Tiefsinniger Humor mit Pago Balke:

Das letzte Wort hatte Papst Benedikt

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Auch optisch machte Pago Balke, hier als „Dirty Dieter“, sein Anliegen deutlich.

Langwedel - „Eine ganz tolle Vorstellung, ein großartiger Abschlussabend unserer kurzen, aber schönen Kulturtage“, schwärmte Bürgermeister Andreas Brandt. Mit dem musikalischen Kabarett am Samstag fanden die Langwedeler Kulturtage ihren gebührenden Abschluss.

Pago Balke und Meinrad Mühl begeisterten im voll besetzten Bürgersaal des Rathauses und verstanden es mit ihrem Programm „TierTorTour“ prächtig, ihre Zuschauer mit anderen Augen auf deren Fleischkonsum blicken zu lassen. Jubel und Beifall wollten nicht enden, die Besucher dankten mit Standing Ovations.

Aber erst einmal betrat Meinrad Mühl als Herr Groenewoldt den Saal, setzte sich ans Klavier und blickte ins Publikum. Stille. Der Pianist setzte seine rote Brille auf und sah erneut über seine Schulter, dieses Mal war sein Blick intensiver. Das Publikum verstand und applaudierte. Da haute Herr Groenewoldt in die Tasten.

Auch Pago Balke erschien in Verkleidung – in hellbraunem Jackett und schweinchenrosafarbenem Cap mimte er Gerd Glüsing vom Bundesverband der landwirtschaftlichen Agro-Business Fleischerzeugung Sektion Diepholz. Schwadronierte über seine Kuhphobie, seinen Hass auf Kühe: „Eine Kuh hat mir als Kind einen Zungenkuss verpasst, das hat mir die Kindheit versaut.“ Eine Kussphobie hat es ihm obendrein beschert. Das Publikum lachte – vielleicht aus Schadenfreude über den herzlosen Lobbyisten?

Glüsing plauderte über Katze Lissi, die mit Schwein Rüssel aus einem Napf fraß: „Dazu gesellten sich Esel und Hahn, welch ein Paradies.“ Doch als die Kühltruhe leer war, wurde das Schwein geschlachtet. Lissi vermisste Rüssel, wollte nicht mehr essen. Da war auch der Tierarzt machtlos. „Es gibt immer einen Haken im Paradies“, folgerte Glüsing. „Lissi, oh, Lissi“, stimmte Balke an, und die Besucher klatschten im Takt mit.

Thema Hühner: „Damit meine ich nicht die erfolglosen Hühner in Grün-Weiß, die aufgescheucht über den Wiesenhof rennen. Früher immer dem Schaaf nach, dann ging alles in‘ Dutt“, lästerte Balke. Nein, Huhn Else berichtete über das Leben in großen Legebatterien und über das Schreddern männlicher Küken. „Wie schrecklich“, sagte jemand. Überhaupt: Gespickt war das Programm mit Zahlen, Daten und Fakten zu Fleischproduktion und -konsum.

Eine Umfrage des Vorsage-Instituts – Anspielung auf das Forsa-Institut – habe ergeben, dass es außer Vegetariern auch Frutarier gibt. „Die essen nur das, was die Pflanzen freiwillig hergeben. So sehen sie auch aus – wie Halloween ganzjährig“, polterte Glüsing.

Andere Jacke, anderer Hut, anderer Dialekt – der Kabarettist aus Riede schlüpfte in mehrere Rollen. So wurde er zu Ferdl vom Gnadenhof, der die Kuh Yvonne aufgenommen hat. Die war nämlich, als sie ihren Weg zum Schlachter antreten sollte, ausgebüxt. „Yvonne ist vor ein Polizeiauto gelaufen, hat sich aber vom Superbullen Ernst nicht festnehmen lassen“, kalauerte Ferdl. Die Erlebnisse der Kuh veranlassten ihn zum „Riesen-Wies’n-Hit“ mit dem Refrain „Muh, muh, ich bin die Kuh und hab ein Herz genau wie du“.

Fifi von der radikalen Öko-Fraktion (RÖF) sang, mit Riesenwurzel in der Hand, über „eine Welt ohne Hühner-KZ, Schweinereien, Aqual-Kulturen und Kuhantanamo“. Wortspiele, die zu lautem Lachen und kräftigem Beifall animierten. Geistreiche Wortspiele, feinsinnige Anspielungen und ins Ohr gehende Songs – damit war das Programm gespickt.

Antje aus Holland schäkerte mit Pianist Groenewoldt, sang über Käse und erzählte vom Buttersozialprodukt. Dirty Dieter, in blutverschmierter Schürze und mit bluttriefendem Messer in der Hand, sprach über seine Arbeit im Schlachthof, über Leiharbeit, das Zerteilen der Schweine, über seine Therapie. Und Udo Lindenberg steuerte einen Song über die Gülleentsorgung bei: „Wo bringen wir die Scheiße hin?“

Das letzte Wort hatte Papst Benedikt, der auf eigenwillige Weise die Geschichte von Kain und Abel predigte: „Gott war kein Freund der Vegetarier, sonst hätte er Kains Opfer, die Früchte des Feldes, nicht verschmäht.“

Zum Abschluss des Abends ein Ausblick: „2016 wird es ganz anders“, kündigte Bürgermeister Andreas Brandt an. Der Langwedeler Kulturverein und der Verein für Kultur und Geschichte Daverden organisieren die folgenden Kulturtage. Die finden wieder im Frühjahr statt, und das Programm ist schon fertig.“

is

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