Astronomen erobern die Erde

Volkssternwarte bereitet sich auf Umzug am Boden vor

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Die Ringform für die Vier-Meter-Kuppel ist deutlich zu sehen. Ende der Woche wurde das Flatterband durch Bauzäune ersetzt.

Langwedel - Von Lisa Duncan. An der Volkssternwarte Langwedel ist der erste Ring bereits zu erkennen. Die Rede ist nicht vom Planeten Saturn, sondern von einem Ringfundament, das der Verein auf dem Gelände der Oberschule am Goldbach, das gerade eine einzige Baustelle ist, für den neuen Standort der Sternwarte aufbaut.

Wie berichtet, will der Verein, für nun insgesamt 40 000 Euro zwei Kuppeln an der nicht mehr genutzten Sprunganlage auf dem Schulsportplatz errichten. Denn mit dem Abriss der Schule müssen die Hobby-Astronomen ihr altes Domizil aufgeben.

Auf das Ringfundament von vier Metern Durchmesser wird später eine der beiden Sternwartenkuppeln gesetzt. Das Quadrat in der Mitte bildet den Sockel, auf dem später die Teleskope ruhen sollen. Und „ruhen“ ist hier im Wortsinn gemeint: „Das Teleskop ist entkoppelt von der Kuppel, die sie umgibt, damit sich keine Schwingungen übertragen“, erklärt Andreas Vogel, zweiter Vorsitzender und hauptberuflich Leiter des Olbers-Planetariums in Bremen. Das sei besonders zum Fotografieren wichtig.

So ähnlich könnte es aussehen, wenn Andreas und Sandra Vogel, sowie Andreas Kaczmarek (v.l.) das Instrumentarium in die neuen Sternwartkuppeln bringen. Die Teleskope in den Holzhütten sind jedoch noch deutlich größer und schwerer als dieses Exemplar. Dieses mobile Modell lagert sonst in der Schule, wo monatlich der „Astro-Treff“ tagt.

Für das norddeutsche Wetter sind die Kuppel, die aus Glasfaser verstärktem Kunststoff (GFK) gefertigt sind, ohnehin besser geeignet als die bisherigen Holzhütten auf dem Schuldach. „GFK ist leicht, robust und wetterfest“, betont Sandra Vogel. Die Physiklehrerin ist ebenfalls im Verein „Volkssternwarte“ aktiv. Auch seien die Kuppeln nicht so wartungsintensiv wie die Hütten, die jedes Jahr von Neuem gestrichen werden müssen.

Für den neuen Standort spreche zudem, dass ein Umzug aufgrund der Nähe zum Dach der Schule, wo das Instrumentarium samt Teleskopen und Zubehör zurzeit untergebracht ist, wenig Aufwand bedeutet. Das Mobiliar der Sternwarte wollen die Vereinsmitglieder dementsprechend reibungslos, sobald im September die beiden kugelartigen Gebilde samt Umzäunung und Alarmanlage stehen, hinübertragen. Damit vermeidet der Verein außerdem, seine hoch empfindlichen und wertvollen Geräte irgendwo zwischenlagern zu müssen.

Doch die Sternenbeobachter werden sich mit ihrem neuen Sitz auf dem Sportplatz auch etwas umgewöhnen müssen. „Hier hat man natürlich mehr vor der Hütte“, so Sandra Vogel. Andersherum gesagt: Es fehlt schlicht der exponierte Ausgangspunkt, den ein Dach nun einmal bietet.

Das muss alles mit: Etwa 200 Kilo wiegt dieses Teleskop inklusive Gegengewichten.

Festgeklopft hatte der Verein das Projekt bereits am 31. Mai mit der Unterschrift für den Pachtvertrag. Seit dem 15. Juni sind die Vereinsmitglieder, größtenteils in Eigenleistung, mit dem Neubau zugange. Am heutigen Samstag soll das zweite, drei Meter breite Ringfundament samt Sockel aufgebaut werden. „Unser Ziel wäre, dass wir in der nächsten Woche das Beton bestellen und die Fundamente gießen können“, sagt der erste Vorsitzende Andreas Kaczmarek. Die Kuppel kommt passgenau in einem siebenteiligen Bausatz. Der Aufbau dauert laut Hersteller nur rund eine Woche.

Die Finanzierung des Neubaus läuft über Eigenmittel (4 000 Euro), Sponsoren (8 500 Euro von der Kreissparkasse, 5 000 Euro von der DEA, 4 100 Euro von Daimler Pro Cent und 2 000 Euro von der GWB Baugesellschaft) und einen Zuschuss des Fleckens Langwedel (11 100 Euro).

Seine turnusmäßigen Veranstaltungen möchte der Verein, der etwa 20 Mitglieder hat, auch am neuen Standort weiterführen, etwa den monatlichen Treffpunkt „Astro-Kids“ (jeden letzten Samstag im Monat), bei dem Kinder sich über astronomische Themen informieren können, zum Teil mit Ausflügen ins Bremer Planetarium oder das „Teleskopium“ in Lilienthal, sowie den „Astro-Treff“ für erwachsene Hobby-Astronomen (jeden letzten Donnerstag im Monat). 

Für den 12. August ist die Öffentlichkeit eingeladen, auf dem Sportplatz die „Perseiden“ zu beobachten. „Das ist ein gehäuft auftretender Sternschnuppenstrom“, so Sandra Vogel. Benannt ist das Himmelsereignis, das mit bloßem Auge zu erkennen ist, nach dem Sternbild Perseus, aus dem sie scheinbar herabfallen, ergänzt Andreas Vogel.

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