Martin Mittnacht und seine Häsefelder Brauerei in Daverden

Bierfaszination trifft Tüftelspaß

Selbermachen lautet die Devise von Hobby-Brauer Martin Mittnacht. Für flüssigere Produktionsprozesse hat er eine eigene Gegendruckabfüllanlage mit Verkorker konstruiert.
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Selbermachen lautet die Devise von Hobby-Brauer Martin Mittnacht. Für flüssigere Produktionsprozesse hat er eine eigene Gegendruckabfüllanlage mit Verkorker konstruiert.

Daverden – Mit dem Brauhandwerk verknüpft Martin Mittnacht zwei seiner Leidenschaften. Sein Hobby sei etwas aus dem Ruder gelaufen, bilanziert Martin Mittnacht und deutet auf vielfältiges Equipment auf seinem Hof. „Zum Glück habe ich eine sehr tolerante Ehefrau“, sagt der Projektingenieur.

Im Garten des Hauses Nummer 4 im Häsefeld in Daverden lagern jede Menge Ausrüstungsgegenstände, die der Maschinenbauer für seine kleine Privatbrauerei benötigt oder einmal benötigen könnte. Ein kleiner Anbau beherbergt zwei Edelstahlkessel, Fässer und Pumpen. Weitere Kessel überdauern in einem Unterstand zusammen mit einem ausrangierten Durchlauferhitzer der Bundeswehr, und in der umfunktionierten Garage wartet eine selbstkonstruierte Abfüllanlage auf ihren ersten Einsatz.

Seine vielfältigen Bierkreationen haben inzwischen zahlreiche Liebhaber gefunden, und dadurch ermuntert, feilt Martin Mittnacht immer weiter an Brautechnik und Rezepturen.

Angefangen hatte alles 2011. Aus einer Laune heraus habe er sich ein Bierbrau-Set zum Weihnachtsfest gewünscht. „Das wollte ich immer schon mal ausprobieren“, erklärt der 57-Jährige. Frühe Versuche verliefen vielversprechend und so lösten Ehrgeiz und Pioniergeist bald die erste Neugier ab. „Ich kann mich an kein Ergebnis erinnern, das nicht trinkbar gewesen wäre“, erinnert sich der Tüftler.

Zuerst habe er in der Küche gebraut, aber das sei bei seiner Familie nicht gut angekommen, und außerdem seien vier Kochfelder viel zu klein gewesen. Deshalb richtete er mit behördlicher Zulassung eine Brauküche in einem Anbau ein. Schon bald erschien ihm die Ausschlagmenge zu gering und so ersetzte er Kochtöpfe durch ausrangierte Einmachzuber, in denen er über Holzfeuer den Sud kocht.

„Ob ich 20 Liter ansetze oder 50, das ist doch ganz egal“, sagt der Hobby-Brauer. „Der Aufwand ist jedenfalls derselbe.“ Wasser aufkochen, Malz schroten, einmaischen, umschöpfen und abläutern, Würze einkochen und Hopfen hinzugeben – das sei im Prinzip alles.

Informationen über Ausgewogenheit der Zutaten, Hopfensorten, Temperaturverläufe vermerkt der Experte gewissenhaft in seinem Sudbuch. In erster Linie braue er für sich selbst, so der Bierliebhaber, aber wenn sein Hopfengetränk auch andere Gaumen erfreue, sei ihm das sehr recht. „Ich versuche immer, sechs Sorten vorrätig zu halten“, sagt Mittnacht. Im Angebot hält der Daverdener Kloster- und Weizenbier bereit sowie Pale Ale, Irish Red Ale, ein „Helles“ für jeden Geschmack und ein Stout mit Kaffee- und Schokoladenaromen. Seine Biere seien besonders vollmundig und geschmacksintensiv, weil er keine Stoffe zur Klärung oder zur Konservierung einsetze. Alles bleibe drin und mache das Getränk auf diese Weise besonders aromatisch. Während eines Jahres komme er auf etwa 20 Sude, aber zurzeit braue er weniger, weil in der Pandemie die Absatzmärkte fehlen.

Seine Biere vertreibt er unter der Bezeichnung „Häsefelder“ über einen regionalen Getränkefachmarkt in Langwedel, außerdem in den „Köstlichkeiten“ in Verden oder direkt an seiner Haustür. Einen alten Imbisswagen hat Mittnacht zu einem Schankwagen umfunktioniert, mit dem er regionale Märkte besucht und dort frisch gezapftes Bier über die Theke reicht.

„Das kostet immer unglaublich viel Zeit, macht aber ungeheuer viel Spaß“, berichtet der Bierexperte. Sein Lieblingsbier ist ein Pale Ale, das durch seine ausgewogene Hopfennote überzeuge. Bei dessen Brauprozess füge er nach dem Gärvorgang nochmals Hopfen hinzu, der seine Aromen dann drei bis fünf Tage voll entfaltet, ohne Bitterstoffe abzugeben.

Sein Hobby finanziere sich von selbst, betont Martin Mittnacht, aber reich werde er damit sicher nicht. Um das Verhältnis von Kosten und Zeit sowie Spaß und Leidenschaft weiter positiv zu beeinflussen, müsste er nochmals die Produktionsmenge erhöhen. Dazu hat er sich bereits zwei Edelstahlkessel mit einem Fassungsvermögen von 700 Litern aus einem Milchviehbetrieb organisiert – einen zum Kochen, den anderen zum Abläutern.

„Das hat aber noch Zeit“, sagt der passionierte Bastler, „mich hetzt ja keiner.“ Für weitere Schritte hat er jedenfalls einen gebrauchten Durchlauferhitzer der Bundeswehr mit einem benzinbetriebenen Gebläsebrenner und einer Heizleistung von 128 Kilowatt angeschafft. „Die großen Mengen Kochwasser müssen ja irgendwo herkommen“, erklärt der selbsternannte Wirkungsbrauer diese Anschaffung. Besonders stolz ist er allerdings auf einen selbstkonstruierten vierflutigen Gegendruckabfüller mit Kronenverkorker. „Kaufen? Wo ist da der Witz?“, fragt der Schweißfachingenieur. „Selbermachen, das ist interessant!“

Von Ingo Schmidt

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