Flecken Langwedel und Stadt Verden vor einer Einigung im Abwasserstreit

Bürger bekommen Geld zurück

Im Klärwerk Verden wird ein Teil der Langwedeler Abwässer gereinigt. - Archivfoto: Wienken

Langwedel - Normalerweise gehört es ja in Sitzungen des Finanzausschusses zum guten Ton, dass sich die Politiker bei der Verwaltung für die geleistete gute Arbeit bedanken. Diesmal nicht.

„Erst einmal möchte ich der WGL in Form von Gerhard Landzettel danken, der die Verwaltung zu Höchstleistungen getrieben hat“, hob Bauamtsleiter Frank Bethge an. „Die Sache war nicht ohne, die hatte höchsten Schwierigkeitsgrad.“ Gemeint war der Streit mit der Stadt Verden um die Abwassergebühren.

Der Streit könnte nun, zumindest aus Langwedeler Sicht – zu einem guten Ende kommen. Zum Hintergrund: Langwedel hat kein eigenes Klärwerk, das Abwasser aus dem Flecken geht nach Verden und Achim in die dortigen Klärwerke. Seit 2012 erschienen den Langwedelern die zum Teil heftig gestiegenen Gebühren als viel zu hoch. Schon damals forderte die WGL eine Überprüfung.

2014 gab es dann noch einmal einen richtigen Ausreißer nach oben, es wurde eine extrem hohe Schmutzrate im Abwasser gemessen, dass da aus Langwedel nach Verden geliefert wurde. Folglich verlangte man aus der Domstadt eine saftige Nachzahlung.

In Langwedel klapperte man die üblichen Verdächtigen ab – die Autobahnrastanlagen, einen Tierfutterhersteller und alles, was größere Fettabscheider in Betrieb hat. Gefunden wurde nichts, was den sprunghaften Anstieg der Schmutzfracht erklären konnte.

Langwedel wandte sich an die „hanseWasser“ – in Bremen für die Abwasserentsorgung zuständig. Die Bremer fanden die Ursache für die außergewöhnlichen Ergebnisse: falsche Messstellen. Nachdem die geändert wurden, bewegen sich die Messungen für die Langwedeler Abwässer wieder weitgehend im gewohnten Rahmen.

Für die Verantwortlichen im Flecken stand danach fest: Wir und damit unsere Bürger haben seit 2012 viel zu viel für die Abwasserentsorgung bezahlt, wir wollen unser Geld zurück.

Und wie sollte es anders sein, Langwedel und Verden wurden sich über die Höhe der Rückzahlung nicht einig. Es ging nicht vor und zurück, ein Rechtsstreit zwischen den Nachbarn drohte. Bis die Kommunalaufsicht, also der Landkreis, ein Moderationsverfahren vorschlug. Hier gingen die Verhandlungen dann äußerst fair über die Bühne, wie auch Bürgermeister Andreas Brandt betonte.

Im Verlauf der ganzen Angelegenheit habe Gerhard Landzettel mehrfach mit dem Hinweis „Ihr habt euch verrechnet“ hilfreich eingegriffen, so Brandt. In den Verhandlungen habe man zwar nicht alle Forderungen erfüllt bekommen, dass Ergebnis sei aber in Ordnung.

„Also, ich sag es gleich. Wir nehmen den gefundenen Kompromiss an. Auch wenn er sich im unteren Bereich dessen befindet, was wir annehmen können“, erklärte der hochgelobte Gerhard Landzettel.

Nur Zustimmung für das ausgehandelte Ergebnis gab es auch von SPD, CDU und Grünen. Das sieht vor, dass Verden an Langwedel unterm Strich 236.551,41 Euro zurückzahlt. Wenn denn der Stadtrat Verden und der Gemeinderat Langwedel besagtem Kompromiss zustimmen.

Die Gemeinde Langwedel hätte dann beim Abwasser einen Gebührenüberschuss von 551.911,56 Euro in der Kasse. Den darf sie nach Recht und Gesetz allerdings nicht behalten, sondern muss ihn an die Bürger zurückzahlen. Der WGL wäre es am liebsten, dass würde gleich im kommenden Jahr passieren. Dafür müsste man die Abwassergebühr um etwa einen Euro auf 1,50 bis 1,60 Euro pro Kubikmeter senken.

Was dann den Langwedelern aber auch gleich klipp und klar zu sagen sei, so Landzettel: 2018 müsste man aber die Gebühren gleich wieder erhöhen, um kostendeckend in der Abwasserentsorgung arbeiten zu können.

jw

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