Beratung über „Giersberg West“ / Nächster Anlagenbetreiber in den Startlöchern

Gegenwind für Windpark

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Vor großem Publikum wurde jetzt über den Windpark Giersberg beraten. Entscheiden wird der Gemeinderat am 3. Dezember.

Langwedel - Offiziell war es am Montagabend eine gemeinsame Sitzung von Ortsrat Etelsen und Bauausschuss. Drei Stunden widmete man sich dabei einem einzigen Punkt – und das hatte dann mehr der Charakter einer offenen Diskussionsveranstaltung über Sinn oder Nichtsinn von Windkraftanlagen im Allgemeinen und den Plänen für einen Windpark Giersberg im Besonderen.

Seit 2003 versucht die Firma ecoJoule aus Neustadt am Rübenberge auf einer Fläche zwischen Steinberg, Giersberg und Auf dem Branden Windenergieanlage aufzustellen. Ursprünglich hatte die Raumplanung des Landkreises hier eine Fläche als Mülldeponie vorgesehen. Das ist Geschichte, auch weil alle Fraktionen im Langwedeler Rat sich über die Jahre dafür einsetzten, hier lieber Windkraftanlagen aufzustellen.

Genau das aber will seit 2008 die Initiative „Bürger gegen Windpark Giersberg“ verhindern – und so war man jetzt auch zahlreich im Langwedeler Rathaus erschienen. Hier sollten Ortsrat und Bauausschuss eine Empfehlung aussprechen, ob der Flecken sein „gemeindliches Einvernehmen“ zum Bau des Windparks erteilt und einen Gestattungsvertrag unterzeichnet: „Zum jetzigen Zeitpunkt“ nicht, lautet dazu die Empfehlung der Gemeindeverwaltung. Zuvor möchte man noch ein ganzes Paket an Maßnahmen verwirklicht sehen, dass die Erschließung, also Zuwegung, zu den Anlagen, Kompensationsmaßnahmen und die Übernahme von Kosten bei einem späteren Abbau der Anlagen klärt.

„Wir sind nicht Herr des Verfahrens. Genehmigungsbehörde ist der Landkreis Verden“, so Bauamtsleiter Frank Bethge, der sich mit seinem Hinweis, dass die Gemeinde und ihre Gremien nur über Fragen zur Erschließung und zum Brandschutz befinden dürfen, nicht gerade Freunde bei der Bürgerinitiative und ihren Sprechern machte.

Windkraftanlagen seien bei weitem nicht so Energie effizient wie von ihren Betreibern behauptet, bedeuteten eine erhebliche Gesundheitsgefährdung für Menschen, einen enormen Wertverlust für Häuser und Grundstücke, den Belangen des Naturschutzes werde nicht ausreichend Rechnung getragen, die von ecoJoule mit eingereichten Gutachten seien fehlerhaft, hieß es aus den Reihen der Initiative und Anwohner.

Torsten Flemming von der ecoJoule construct GmbH bekam dann die Gelegenheit, das Vorhaben vorzustellen. Fünf Anlagen, jede fast 200 Meter hoch, will man bauen. Wenn der Landkreis Verden von sich aus auf eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) verzichtet, werde man auf jeden Fall eine freiwillige UVP beantragen, so Flemming.

Die Ablehnung des Windparks erstreckt sich nicht auf die Eigentümer der benötigten Flächen, wie Flemming auf Nachfrage bestätigte. 35 Grundstückseigentümer haben Pachtverträge abgeschlossen bzw. bestehende aus den Jahren 2007/2008 verlängert.

Betrieben werden soll jede Anlage von einer eigenen Betreibergesellschaft, an denen sich Privatleute in einer Genossenschaft oder mit größeren Einlage beteiligen können. Insgesamt rechnet man mit einem Investitionsvolumen von 27,5 Millionen Euro. Bei der Finanzierung und Abwicklung will die Kreissparkasse Verden mit ins Boot, deren Vertreter auch zeitweise die Sitzung verfolgten.

Nach den Ausführungen von Torsten Flemming mochte der Ortsrat Etelsen seine Sitzung für Fragen und Stellungnahmen der Zuschauer unterbrechen, der Bauausschuss (gegen die CDU) allerdings nicht. Gegen die Stimmen der CDU und bei Enthaltung von Karlheinz Glander (Grüne) plädierten Ortsrat und Bauausschuss für den Vorschlag der Verwaltung: Gemeindliches Einvernehmen nur, wenn eine ganze Reihe von Vorgaben erfüllt werden.

Thomas Maruhn (CDU) erklärte, seine Partei wolle das Einvernehmen komplett versagen. „Ich mag die Bürger nur unterstützen“, so Maruhn, der für eine Verhinderung des Windparks Giersberg aber selbst nach eigener Einschätzung in der CDU-Kreistagsfraktion keine Mehrheit bekommt.

Da hat man sich nämlich, wie in den anderen Fraktionen auch, auf den Giersberg als Standort für Windenergie eingeschossen. Und so steht auch schon der nächste Betreiber in den Startlöchern, der quasi in Giersberg Ost drei weitere Anlagen aufstellen möchte. „Da sind Anträge in Vorbereitung. Ich schätze, dass wir die Anfang Dezember auf dem Tisch haben“, so Bauamtsleiter Bethge.

jw

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