Erdbebendienst und Bundesanstalt für Geowissenschaften legen Bericht vor 

Amtlich: Erdgasförderung sorgt für Erdbeben

Seit 1992 wird im Erdgasfeld Völkersen nach Gas gebohrt, seit 1994 auch gefördert. Erst von der RWE-Dea, heute vom Nachfolgeunternehmen DEA. - Archiv-Foto: Wenck

Langwedel - Was für viele Menschen in der Region eh schon feststand, ist jetzt nun offiziell: Das bislang schwerste Erdbeben in der Region am 22. April 2016 mit einer Lokalmagnitude von 3,1 „ist sehr wahrscheinlich auf die Erdgasförderung im Erdgasfeld Völkersen zurückzuführen“, erklärte am Montag das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), der Fleckens Langwedel und der Landkreises Verden in einer gemeinsamen Presseerklärung.

Ausgesprochen wird diese Erkenntnis in einem Kurzbericht, dem die Untersuchung des besagten Bebens durch Mitarbeiter des Niedersächsischen Erdbebendienstes (beim Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie) in Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) zugrunde liegt.

Für die Untersuchung hätten die Wissenschaftler Daten der seismologischen Stationen sowie Meldungen über Erschütterungen aus der Bevölkerung ausgewertet.

Das Erdbeben mit einem Epizentrum einen Kilometer westlich von Völkersen mit einer Magnitude von 3,1 war nicht nur in der Statistik das bisher stärkste Beben am Erdgasfeld Völkersen. „Die Menschen im Umkreis des Epizentrums haben es nach den Auswertungen stark gespürt“, heißt es in der Pressemitteilung.

Einwohner melden Beben 

Für das Erdbeben am 22. April 2016 liegen 144 Angaben über bemerkte starke Erschütterungen aus der Bevölkerung vor, die überwiegend aus dem Flecken Langwedel und aus Teilen der Stadt Verden kamen.

In der Folge hätten die DEA, den Betreiber des Feldes rund 480 Meldungen über Schäden an Gebäuden erreicht. Dabei habe es sich vor allem um feine Risse im Putz, in Bodenfliesen oder Fugen gehandelt. „Die maximalen Auswirkungen der Erschütterungen bewerten die Fachleute mit der Intensität V bis VI“ auf der Europäischen Makroseismischen Skala, heißt es weiter.

Seit 1994 wird aus dem Feld Völkersen Erdgas gefördert. „Bedingt durch die Tiefenlage der Lagerstätte stand das Erdgas ursprünglich unter einem Druck von mehreren hundert bar. Bei der Förderung von Erdgas macht man sich das Ausdehnungsbestreben des Gases zu Nutze.

Unterirdischer Druck nimmt ab

Aufgrund dieses Bestrebens fließt das Gas im Porenraum des Gesteins dem Bohrloch zu und wird über das Bohrloch an die Oberfläche geführt. Wegen der Entnahme des Erdgases nimmt der Druck innerhalb der Lagerstätte immer weiter ab. Durch diesen Druckabfall werden im Reservoirgestein und letztendlich auch in den Gesteinen in der räumlichen Umgebung der Lagerstätte Spannungsänderungen hervorgerufen, die zu seismischen Ereignissen führen können“, heißt es in dem Bericht des Landesbergamtes und der Bundesanstalt für Geowissenschaften.

Fracking-Maßnahmen könnten als Ursache ausgeschlossen werden, da die letzte Maßnahme dieser Art im Feld Völkersen bereits im Jahr 2011 durchgeführt wurde. Auch Lagerstättenwasser wird als Ursache ausgeschlossen, weil es im Erdgasfeld Völkersen (noch) nicht versenkt wird und auch in der Vergangenheit in der Tiefe des Hypozentrums des Bebens nicht versenkt wurde.

Bereits seit 2008 werden am Erdgasfeld Völkersen Erdbeben registriert. Insgesamt wurden hier 16 Beben mit Magnituden von 0,5 bis 3,1 registriert, zuletzt eines am 15. November 2016 mit einer Stärke von 2,5.

Die Reaktion durch den CDU-Bundestagsabgeorndeten Andreas Mattfeldt auf den Bericht kam prompt. „Nach der Einstufung des Bebens durch das Landesamt in die Intensitätsstufen V bis VI und den gemessenen Bodenschwinggeschwindigkeiten von 4,9mm/s bis 5,5mm/s greift nach der neuen gesetzlichen Regelung die Beweislastumkehr im Bergschadensrecht“, so Mattfeldt.

Viele Anti-Fracking Bürgerinitiativen hätten dies nach der Verabschiedung der Anti-Fracking-Gesetzgebung bezweifelt.

„Es bleibt festzuhalten, dass wir im vergangenen Sommer eine für die Bevölkerung vor Ort gute Gesetzgebung beschlossen haben, für die ich jahrelang gekämpft habe. Hätten wir diese Gesetze nicht verabschiedet, hätten die Bürger keine rechtliche Grundlage, um Schadensersatzansprüche bei der Industrie geltend zu machen. Diese hätten dann höchstens auf freiwilliger Basis die Schäden reguliert. Mir als Abgeordneter wurde bereits von mehreren Geschädigten berichtet, dass die DEA die angemeldeten Schäden schon vielfach reguliert hat.“

Infoveranstaltung 

Die Ergebnisse des Berichts werden vor Ort im Rahmen einer öffentlichen Informationsveranstaltung am Mittwoch, 1. Februar, vorgestellt. Dazu laden das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), Landrat Peter Bohlmann und Langwedels Bürgermeister Andreas Brandt alle Interessierten um 18 Uhr in Klenkes Gasthaus, Herrenkamp 2, in Langwedel ein.

Der Kurzbericht ist unter www.lbeg.niedersachsen.de/ErdbebenAktuelles/ im Internet öffentlich 

jw

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