Annegret Meyer aus Hagen-Grinden besucht immer wieder Kriegsgräberstätten

„Jetzt stehen wir hier…“

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Annegret und Hermann Meyer mit Hans Weibel auf dem Friedhof in Langemark.

Hagen-Grinden - Der Erste Weltkrieg, ach du lieber Himmel. Sein Beginn ist über 100 Jahre her. Und wen interessiert das noch, was hat das mit heute zu tun? Auf dem deutschen Soldatenfriedhof Langemark nahe Ypern in Belgien sind über 44.000 deutsche Soldaten bestattet. Besucht wird die Kriegsgräberstätte oft von Gruppen aus Großbritannien oder Irland. Deutsche sind hier eher selten.

Annegret und Hermann Meyer aus Hagen-Grinden waren mit ihren Freunden Hans und Ingrid Weibel schon da. Zuletzt am 16. Oktober. Da war auf der sonst so stillen Gedenkstätte großer Bahnhof. Die Kriegsgräberstätte, um die sich der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge kümmert, wurde nach einer Renovierung mit einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des Ersten Weltkrieges neu eingeweiht, dazu die sterblichen Überreste von weiteren 39 deutschen Soldaten, die vor einhundert Jahren den Tod fanden, feierlich bestattet.

Der Botschafter der Bundesrepublik in Belgien war dabei, der Chef des Kabinetts des flämischen Ministerpräsidenten, Markus Meckel, der Präsident des Volksbundes. Und unter anderem Annegret Meyer. Etliche Kriegsgräberstätten in Belgien und Frankreich haben sie, ihr Mann Hermann und die Weibels schon besucht. Nicht nur einmal. „Auf den Bolzen bin ich 2011 gekommen“, erzählt die 66-Jährige.

Man war auf einer feinen Italienrundfahrt, machte auch halt am aus dem Zweiten Weltkrieg berühmt-berüchtigten Monte Cassino und dem dortigen Soldatenfriedhof. „Jetzt stehen wir hier... und unsere eigenen Angehörigen sind viel dichter bei, ging es mir damals durch den Kopf.“

Johann Prüser aus Etelsen wurde keine 22 Jahre alt, als er im Zweiten Weltkrieg fiel. Sein letzte Ruhestätte fanden die Meyers in Lommel in Belgien. Zwei Onkel von ihm starben im Ersten Weltkrieg. Der eine hieß ebenfalls Johann Prüser, gestorben am 29. September 1917, einer von über 44.000 Toten in Langemark, dessen Bruder Dietrich, gefallen am 26. Dezember 1916, beigesetzt in Achiet-le-Petit in Frankreich. „Und dann ist da noch Opas Bruder, Johann Laackmann.“ 1917 im Krieg zu Tode gekommen, beerdigt in Annoeullin in Frankreich.

Letztere Gedenkstätte ist eher klein, auch hier kümmert sich der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Es ist aber kein Vergleich zu Langemark. Aus dem Ort, an dem man einst den Mythos einer sich fürs Vaterland aufopfernden Jugend pflegte, hat man versucht, eine Gedenkstätte zu machen, die die historische Anlage erhält, den Hintergrund erläutert und in einen größeren Zusammenhang stellt. Mit dem eigenen Smartphone oder Tablet kann man sich an verschiedenen Stellen des Friedhofs multimediale Inhalte zur Geschichte, zum Friedhof oder einem Toten abrufen. Die Einweihungsfeier dieses ersten „digitalen Friedhofs“ (so der Volksbundvorsitzende Meckel) fand Annegret Meyer bewegend, auch aufwühlend – und so ganz gegensätzlich zu dem, wie sie sonst die großen Friedhöfe erlebt. „Diese unheimliche Ruhe da. Da können sie stundenlang laufen, nur Ruhe. Das ist extrem beeindruckend.“

Ähnlich wie das, was Annegret Meyer noch zu 20 deutschen Soldaten des Ersten Weltkrieges zu berichten weiß, die jetzt in Langemark beigesetzt wurden. Ihre sterblichen Überreste wurden in der Nähe von Wijschaepe gefunden. Beim Bau einer Gasleitung. Und das, wo im Ersten Weltkrieg in Belgien zum ersten Mal von deutscher Seite Gas als Kampfmittel eingesetzt wurde. Was für eine Ironie der Geschichte.

Annegret Meyer hat aus Langemark die Rede von Markus Meckel, des Vorsitzenden des Volksbundes mitgebracht. Der spricht von Langemark als einem Ort, der gemeinsames Lernen und Erinnern möglich macht. „In der Europäischen Union haben wir gelernt, dass Stabilität und Wohlstand nicht gegeneinander erstritten werden, sondern miteinander erarbeitet. Wir wissen, dass wir in Europa nur gemeinsam die Herausforderungen der Zukunft meistern werden“, so Meckel – und ist damit im Heute angekommen.

jw

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