Hinrich Bischoff nimmt Zuhörer mit auf unterhaltsame Zeitreise durch Geschichte des Küsterhauses

Balken aus 170-jähriger Eiche um 1650 eingebaut

Ein bei den Restaurierungsarbeiten sichergestelltes Stück Holz aus einem alten Fachwerkbalken gab Aufschluss über das Alter des Daverdener Küsterhauses.

Daverden - Wie alt ist das Küsterhaus neben der Daverdener Kirche nun wirklich? Um das zu (er)klären, nahm Hinrich Bischoff während eines Themenabends die Besucher mit auf eine unterhaltsame Zeitreise in die Geschichte dieses Hauses und in die Geschichte Daverdens.

Die Vorsitzende des Vereins für Kultur und Geschichte Daverden, Theda Henken, konnte dazu wie an nahezu jedem Themenabend wieder ein volles Haus begrüßen.

Zunächst präsentierte Hinrich Bischoff den Anwesenden ein bei den Restaurierungsarbeiten sichergestelltes Stück Holz - einen Ausschnitt aus einem alten Fachwerkbalken. Diesem Holzstück hielt er eine junge Eichenpflanze gegenüber und stellte die Frage in den Raum, welcher Zeitraum wohl bis heute vergangen sei - zwischen der einst jungen Eiche und ihrem heutigen Zustand als Fachwerkbalken.

Er erläuterte anschließend das Ergebnis einer dendrochronologischen Untersuchung des Holzstückes. Diese Untersuchung habe Matthias Höpken, der vor drei Jahren seine Master-Arbeit über die Holzkonstruktion des Küsterhauses geschrieben hatte, auf Bitte des Vereins im Thünen-Institut Hamburg veranlasst. Durch eine dendrochronologische Untersuchung könne das Alter von Bäumen oder auch Baumaterialien aus Holz bestimmt werden.

Für eine derartige Untersuchung brauche man etwa 60 bis 70 Jahresringe eines Baumes - der untersuchte Balkenausschnitt habe noch etwa 150 Jahresringe im Kernholz enthalten und sei daher datierbar gewesen. So sei das Thünen-Institut zu dem Ergebnis gekommen, dass das Fachwerk aus einer Eiche stamme, die um 1647 - also gegen Ende des 30-jährigen Krieges - in einem Alter von etwa 170 Jahren gefällt worden sei, führte Bischoff aus. Die junge Eiche habe somit etwa im Jahre 1480 das Licht der Welt erblickt, noch vor der Entdeckung Amerikas, schilderte Hinrich Bischoff.

Da derartiges Holz zu damaligen Zeiten „saftfrisch“ verarbeitet wurde, hält Bischoff es für sehr wahrscheinlich, dass die damaligen Bauherren den Balken auch schon um 1650 einbauten. Auf jeden Fall habe die Eiche und später in ihrer „tragenden Rolle“ als Fachwerkbalken das Zeitgeschehen in Daverden und insbesondere im Küsterhaus über knapp 540 Jahre verfolgen können.

Weiter ging Bischoff auf die Baugeschichte des Küsterhauses ein. Die erste Erwähnung eines Küsterhauses in Daverden sei im Intradenverzeichnis von 1568, dem ältesten Schriftstück der Daverdener Kirche, zu finden. Dort sei von einer kleinen Behausung mit Kohove (Kuhstall?) und „drey Stücken Landes auf der Wurde“ zu lesen. In dem Schriftstück werde auch erstmals ein Küster genannt: „Wilhelm Küster zu Daverden“. Aber erst knapp 100 Jahre später, nämlich 1663, werde in Daverden erstmalig ein Schulunterricht erwähnt. In auffälliger Nähe zu diesem Zeitpunkt sei die Eiche gefällt und als Balken verarbeitet worden.

Aus dem Lagerbuch der Kirche sei erst 1733 von einem Neubau des Küsterhauses zu erfahren - mit einer Wohnstube, zwei Kammern und der Schulstube. Die Schulstube mussten die Kinder im Winter beheizen. Aus dem Jahr 1806 liege eine Beschwerde des Küsters vor, dass die Schulstube viel zu klein sei: „Es kommen 96 Kinder, doch Platz ist nur für 40 bis 50 Kinder.“ Doch einen Schornstein habe das Küsterhaus immer noch nicht gehabt, wie 1828 in einer Notiz zu lesen gewesen sei. Der erste Schornstein sei erst 1832 gebaut worden.

Im „Verdener Amtsblatt“ vom 9. Mai 1844 sei von der Ausschreibung der Bauarbeiten für eine Erweiterung des Schul- und Küsterhauses zu lesen gewesen. Es habe darin geheißen: „Das alte Küster- und Schulhaus wird zum Teil abgebrochen und der abgebrochene Teil wiederum in erweitertem Maße wiederaufgebaut.“

Der Bau erfolgte nach Bischoffs Worten im Sommer 1843 und im Frühjahr 1844. Das Haus erhielt nun die Grundrisse, die noch heute vorzufinden sind. „Dieses betrifft auch den Schulraum, in dem wir uns befinden“, so Hinrich Bischoff. Finanziert wurde der Umbau damals nicht nur durch die Kirche, sondern alle Hofstellen des Kirchspiels - seiner Zeit von Langwedel über Etelsen bis Allerdorf - wurden zu einem finanziellen Beitrag herangezogen. 1855 erfolgte der Bau eines eigenen Brunnenhauses, und 1868 wurde das Strohdach durch Ziegel ersetzt.

Die zu Beginn des Vortrags präsentierte junge Eichenpflanze überreichte Bischoff der Vereinsvorsitzenden Theda Henken - verbunden mit dem Wunsch, dass das Bäumchen zur Erinnerung an die Restaurierung und Wiederbelebung des Küsterhauses im Jahr 2018 einen sicheren Platz im Küstergarten finden möge.  hu

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