Am liebsten so richtig mittendrin

Ausstellung und Benefizkonzert für den „Arbeitskreis Down-Syndrom“

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Jutta Liebetruth (li.) mit einigen Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Malen und Gestalten, die ihre Kunstwerke in Langwedel zeigten – zusätzlich zu einem Benefizkonzert des Jugendblasorchesters der Kreismusikschule.

Langwedel - Am Dienstag ist Welt-Down-Syndrom-Tag. Medizinischer Fachbegriff: Trisomie 21. „Da passt der 21.3. als Welt-Down-Syndrom-Tag gut“, meint Jutta Liebetruth, Leiterin der inklusiven Malgruppe des Vereins „Arbeitskreis Down-Syndrom“.

Zwei Tage zuvor gab das Jugendblasorchester der Verdener Kreismusikschule ein Benefizkonzert, umrahmt von mehr als 100 Bildern, die die 20 Mitglieder der Gruppe im Laufe der Jahre gemalt hatten.

Vereinsgründung war 1992 nötig um Spendenquittung auszustellen

„1984 riefen wir eine Selbsthilfegruppe ins Leben, und 1992 beschlossen wir, einen Verein zu gründen“, leitete Vorsitzender Wilfried Liebetruth den Sonntagnachmittag ein. Ausschlaggebend für die Vereinsgründung war eine angekündigte große Spende eines Betriebs. „Uns fehlte damals die Möglichkeit, die erwartete Spendenquittung auszustellen“, sagte Liebetruth, der seit Beginn Vorsitzender ist. Birgit Höhne, Carsten und Sabine Höhn unterstützen ihn. „Wir haben momentan 76 Mitglieder, darunter auch etliche Menschen mit Down-Syndrom.“

Vereinsmitglieder, deren Freunde und Bekannte sowie Familien der jungen Musiker kamen nach Langwedel und saßen dicht gedrängt in Klenkes Saal, genossen die Musik, betrachteten die Bilder, ließen sich Kaffee und Kuchen schmecken und informieren. „Seit sechs Jahren gibt es die AG Malen und Gestalten, die der Arbeitskreis im Sinne von Inklusion ausrichtet und die eine reguläre AG des Gymnasiums am Wall ist. Die Malgruppe hat sich gewünscht, dass der Landrat ein Grußwort spricht“, sagte Liebetruth. Der kam dem Wunsch gern nach. „Der Landkreis ist mit der Gruppe eng verbunden, denn es wird im Gymnasium am Wall, dessen Träger der Kreis ist, gemalt. Das ist eine gute Sache, die wir unterstützen“, sagte Peter Bohlmann. Er freue sich schon auf die erstklassige Musik. „Musik überwindet Grenzen zwischen Menschen.“

Vielseitiges Jugendblasorchester

Auch der Langwedeler Bürgermeister Andreas Brandt war angetan ob der kulturellen Vielfalt an dem Nachmittag. „Ich kenne den Saal schon lange, doch so bunt und künstlerisch ist er selten gestaltet“, würdigte er und ergänzte: „Die Malgruppe ist eine tolle Idee, denn Kunst bringt junge Schüler und gehandicapte Menschen zusammen – so etwas brauchen wir.“

Bevor das Jugendblasorchester loslegte, erzählte Leiter Andreas Brune, wie es zum Benefizkonzert kam: „Jutta Liebetruth und ich waren jahrelang Kollegen im Gymnasium. Als ich erfuhr, dass sie eine inklusive Malgruppe ins Leben gerufen hatte, war ich beeindruckt davon, was für einer guten Sache sie sich in ihrer Freizeit widmet.“ Das wollte der Musiklehrer gern unterstützen.

Dann zeigten die jungen Bläser, wie vielseitig Blasmusik ist. Ihr Konzert begann mit Musik aus Film und Serien – dramatisch, derb und rasant: „Game of Thrones“, „Shrek“ und „Tribute von Panem“. Aber auch Pop und Jazzmusik ist dem Orchester nicht fremd. „Mamma Mia“, „Joshua fit the Battle“ und „Smoke on the Water“ ernteten ebenfalls Jubel und Beifall. Überflüssig zu erwähnen, dass das begeisterte Publikum Zugaben verlangte.

Engagement hilft beim Abbau von Vorurteilen

Jubel und Beifall erhielt auch Nadine Liebetruth, nachdem sie ihre Gedanken zu ihrem Bild „Die Sonne und das Weltall“ vorgetragen hatte. Saxofonistin und Malgruppenmitglied Lydia Dräger berichtete über die Malgruppe, und Vereinsmitglieder erzählten unter anderem über den Arbeitskreis und wie sie sich ihre Zukunft im Kreis Verden vorstellten. „Ich möchte mittendrin sein, beim Langwedeler Markt und anderen Veranstaltungen helfen“, sagte die Langwedelerin Maria Höhne. Zudem hofft sie, einen Arbeitsplatz im Flecken zu bekommen, am liebsten im handwerklichen Bereich.

„Es waren rundum gelungene Stunden“, resümierte Organisatorin Jutta Liebetruth strahlend. Besonders freute es sie, dass der Nachmittag dazu beitrug, Vorurteile abzubauen: Einige Besucher seien dankbar dafür, Einblicke in die Gedankenwelt von Menschen mit Down-Syndrom bekommen zu haben.

is

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