Arbeit von Anne Richard: Das größte Bild im Flecken

Begeisterung im Tunnel

Gestern Nachmittag wurde das Tunnelgemälde in Etelsen offiziell vorgestellt – quasi mit großem Bahnhof. - Fotos: Wenck

Etelsen - „Hier ist etwas ganz Großartiges entstanden“, war sich gestern Nachmittag Bürgermeister Andreas Brandt absolut sicher. Von den vielen Leuten vorm Etelser Bahnhofstunnel hatte auch gar niemand die Absicht da irgendwie zu widersprechen. Was man an einem zugigen Bahnhofstunnel „großartig“ finden kann? Die Gemälde von Anne Richard.

Wie hier bereits berichtet, ist die Cluvenhagener Künstlerin mit ihrem Projekt vor einiger Zeit fertig geworden, ein Jahr lang hat sie dran gearbeitet. Was gestern öffentlich gebührend gefeiert wurde. Bei der Gelegenheit ließ sich erinnern, warum der Bahnhofstunnel heute so aussieht, wie er aussieht.

Das übernahm dann mal Andreas Brandt. Was er nicht wusste, konnte Ortsbürgermeisterin Irmtraud Kutscher sagen. Wann wurde der Tunnel eröffnet? 1988/89.

So richtig schön war er ja nie. Aber bei all den Hinterlassenschaften „selbsternannter Künstler“ (so Brandt) und mit dem stellenweise immer mehr bröselnden Beton war das Ding ein echter Schandfleck, fanden nicht nur viele Etelser.

Nur die eine Seite des Tunnels – der Weg entlang am Schleusenkanal.

Also fiel der Entschluss zur Sanierung. Erst baulich, dann künstlerisch. Schließlich hatte man da mit den Bahnhofstunneln in Daverden und Langwedel schon gute Erfahrungen gemacht. „Es war im Sommer 2014, als ein zaghaftes Klopfen an meiner Tür zu vernehmen war“, so Brandt. „Und dann stand Anne da...“

Die Malerin hatte einen Entwurf mitgebracht, wie sie den Tunnel gestalten würde. Brandt war begeistert. Die Etelser und ihr Ortsrat wurden ins Bild gesetzt – und waren mindestens genauso begeistert.

Darum geht man jetzt im Bahnhofstunnel durch die Etelser Marsch, durch die Jahreszeiten, am Kanal entlang und trifft am Ausgang zum Ort hin auf ein großes Bild vom Schloss. Dazu gibt es einen kleinen, fein gestalteten Ortsplan. Damit auch Auswärtige wissen, wo sie sind und wie sie zum Schloss kommen. Zum Beispiel.

Ein paar künstlerische Freiheiten hat sich Anne Richard schon genommen. Aber nicht nur darum gibt es auf dem größten Gemälde im Flecken Langwedel immer wieder etwas Neues zu entdecken.

Bei dem ganzen Lob wollte Richard aber auch gesagt haben: „Ein großer Dank an die Bevölkerung, an die Menschen, die mich das ganze Jahr begleitet und unterstützt haben.“

Was auch zur Entstehungsgeschichte der Tunnelverschönerung gehört und vielleicht vor Ort zur großen Begeisterung beigetragen hat: Die vielen Gespräche von Anne Richard mit Passanten. „Ich hab die Künstlerin ja auch oft von der Arbeit abgehalten“, meinte gestern Günter Steffens, der am Bahnhof wohnt. Aber was soll man denn auch machen, wenn man neugierig ist und auf eine Malerin trifft, die sympathisch und aufgeschlossen erklärt und sich auch was erzählen lässt?

Jetzt kann jeder für sich selbst gucken und mit den anderen Bewunderern des Kunstwerks hoffen, dass es von größeren Schmierereien und Beschädigungen verschon bleibt. Das klappt auch in den anderen beiden Bahntunneln ganz gut. Das solche Orte komplett von talentfreien Kritzeleien verschont bleiben, fällt wohl leider unter die Kategorie „frommer Wunsch“

jw

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