Das alte Haus ist weg, das neue noch nicht fertig: Der Jugendtreff im Asyl

„Da sind Tränen geflossen“

+
Das Foto vom alten Jugendtreff im Arm und das fast fertige neue Haus im Rücken: Ahmet Cosan, Heike Jehde, Regina Bade, Evelyn Wübbens und Heidi Schumann vom SoFa-Team.

Langwedel - Von Jens Wenck. Also, wenn man den Blick nach ein Stück nach oben lenkt (aber nur dann), sieht man es: „Jugendtreff“ steht da im 1. Stock des D-Hauses der Oberschule am Goldbach in den Fenstern. Da muss man drauf kommen.

Obwohl, in dieser Zeitung hat es ja schon gestanden. Der alte Jugendtreff neben dem Langwedeler Rathaus wurde abgerissen, auf dem Grundstück laufen seit einigen Tagen die ersten Arbeiten für ein neues Wohn- und Geschäftshaus, in das unter anderem auch die Volksbank einziehen will.

Gab es da nicht den einstimmigen Ratsbeschluss, dass der alte Jugendtreff erst abgerissen wird, wenn der neue fertig ist und die Jugendlichen in das neue Haus an der Suhrfeldstraße umziehen können? Gab es. Zwar ist der neue Jugendtreff erstaunlich schnell gebaut worden. Aber nicht schnell genug. Dem Investor und der Volksbank sitzt auch die Zeit im Nacken, wenn das mit dem Umzug im nächsten Jahr pünktlich klappen soll.

Die Oberschule konnte und wollte gern Asyl gewähren. Also hat der Jugendtreff unter der Regie von SoFa (Sozialpädagogische Familien- und Lebenshilfe) für ein paar Wochen in Raum 101 des D-Hauses Domizil bezogen. Sogar mit einem eigenen Eingang über die große Feuertreppe. „Es ist ein ehemaliger Klassenraum. Ein schöner, heller Raum, wir haben uns das gemütlich gemacht“, erzählt Evelyn Wübbens. Ein Sofa ist da, eine Sitzecke, ein großer Tisch – und der große alte Tischkicker. „Alles andere ist eingemottet.“

Natürlich läuft die soziale Gruppenarbeit weiter. Allerdings isst man jetzt nicht mehr im Jugendtreff sondern im Langwedel Seniorenzentrum, dass auch vorher schon das Essen geliefert hat. Jetzt sitzen die Kinder und Jugendlichen mittags mit den Senioren zusammen. Für so manchen eine neue Erfahrung und auch Herausforderung.

Selbstverständlich gibt es die Hausaufgabenhilfe weiter. Und den offenen Treff montags von 16.30 bis 18.30 Uhr, dienstags von 15.30 Uhr bis 18.30 Uhr und freitags von 14 bis 19 Uhr. Aber gerade da sind in der Notunterkunft die Besucherzahlen total eingebrochen.

Was Ahmet Cosan nicht so sehr wundert: „Wenn die Kinder nach der Schule wieder in die Schule kommen sollen, klappt nicht. Das schreckt eher ab.“ Außerdem fehlen ganz wichtige Highlights, weiß Regina Bade vom Jugendtreffteam. Keine PCs mit Internetanschluss, kein Billardtisch – und vor allem keine Küche. Am Freitag wurde nach der Schule gemeinsam gekocht und gegessen. Das fehlt. Gerade den älteren Jugendlichen vermissen ihr altes Haus. Evelyn Wübbens: „Da sind beim Abriss auch bittere Tränen geflossen. Die Jüngeren sind eher gespannt aufs Neue.“

„Was mir auf keinen Fall fehlen wird, ist die kaputte Heizung“, meint Regina Bade. Der Sanierungsbedarf im alten Jugendtreff war für Rat und Verwaltung ein entscheidendes Argument, das Kaufangebot für das Grundstück an der Großen Straße anzunehmen und quasi mit dem Erlös den Neubau fast in Sichtweite an der Suhrfeldstraße anzugehen.

Im November soll der neue Jugendtreff bezugsfertig sein. Das bewährte Angebot bleibt bestehen, das SoFa-Team arbeitet derzeit dazu an neuen Projekten. Spruchreif ist aber noch nichts. Ganz unbedingt hofft man darauf, dass auch das neue Haus so angenommen wird, wie das alte.

Die Neueröffnung wird auf jeden Fall groß gefeiert, das ist mal sicher. Wo doch jetzt im Oktober schon die beliebte Halloweenparty wegen der Umzieherei abgesagt wurde.

Mehr zum Thema:

Onigiri: die japanische Pausenstulle für unterwegs

Onigiri: die japanische Pausenstulle für unterwegs

Niederlande verlieren erneut - Schweden dreht Spiel: 3:2

Niederlande verlieren erneut - Schweden dreht Spiel: 3:2

Kunstdiebstahl im Bode-Museum: Keine Spur von 100-Kilo-Münze

Kunstdiebstahl im Bode-Museum: Keine Spur von 100-Kilo-Münze

Christine Kaufmann (†): Bilder aus ihrem Leben

Christine Kaufmann (†): Bilder aus ihrem Leben

Meistgelesene Artikel

Naturschutz und persönliche Erinnerung verknüpft

Naturschutz und persönliche Erinnerung verknüpft

„Achim ist jetzt Teil der Coca-Cola-Familie“

„Achim ist jetzt Teil der Coca-Cola-Familie“

Schwerer Unfall in Bassen: Frau stirbt

Schwerer Unfall in Bassen: Frau stirbt

Mit 2,24 Promille in einen Vorgarten

Mit 2,24 Promille in einen Vorgarten

Kommentare