Sascha Sonnemeyer aus Daverden: „Ich gehe noch ein Stückchen weiter“

Allein und zu Fuß über die Alpen

Früher war auch schon mal mehr Eis... aber die Aussicht auf den Tuxer Gletscher in den Alpen Österreichs ist grandios.
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Früher war auch schon mal mehr Eis... aber die Aussicht auf den Tuxer Gletscher in den Alpen Österreichs ist grandios.

Daverden – Warum macht einer so etwas? In gut vier Wochen über die Alpen. Zu Fuß. Allein. „Weil ich es kann!“, hat Sascha Sonnemeyer am Ende seines Blogs behauptet. Jeden Tag hat er aufgeschrieben, was ihm passiert ist, hat Fotos und kleine Videos für die Familie zuhause und seine stetig wachsende Fangemeinde ins Internet gestellt. „Weil ich es kann? Echt jetzt? Nur darum?“ Außerdem, wer den Blog liest, da tauchen zwischendurch auch Überlegungen auf, die Tour abzubrechen. Hinter der ganzen Aktion steckt doch mehr.

„Na, ja.“ Schon als Kind ist Sonnemeyer mit der Familie in die Berge gefahren. An den Chiemsee. Später haben die Eltern sich dann Schenna in Südtirol ausgeguckt. Mit der eigenen Familie fährt Sonnemeyer auch immer in die Berge in den Urlaub. Wenn er dann da ist, gleich am ersten Tag, kommt die Entspannung und der Urlaub fängt für ihn an, sagt er.

Sicher, die Familie wandert gemeinsam. „Aber ich geh auch an ein, zwei Tagen größere Touren allein.“ Die Familie war in diesem Sommer zunächst zusammen in Österreich. Das musste für den Familienmenschen Sonnemeyer unbedingt sein. Und vor der großen Alpentour, wie hat er sich da vorbereitet? „Ich habe versucht, ein bis zweimal die Woche zu joggen.“

Mit einem Freund war er schon einmal für ein ausgiebiges Wochenende in Österreich. So langsam keimte die Idee zur Wanderung über die Alpen. „Für die Familie ist das aber nichts“, war auch klar. Wandern in der Gruppe? „Ich wollte da gucken, laufen wo ich wollte. Selbst über das Tempo entscheiden“, sagt Sonnemeyer. „Ich muss das für mich machen. Zum Runterkommen, zum Genießen.“

Zu Wanderungen über die Alpen gibt es Bücher, man findet natürlich etwas im Internet. Sascha Sonnemeyer wurde Mitglied im Deutschen Alpenverein, der auch Karten parat hat. Es gibt den Weg von München nach Venedig, eine fertige Route München – Gardasee. „Aber das war alles nicht wirklich meins.“ Sonnemeyer stellt sich seine eigene Strecke zusammen. „Es war mein ganz großer Wunsch, mindestens bis nach Meran, nach Schenna zu kommen.“ Da war er mit seinen Eltern im Urlaub.

Apropos Urlaub. Sascha Sonnemeyer ist Ingenieur bei Airbus in Bremen. Das Unternehmen hat für seine Mitarbeiter das Programm „Care4Live“ aufgelegt. „Das nutzen viele Kollegen.“ Um Angehörige zu pflegen, um beim Hausbau weiterzukommen, um auf besondere Reisen zu gehen. Das Ganze ist unbezahlter Urlaub.

„Schick mal Bilder von unterwegs, haben die Kollegen gesagt. Schreib doch einen Blog, meinte eine Kollegin“, so Sonnemeyer. Tja. Wenn man wüsste, wie das geht. Sonnemeyer fragte Roger Lindhorst. Der Schützenbruder und NDR-Journalist wusste zwar selbst auch nicht genau Bescheid, konnte aber sagen, welches Programm, welche App, seine Kollegen benutzen.

„Da hab ich mich vor der Tour dann ein bisschen reingefummelt“, erzählt Sonnemeyer. Von leichten und schweren Wegen zwischen München und Meran hat er berichtet, von Hütten des Alpenvereins und Hotels, von angriffslustigen Kühen und Bärenkacke auf dem Wanderweg.

