Kurzer Langwedeler Kultursommer geht mit großem Nagelritz-Abend zu Ende

Arschkarte für Arktik-Hans

Dieser Seemann hat das faustdick hinter den Ohren – Dirk Langer alias Nagelritz.
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Dieser Seemann hat das faustdick hinter den Ohren – Dirk Langer alias Nagelritz.

Langwedel – Einen Seesack voll Musik, Malteser, jeder Menge unterhaltsamer Geschichten und nun auch gemaltem Seemannsgarn hatte Nagelritz am Sonntagabend mit nach Langwedel gebracht. Dort trat er zum Abschluss des viertägigen Kultursommers des Langwedeler Kulturvereins am Häuslingshaus auf.

Bislang beschränkte sich sein Kunstinteresse offenbar auf Bilder in Form von Tätowierungen. In der Seefahrt nichts Neues, wie Nagelritz in einer seiner vielen kleinen Geschichten zu berichten wusste.

Früher seien die Landkarten den Seemännern auf die Rücken tätowiert worden. Wenn die eigentlichen Karten nass geworden waren, hieß es: Oberkörper frei. Für „Karibik-Klaus“ kein Problem. „Arktik-Hans hatte die Arschkarte gezogen.“

Mittlerweile würden sich sogar die Mitglieder von Anglervereinen tätowieren lassen: die „Hells Angels“. Und Ramon, der Sohn seines Freundes Raoul, habe schon zur Taufe sein erstes Tattoo geschenkt bekommen. „Ein Schlauchboot. Das wächst mit“, unkte Nagelritz frech grinsend. Zur Konfirmation sei es eine Jacht.

In Corona-Zeiten habe er die Malerei für sich entdeckt. Aber in Quarantäne sei er nur mit Corinna gewesen. Zwangsweise mehrere Tage versteckt in deren Kleiderschrank, nachdem „der Satz gefallen war, den man beim Sex nie hören will: Schatz, ich bin wieder zu Hause“.

Wie immer war der Matrose alleine gekommen. Ohne Raoul und Hinnerk, die eigentlich mit ihm die „Drei-Seemeilen-Kapelle“ bilden und reichlich Stoff für die herrlich unterhaltsamen Geschichten bieten. Raoul, der in der Rotterdamer Hafenkneipe namens „Barcelona“, mal wieder in eine Prügelei geraten sei und die Geburt seines Sohnes verpasst habe. Zum Glück gibt es aber noch Hinnerk, der dann die Nabelschnur mit den Worten „Leinen los“ durchschnitten habe. „Die Flasche Sekt zur Taufe konnten sie ihm rechtzeitig entreißen.“

Die knapp 50 Zuschauer – damit war die Veranstaltung unter Coronabedingungen ausgebucht – amüsierten sich köstlich und so mancher schunkelte mit, wenn Dirk Langer, der in dem Matrosenanzug steckt, sich selbst mit dem Schifferklavier begleitend von „dem Luder aus Feuerland“ sang oder „als ich noch ein Seepferdchen war im vorherigen Leben“.

Zum Abschluss „Far away“, doch nein, einmal noch „Margarete“, das wünschte sich Sigrid Ernst vom Langwedeler Kulturverein.

Und sie nutze den Moment und dankte am Ende allen herzlich, die zum Erfolg des Sommerfestes beigetragen haben und dem Künstler des Abends. „Was bist Du eigentlich, Kabarettist?“, fragte sie Langer. Das Multitalent antwortete spontan und verschmitzt grinsend: „Seemann.“

Von Wiebke Bruns

Für den sogenannten Sommer war es am Wochenende schon ein bisschen frisch – das Publikum im Garten des Häuslingshauses fühlte sich aber trotzdem bestens unterhalten.

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