„100 Jahre Essen und Trinken in Daverden und umzu“

Vortrag macht Appetit: Als Bier Frühstücksgetränk war

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Theda Henken, die Vorsitzende des Vereins für Kultur und Geschichte Daverden, begrüßte über 40 interessierte Besucher zum „Stammtisch“-Treffen im Restaurant „Antiochia“. 

Daverden - Früher waren zumindest auf dem Dorf die Menschen Selbstversorger. Sie bauten Gemüse und Kartoffeln an, fütterten Schweine bis zur Schlachtreife, hielten Hühner für die Eierproduktion und oft auch Gänse und Enten für besondere Feiern. Heute ist dies alles eher Hobby. Man kann das ganze Jahr über alles bekommen. Tiefkühlgeräte gab es damals jedoch nicht. Die Bäckerei Haferkamp bot Ende der 1950er Jahre das erste Kühlhaus.

Auf ,,100 Jahre Essen und Trinken in Daverden und umzu“ blickte Klaus Fricke vom dortigen Verein für Kultur und Geschichte in seinem Vortrag zurück, mit dem er über 50 interessierte Zuhörer im Restaurant ,,Antiochia“ fesselte.

Weil das Küsterhaus inzwischen leer geräumt ist, war die Veranstaltung nach hier verlegt worden. Vereinsvorsitzende Theda Henken begrüßte alle zu diesem Abend.

Schon die alten Ägypter und Römer, Martin Luther, William Shakespeare und Goethe hätten sich mit dem Thema befasst, denn ,,Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen“, stellte Klaus Fricke einleitend fest.

Alte Haushaltsgerätschaften und sogar Kostproben von heute kaum noch bekannten Speisen hatte Klaus Fricke dabei.

Bei der Hausschlachtung wurde einst fast alles verwertet, und der Rest landete im Schweineeimer, berichtete er. Heute wirft jeder Deutsche im Schnitt 80 Kilo Lebensmittel pro Jahr in den Mülleimer.

Schimmelstellen wurden damals aus dem danach noch verzehrten Brot und sogar Maden aus dem Schinken geschnitten. Vor dem Krieg gab es als Gewürze nur Salz, Pfeffer, Senf, Essig und einige Küchenkräuter. Erst durch die Flüchtlinge kam Knoblauch hinzu.

Knoblauch in der Wurst führt zum Hausverbot

,,Schlachtermeister Friedel Oetting brachte Fleisch und Wurst mit dem Fahrrad aus und hatte bei uns vier Wochen Hausverbot, weil er Bremer Gekochte mit Knoblauch lieferte“, wusste Fricke noch.

Das Essen diente aber früher auch der Kommunikation. Die Kinder lernten zudem Tischsitten und richtiges Benehmen.

Bis ins 19. Jahrhundert gab es zum Frühstück und Abendbrot Bier, denn Kaffee und Tee waren zu teuer. Bier war auch viel keimärmer als Wasser, das aus Brunnen kam, die meistens in der Nähe des Misthaufens lagen.

Auch Kinder tranken den damaligen, noch alkoholärmeren Gerstensaft. Milch gab es ebenfalls –  häufig Ziegenmilch, wenn ein solches Tier im Stall stand.

Ende des 19. Jahrhunderts kam Malzkaffee, auch als Muckefuck bekannt, hinzu. Er bestand aus einer Mischung aus Gerste und Roggen. Bekannte Marken waren Lindes, Kathreiners und als erster Instant-Kaffeeersatz „Caro“ sowie nach dem Krieg Eitzer Kaffee.

Klaus Fricke hatte auch einige Gegenstände mitgebracht, Etwa eine Kaffeemühle, die man im Sitzen zwischen die Beine klemmte. Das einmal überbrühte Pulver überstand auch einen zweiten und dritten Aufguss, nach dem allerdings der Boden der Tasse mit Blumendekor sichtbar wurde. Daher der Name ,,Blümchenkaffee“.

Neben Bier gab es Köm

Der Alkoholkonsum unserer Vorfahren beschränkte sich neben Bier auf Köm, den Kümmelschnaps. Auch eine Kugelverschlussflasche zeigte Fricke. Diese ,,Knickerflasche“ wurde von einer im Innern befindlichen Glaskugel abgedichtet.

Dann zählte er einige Gerichte auf, die es heute kaum noch gibt: den Buttermilchbrei, bekannt auch als ,,Boddermelkssangeballers“, oder Salzkartoffeln mit warmer Buttermilch und ausgelassenem Speck mit Zwiebeln. Dazu wurde dann Beutelwurst gegessen.

Buttermilchreis mit Zucker und Zimt war ebenfalls beliebt. In Vergessenheit geraten ist ein weiteres süßes Hauptgericht: die ,,Armen Ritter“. Das waren in Ei und Milch eingeweichte alte Brötchen.

Im Sommer lockte die Dickmilch, denn die Milchsäurebakterien ließen binnen weniger Tage das Melkprodukt gerinnen. ,,Himmel und Erde“, ein Gemisch aus Kartoffeln und Äpfeln, galt ebenso als Genuss wie ,,Birnen, Bohnen und Speck“.

Zum Nachtisch gab es gelbe ,,Welfenspeise“ oder Rote Grütze. Als Kuchen aus seiner Kindheit kannte Klaus Fricke den ,,Schwarzen Peter“ oder den Wackelpudding, in dem oft eine Bohne steckte. Wer sie als Kind fand, musste den Namen der Freundin verraten.

Zwischendurch wurden an dem esshistorischen Vortragsabend kleine Teller mit alten Speisen herumgereicht, damit auch alle schmecken konnte, worüber gesprochen wurde. 

hu

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