„Ich habe so viel postives Feedback bekommen“, strahlt der Daverdener. Jede Tagesetappe hat abends dokumentiert. „Ich bin Sascha und dies ist mein Versuch, meine persönliche Alpenquerung etwas zu dokumentieren“, heißt es da am Beginn seiner Internetseiten und das Motto, das da über allem steht: „Der Weg ist das Ziel.“

Sonnemeyers Frau und seine beiden Töchter bringen den 47-jährigen zum Zug und zum Bremer Hauptbahnhof. Das Wetter, der schwere Rucksack (mit Zelt und Isomatte) werden dem Wanderer zu schaffen machen – und die wochenlange Trennung von der Familie. „Aber ich hatte sie immer dabei. Hier“, sagt er und zeigt das Lederarmband, das seine Frauen ihm geschenkt haben. Da sind so drei Metallperlen aufgezogen. Insa, Paula und Anni steht drauf.

Das Anfangs gute Wetter wird schlechter. Nach Unwettern sind Wege und Stege verschwunden, er muss sich neu orientieren, er schleppt erhebliches Gewicht mit. 16, 17 Kilo. Soll er wie andere Wander vor ihm, Sachen mit der Post nach Hause schicken? Oder aufgeben? Er geht immer weiter und wird er mit atemberaubenden Aussichten und Ansichten belohnt. Körperliche Probleme? Am zweiten Tag eine Blase und ein bisschen Muskelkater. Das war es in den insgesamt 28 Tagen. Den großen Wanderstab, mit dem er unterwegs ist, hat er von seiner Frau geschenkt bekommen, schon vor Längerem. Jetzt erhält der Stab einen Namen: Kalle. Weil Karl-Heinz zu lang ist. Für Nicht-Daverdener: Sascha Sonnemeyers Vater hieß Karl-Heinz.

Beim Lesen des Blogs merkt man: Da hat sich einer nicht nur eingelaufen, der schreibt sich ein, notiert was er erlebt hat und würzt das Ganze mit tüchtig Humor. „Public Smelling“, steht unter einem Foto. Sonnemeyer hat auf der Terrasse des Wirtshauses die Wanderstiefel aus. „Die Natur dem Wanderer, das Obst dem Bauern“, verkündet eine Tafel in einem Südtiroler Apfelhang. Unser Wanderer sieht das anders: „Das Obst der Destille!“

Er kommt schließlich bis Meran – und ins Grübeln. „Die Knochen sind heile, die Beine wahrscheinlich fitter als je zuvor...“ Wird er jemals wieder so eine Tour machen? Er ist voll im Zeitplan. „Tut mir leid Mädels! Es dauert noch ein klein wenig. Scheiße. Ich gehe noch ein Stückchen weiter“, schreibt Sonnemeyer in seinen Blog – und marschiert bis zum Gardasee. Kurz vorher, in der Hütte vom Refugio San Pietro wird er erkannt: „Das ist der mit dem Stock, wie Moses, der seit München läuft.“ Nach 26 Tagen und 592 Kilometern zu Fuß ist Sonnemeyer am Ziel, in Riva del Garda.

Der Bart, der auf der Tour gewachsen ist, der musste zu Hause wieder runter. Familienvotum. Seit ein paar Tagen ist Sonnemeyer wieder im Büro. Der Bewegungsdrang ist immer noch da. Und die große Begeisterung über das Erlebte. Wer Fragen zum Wandern, zu der Tour und überhaupt hat, der kann gern die Kommentarfunktion auf seiner Internetseite nutzen oder ihn direkt ansprechen.

Wirklich guten Gewissens können wir hier die Adresse der Internetseite nicht weitersagen. Sie ist gefährlich, sie macht nämlich beim Lesen leider süchtig. Also gut, auf eigene Gefahr. Die ganze Geschichte findet man unter

sunnyonalps.com

Von Jens Wenck

Körperliche Erschöpfung? Nein. Aber auf jeden Fall ein sehr emotionaler Abschluss: Sascha Sonnemeyer und sein Begleiter, Stab „Kalle“, vor der Kulisse von Riva del Garda.

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