Der Sinn ist die Erinnerung

Ausstellung im ehemaligen Mausoleum

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Andrea Döring (links) und Claudia Bartholomäus vor einem Werk von Bartholomäus im ehemaligen Mausoleum.

Etelsen - Erst kurz vor Beginn der Vernissage wurden die Bilder aufgehängt. Ungewöhnlich für den Schlossparkverein Etelsen. „So etwas hatten wir bisher noch nicht“, bestätigte Vorsitzender Andreas Brandt, der am Sonntag die erste Ausstellung der Saison im ehemaligen Mausoleum im Schlosspark eröffnete.

„Es ist momentan recht kalt und feucht im Raum, und die Werke könnten darunter leiden.“

Erste Ausstellung, die sich auf die Geschichte des Gebäudes bezieht

Ebenfalls ein Novum: Die Künstlerinnen Andrea Döring und Claudia Bartholomäus stellen nicht nur zum ersten Mal im Mausoleum aus, sondern sie sind auch die ersten, die ihre Ausstellung auf die Bedeutung des Gebäudes und dessen Geschichte zugeschnitten haben.

„Sinn des Mausoleums ist die Erinnerung. Das Gebäude hat etwas Magisches, nicht Greifbares. Es ist ein herrlicher Raum der Ruhe“, fasste es Bartholomäus zusammen und erklärte damit den Titel der Ausstellung „Was bleibt“. Passend dazu hatten die Künstlerinnen ihre Bilder ausgewählt und gehängt. Wer regelmäßig die Ausstellungen besuchte, mag staunen: Es mutet puristisch an – links sind sechs Zeichnungen von Andrea Döring zu sehen, rechts ebenso viele von Claudia Bartholomäus, in allen dominiert Schwarzweiß. Ansonsten ist der Raum leer. Sogar die großen Tafeln sind verschwunden, und der Kronleuchter bleibt ausgeschaltet. So geben die Künstlerinnen dem Mausoleum einen Teil seines Selbst zurück.

Gesicht wird fotografiert, Foto wird abgezeichnet

Vor einiger Zeit hatten die Freundinnen das Mausoleum als Besucherinnen kennengelernt: Ein befreundeter Künstler hatte dort ausgestellt. „Wir fanden den Raum auf Anhieb klasse“, erzählten die beiden begeistert und begannen, Werke für eine eigene Ausstellung anzufertigen.

Andrea Döring aus Marklohe präsentiert sechs Bleistiftzeichnungen. Porträts von Bekannten und Fremden, realistisch bis ins Kleinste, fast wie Fotos. „Wenn ich ein interessantes Gesicht sehe, frage ich denjenigen, ob ich ihn fotografieren darf. Das Foto ist die Vorlage für meine Zeichnung“, beschrieb die 48-Jährige ihre Art zu arbeiten. Sie weiß ihre Modelle in Szene zu setzen – sie ist Fotografin. Der Kreis schließt sich: Von der Schwarzweiß-Fotografie kam Döring über einen Ausflug in die Ölmalerei mit den Bleistiftzeichnungen wieder zurück zu ihren Wurzeln.

Hundert Affen zu Papier gebracht

Als Spiegelung zu Dörings Zeichnungen sieht Claudia Bartholomäus ihre Werke. Die sind fast alle aus Mischtechnik. Grundlage ist ein Affe aus Stoff. „Äffchen sind niedlich, verspielt und lustig“, sagte die Bremerin. Sie blickt jenseits des Schubladendenkens, zeigt verschiedene Charakteristika des Stofftiers auf, will die Frage klären: Was könnte es noch für Möglichkeiten geben? Rund 100 – auf den ersten Blick nicht als Affen zu erkennen – hat sie inzwischen zu Papier gebracht, und immer noch entdeckt die 47-Jährige weitere. Irgendwann am Ende ihres Schaffensprozesses steht die Frage, was am Ende von der Originalität des Äffchens bleibt.

Zurück in die Gegenwart holt einen der kleine Löwe aus Stoff, der vor dem Fenster sitzt. Das Plüschtier ist eine Hommage ans Mausoleum, das früher einige Jahre lang als Löwengehege diente.

Mausoleum wird zum Dschungel

Die andächtige Ruhe im Raum wird immer wieder gestört: Brüllaffen machen ihrem Namen alle Ehre. Dann wird das Mausoleum für Momente zum Dschungel. „Ein weiterer Aspekt der Figur“, sagt die Künstlerin.

Die Ausstellung „Was bleibt?“ im Etelser Mausoleum ist an den beiden Sonntagen, 21. Mai und 28. Mai, noch von 11 bis 18 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei, die Künstlerinnen stehen für Fragen zur Verfügung.

is

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