Werk in Langwedel vorgestellt

Buch über Landkreis Verden in der Nazizeit: „Den Nerv getroffen“

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Hermann Deuter (l.) und Dr. Joachim Woock stellten das Buch „Es war hier, nicht anderswo! Der Landkreis Verden im Nationalsozialismus“ im besonderen Ambiente des Häuslingshauses vor.

Langwedel - Auf Einladung des Langwedeler Kulturvereins stellten die Herausgeber Hermann Deuter und Dr. Joachim Woock jetzt ihr Buch „Es war hier, nicht anderswo! Der Landkreis Verden im Nationalsozialismus“ im Häuslingshaus vor. Das Buch ist eine bislang einmalige Sammlung zur Geschichte des NS-Systems im Landkreis Verden. 19 regionale und Autorinnen und Autoren berichten in mehr als 80 Beiträgen über das Unrechtsregime des Nationalsozialismus auf lokaler und regionaler Ebene.

Die Veranstaltung war gut besucht. Seit dem Erscheinen des Buches im Dezember 2016 sei es bereits die vierte Buchvorstellung und alle seien auf großes Interesse gestoßen, so Deuter. „Das zeigt, dass das Buch den Nerv getroffen hat.“ Von der 1 900 Exemplare umfassenden Auflage seinen bereits circa 1 000 Bücher verkauft worden. Im Januar 2012 hatte der Verein für Regionalgeschichte Verden den Beschluss gefasst, das Werk in Angriff zu nehmen. Enthalten sind auch 250 Abbildungen, Fotos und Dokumente, teils zuvor noch nie veröffentlicht.

Hermann Deuter gab einen kurzen Überblick über den Inhalt. Das Titelbild des Buches zeigt einen Aufmarsch der Nationalsozialisten auf dem Verdener Rathausplatz. Eine große Hakenkreuzfahne weht im Vordergrund. „Solche Aufmärsche der Nationalsozialisten waren damals an der Tagesordnung. Sie sollten Macht und Stärke demonstrieren und Andersdenkende einschüchtern“, so Deuter. Die Rückseite zeigt den Abschiedsbrief, den die junge Cato Bontjes van Beek am Tage ihrer Hinrichtung an ihre Mutter schrieb.

Fast alle Gemeinden im Landkreis vertreten

Das Buch sei erschienen, um zu zeigen, dass der Nationalsozialismus auch in unserer ländlichen Region stattgefunden hat, daher habe man sich lokaler Quellen bedient, erklärte Deuter. Gerade diese „Geschichte vor Ort“, sei geeignet um auch bei jungen Menschen Empathie auszulösen und Interesse zu wecken.

Man habe sich auch entschlossen, Namen von Tätern und Opfern in dem Buch zu nennen, um eine authentische Aufarbeitung der Geschehnisse ist zu gewährleisten. Der Prolog stammt von der über 90-jährigen Jüdin Eva Spielberger, die auch im KZ Bergen-Belsen und im Außenlager Obernheide/Uphusen interniert war.

Ein Großteil der gut 80 Textbeiträge, von denen 50 allein von Joachim Woock stammen, handelt von Achim und Verden, allerdings sind fast alle Gemeinden im Landkreis vertreten. Das Werk ist in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil wird das Aufkommen, der Aufstieg und die Machtübernahme der Nationalsozialisten in Achim und Verden dargestellt. 

In Teil zwei wird der „alltägliche Nationalsozialismus“ von 1933 bis 1945, aber auch der Widerstand beschrieben. Geschildert wird das Leid der verfolgten Gruppen, beleuchtet wird die Arbeit der Gestapo sowie die Rolle der Presse oder der Kirche. Der dritte Teil beschäftigt sich mit Folgen des Krieges wie Flucht und Vertreibung, mit dem demokratischen Neuaufbau nach 1945 sowie Formen des Gedenkens und Erinnerns.

Hingerichtet, weil sie Lebensmittel gestohlen hatten

Um einen Eindruck von den Inhalten des Buches zu vermitteln, las Woock einen kurzen Text von Frank Pfeifer, der sich mit dem Gedenkstein beschäftigt, der zur Erinnerung an die polnischen Zwangsarbeiter Feliks Puchalski (24), Stanislaw Rutkowski (21) und Marian Królikowski (20) an der Oberschule Langwedel errichtet wurde. Die drei jungen Männer wurden 1944 im Daverdener Holz durch Erhängen hingerichtet, weil sie Lebensmittel gestohlen hatten.

Ein Beitrag von Hermann Deuter beschäftigt sich mit der Entnazifizierung in Langwedel. Der Artikel „Displaced Persons: Entwurzelte und verschleppte Personen in Deutschland bei Kriegsende“ von Johanna Behling greift auch die Kriminalität einiger Displaced Persons (DP) im Raum Langwedel auf. Es kam zu Plünderungen, illegalen Schlachtungen, Schwarzbrennerei, Diebstählen. Ein Raubüberfall in Daverden endete mit dem Tod der 62-jährigen Hausherrin. Der Haupttäter wurde von einem britischen Militärgericht zum Tod verurteilt und in Verden durch ein Erschießungskommando hingerichtet. - ahk

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