Mutter des Angeklagten fällt unangenehm auf

Prozess in Verden: Ein Adventskalender für den Richter

Langwedel/Verden - Von Wiebke Bruns. Der Diebstahl von Schnaps und Kaffee im Wert von 160,86 Euro aus einem Supermarkt in Langwedel kommt nicht nur einen 32 Jahre alten Angeklagten aus Verden teuer zu stehen, sondern auch seine Mutter. Die Frau quatschte in der Berufungsverhandlung am Landgericht Verden immer wieder dazwischen. „Klappe halten“, forderte die Staatsanwältin. Doch auch das fruchtete nicht. Um die Mutter sprachlos zu machen, wurde ihr ein Ordnungsgeld in Höhe von 500 Euro aufgedrückt.

Bereits beim Verlesen des erstinstanzlichen Urteils meldete sich die Frau auf den Zuschauerplätzen zu Wort. Es braucht schon einiges, um den Vorsitzenden Richter Joachim Lotz aus der Ruhe zu bringen, doch um sich bei der Frau Gehör zu verschaffen, musste er richtig laut werden.

„Sie hören ruhig und leise zu“, ermahnte er die Frau. Erste Staatsanwältin Dr. Annette Marquardt konnte deutlicher werden. „Wenn Sie viel Geld haben und hier viel Geld lassen wollen, machen sie so weiter.“

Der Vorsitzende konnte dann zumindest das Urteil des Amtsgerichts Verden zu Ende verlesen. Von einer beachtlichen Betäubungsmittel-Karriere war die Rede. Dementsprechend gibt es diverse Vorstrafen. 17 Eintragungen listet der Bundeszentralregisterauszug.

Am frühen Abend des 23. Juni 2017 beging der Angeklagte den dreisten Diebstahl. Zunächst packte er sechs Pakete Kaffee in eine große Tasche, dann noch acht Flaschen Bacardi. Damit spazierte er dann durch die Gemüseabteilung nach draußen. Allerdings war er einem Ladendetektiv aufgefallen, der alles über eine Überwachungskamera beobachtet hatte.

Als er den Angeklagten ansprach, forderte dieser nur, ihn in ruhe zu lassen. Der Detektiv blieb dran, schließlich versuchte der Angeklagte nach dem Zeugen zu treten. Der Tatbestand des räuberischen Diebstahls war zur Überzeugung des Schöffengerichts des Amtsgerichts erfüllt. Ein Jahr und acht Monate Haft, lautete das angefochtene Urteil.

Verteidiger Jochen Zersin gab für seinen Mandanten eine geständige Erklärung ab. Die Mutter saß wie zum Sprung bereit in der ersten Reihe. Blinzelte wütend, ob dies dem Sohn oder dem Verteidiger galt, wer weiß es schon. Zersin versuchte die Tritte mit der schweren Tasche am Lenker eines klapprigen Klapprades zu erklären. „Ein unglückliches Verhältnis, schwer auszubalancieren“, so Zersin.

Sein Mandant habe weggewollt, weil er unter laufender Bewährung stand. Diese wurde mittlerweile widerrufen. Aus der Haft wurde der Angeklagte vorgeführt.

Im Laufe der weiteren Verhandlung quatscht die Frau Mutter wieder dazwischen und bekam die 500 Euro Ordnungsgeld aufgebrummt. Ein Wachtmeister geleitete sie aus dem Saal. Der Sohn durfte und musste bleiben. Sitzen in Haft muss er nun noch zwei Jahre und zwei Monate. Ein anderes Urteil war einzubeziehen, deshalb die Erhöhung.

Die Mutter kam noch einmal wieder. Mit einem Adventskalender. Nicht für ihren Sohn, sondern eine Wiedergutmachung für den Vorsitzenden. Der lehnte ab, was die Dame dann überhaupt nicht verstehen konnte.

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