasser engagieren und der Forderung Nachdruck verleihen, dass Sicherheit und Gesundheitsvorsorge Vorrang haben vor Konzerngewinnen“.

Treffpunkt ist am 9. Mai um 14 Uhr in Holtebüttel, Nähe DEA Hauptbetriebsplatz, Schülinger Straße (Parkplatz gegenüber dem Friedhof). Der Demonstrationszug führt nach Völkersen zum Gasthof Grashoffs, dort findet die Abschlusskundgebung statt.

Kreative Plakate und lautstarke Akustik sind willkommen, für das leibliche Wohl wird gesorgt. Trecker mit Motivwagen und eine Sambagruppe begleiten die Demonstration.

„Grundsätzlich wird bei jeder Erdgasförderung auch Lagerstättenwasser mit an die Oberfläche gefördert. Dieses salzhaltige Tiefenwasser ist häufig hoch belastet mit Giftstoffen wie Quecksilber, Benzol und oft auch radioaktiven Substanzen. Wohin aber mit diesem gefährlichen Abfall, der in Niedersachsen - Deutschlands größtem Erdgasfördergebiet - in Massen anfällt?“, fragt die Bürgerinitiative und kennt natürlich die Antwort: Über die still gelegte Förderstelle „Völkersen Nord Z3“ möchte die DEA ihr Lagerstättenwasser, pro Jahr 130000 m³ aller firmeneigenen Förderstellen aus ganz Niedersachsen in Tiefen bis zu 5000 Metern verpressen. Der nötige Antrag ist gestellt, genehmigt noch nichts.

„Niemand kann verlässliche Angaben darüber machen, wohin sich das verpresste giftige Lagerstättenwasser im Erdreich überhaupt bewegen wird, das dann aber für immer unkontrollierbar und nie rückholbar entsorgt wäre“, so die BI-Befürchtung. Dabei gehe es um die Lebensqualität in der Region und um das Trinkwasser für hunderttausende Menschen in Norddeutschland.

„Die Reinigung von Lagerstättenwasser ist möglich. Aber sie kostet Geld und schmälert den Konzerngewinn“, sagt Andreas Noltemeyer, Ortsbürgermeister der Gemeinde Völkersen.

Gnadenlos geht die BI in ihrem mehrseitigen Schreiben an die Bundestagsabgeordneten Mattfeldt (CDU), Jantz (SPD) und Behrens (Die Linke) sowie Twesten von Bündnis 90/Die Grünen mit dem geplanten Frackinggesetz ins Gericht.

In seiner derzeit diskutierten Fassung erlaube das Gesetz auch die unkonventionelle Förderung, nämlich per Fracking, in allen Gesteinsschichten unterhalb von 3.000 m und selbst in Schichten oberhalb von 3.000 m zunächst zu Forschungszwecken und später auch zur kommerziellen Ausbeutung zuzulassen.

Die Initiative fordert hingegen ein umfassendes Verbot – oder, wenn das nicht zu haben ist, „sollte Fracking allenfalls nur ganz ausnahmsweise und unter strengsten Auflagen ausnahmslos nur zu Forschungszwecken ermöglicht werden“.

Das vom Gesetzentwurf vorgesehene Verpressen von Lagerstättenwassers in ausgeförderte Lagerstätten ist für die Initiative „eine völlig neue Methode..., zu der keinerlei belastbare Forschungsergebnisse vorliegen.“ Das Verpressen gilt der BI zudem als mögliche Ursache für Erdbeben.

Alternative Entsorgungsmethoden, wie zum Beispiel die vollständige dezentrale Aufbereitung des Lagerstättenwassers, würden nicht nur nicht berücksichtigt, sondern geradezu ausgeschlossen.

Die Bürgerinitiative fordert, das Verpressen des belasteten Lagerstättenwassers ausnahmslos zu untersagen. Unter dem Gesichtspunkt des Schutzes des Grund- und Trinkwassers wird dabei insbesondere eine Regelung im Gesetzentwurf für besonders unverantwortlich gehalten.

Die Initiative hat ausgerechnet, dass das im Falle der von der DEA beantragten Verpresserlaubnis für Völkersen Nord Z3 rund 1,2 Tonnen wassergefährdender Stoffe durch wasserführende Schichten in die Lagerstätte gepresst werden könnten. „Ein derartiger Gesetzesvorschlag kann nur als skandalös bezeichnet werden“, so BI-Sprecher Thomas Vogel.

Auch die so genannten „Bergschadensvermutung“ ist für die Initiative misslungen. Wesentliche rechtliche Fragen, zum Beispiel dazu, wer was im Schadensfall konkret zu beweisen hat, aber auch Fragen der praktischen Handhabung, blieben unbeantwortet.

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