Besonderer Abend im Häuslingshaus

„In Vino Veritas“ - Ihno Tjark Folkerts und Benedikt Vermeer begeistern

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„Das kann ja heiter werden“, hatten Ihno Tjark Folkerts und Benedikt Vermeer in der Ankündigung ihres Programmes „In Vino Veritas“ versprochen. Die beiden hielten ihr Wort.

Langwedel - Von Wolfgang Hustedt. „In Vino Veritas“ – Das kann ja heiter werden.“ So war es auf den Einladungen zu einem besonderen Literarisch-musikalischen Abend im Häuslingshaus zu lesen. Und was versprochen war, das wurde auch gehalten, wie die Besucher der ausverkauften Veranstaltung mit dem Geiger Ihno Tjark Folkerts und Rezitator Benedikt Vermeer nur bestätigen können.

Begonnen hatte dieser besondere Sonntag bereits um 17 Uhr mit einem sommerlichen Picknick im Grünen. Sigrid Ernst vom veranstaltenden Langwedeler Kulturverein war sichtlich stolz, dass es gelungen war, den Garten hinter dem Häuslingshaus mediterran zu verzaubern.

Bei kühlen Getränken und einem italienischen Antipasta-Buffet konnte man in Gesprächen in den späteren Abend hineingleiten. Franz Wagner, Bernhard Fischer und Heiner Schwarting aus Dauelsen stimmten die Gäste mit Oldies ein. Diese drei Musiker nennen sich „Kelloldies“ – weil sie in Kellern proben.

Um 20 Uhr ging es dann in das Häuslingshaus, wo Dr. Wolfgang Ernst die beiden Künstler Ihno Tjark Folkerts und Benedikt Vermeer begrüßte. Getreu dem Motto „Das kann ja heiter werden“ kündigte Wolfgang Ernst einen berauschenden Abend an – was sich auch ganz ohne Alkohol hinbekommen ließ.

Vor Vermeer stand immer ein kleines Glas Rotwein

Das Programm befasste sich literarisch mit dem mal bewußtseinserweiternden und mal auch gegenteiligen Wirkungen des Rebentropfens. Und so stand auf dem kleinen Tisch vor Vermeer auch immer ein Glas Rotwein.

Noch hinten in der Kammer des Häuslingshauses stehend konnte man den Geiger Ihno Tjark Folkerts hören, der den Abend musikalisch mit Stücken von Antonio Vivaldi, Nicolo Paganini, Camille Saint- Saens, Johanns Brahms und Antonin Dvorak bereicherte. Für seine sauber gespielten Solos erhielt er immer wieder großen Beifall. Außerdem ergänzten sich die beiden Künstler hervorragend.

Benedikt Vermeer gelang es locker, Werke der Lyrik und Prosa mittels Sprache und Darstellung dem interessierten Publikum nahezubringen. Er begann seine Einleitung auf Latein, lieferte für Nichtlateiner eine Wiederholung auf Deutsch und gab damit eine Einführung in literarische Leckerbissen rund um das Thema Alkohol. Besonders Wilhelm Busch hatte es ihm angetan.

Vor der Abendveranstaltung ließ man es sich nachmittags im Garten des Häuslingshauses gut gehen, mit dabei waren die Kelloldies.

Vermeer beschrieb den Wein aus Elsass-Lothringen als „schlimmen Finger“. Ermogelte er sich in ein Theater, nahm allein mit einer Flasche Rotwein in der Loge Platz. Gegeben wurde „Don Juan“. Plötzlich vermutete er ein Frauenzimmer in seiner Loge, dann ein furchtbarer Knall: Don Juans Höllenfahrt.

Eine Skipiste kann Vergnügen bieten, für Männer älteren Semesters aber ein schwieriges Gelände darstellen, wenn Mann seine Bretter nicht beherrscht. Skihäschen lassen sich so nicht erobern. Also geht Mann ins Kurhaus – um sich frustriert zu besaufen.

Es war bewundernswert, mit welch Leichtigkeit es Vermeer schaffte, Narrheiten und Wahrheit des Altmeisters in der Komik lebendig werden zu lassen, so auch mit der frommen Helene von Wilhelm Busch.

Nach einem Sturz aus einem Fenster im Hochparterre sah Vermeer sich als Opfer der Parteiverdrossenheit. Er entdeckte seine patriotische Pflicht, wählen zu gehen. Er ging zu den Nationalsozialisten, die aber nur Tucholsky über den Haufen schießen wollten. Im Übrigen ziehe dort der Zahnarzt den Mitgliedern die Zähne durch die Nase, da sie ja den Mund nicht mehr aufmachen dürften.

Böse Worte gegen die Politik, gewürzt mit Schnaps

Dann ging er zu den Christen, aber die werden ja nur von Rom regiert. Darauf trank er zunächst vier Schnäpse, um sich zu den Demokraten zu begeben. Bei den Liberalen konnte er das Programm selbst aussuchen, so war für jeden etwas dabei. Schließlich landete er bei den Sozialdemokraten, wo einer redete, während alle anderen schliefen.

Auf die Frage, warum er seit 25 Jahre diese Partei wähle, kam die Antwort: Weil er das schon immer getan hat. Ein Fazit des Benedikt Vermeer: „Die Sozialdemokraten sind die Vorhaut der Arbeiterklasse. Wenn es ernst wird, zieht sie sich zurück.“

Vermeer verstand es, politische und menschliche Analyse auf leichte und witzige Weise zu liefern. Humorvoll, zeitlos und tiefsinnig waren die vorgetragenen Gedichte. Auch mit Joseph von Eichendorf versuchte er sich, der mit einem weißen Ross auf den Bocksberg kam, ein Ross mit Schlangenfüßen und Fledermaushänden. Alles nur geträumt, und der Katzenjammer setzte ein, als er wieder erwachte. „Jahre vergehen, der Durst bleibt bestehen“, war sein Fazit.

Zum Schluss behauptete Vermeer, dass schon Erich Kästner im Häuslingshaus gewesen sei, den Applaus und den Alkohol gut gefunden hätte... Kurzum: Ein hervorragender Sommerabend im Häuslingshaus mit viel Beifall und dem Gefühl, etwas Besonderes erlebt zu haben.

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