Langwedel würdigt Moorkolonisator Findorff in seiner einzigen Geestsiedlung

Zum 300. Geburtstag

Bei Wind und Wetter enthüllten Andreas Brandt und Christoph Meyer die Infotafel zu Jürgen Christian Findorff. Foto: Hustedt

Langwedel – Jetzt wissen auch die Langwedeler Herrenkämper, was sie mit dem Moorkolonisator Jürgen Christian Findorff eint. Auf einer Infotafel, die jetzt an der Ecke Herrenkamp / Gorch-Fock-Straße enthüllt wurde, können sie, alle anderen Langwedeler und natürlich Besucher kurz und knackig lesen, was es mit der ehemals selbstständigen Gemeinde Herrenkamp auf sich hat. Auslöser dieser Aktion ist das aktuelle Findorff-Jahr aus Anlass des 300. Geburtstags Findorffs und ein rühriger Touristikverein Langwedel, dessen Vorsitzender Christoph Meyer herausbekam, was Jürgen Christian Findorff mit dem Herrenkamp zu tun hat. Und das ist schon eine Besonderheit.

Findorff erlernte zunächst das väterliche Handwerk des Tischlers, erzählte Christoph Meyer vor bemerkenswert vielen Gästen, inklusive Bürgermeister Andreas Brandt und Landrat Peter Bohlmann.

Wegen seines großen Geschicks wurde Findorff eine Ausbildung im Bereich Wasserbau und Landvermessung ermöglicht. Mit 31 Jahren begann er dann im Auftrag des damaligen Kurfürsten von Hannover mit der Vermessung und Besiedlung der Moore zwischen Wümme und Hamme. Von seinem Wirken zeugen viele Siedlungen, etwa im Teufelsmoor, die Kirchen in Grasberg und Gnarrenburg sind Zeugen seines umfassenden Schaffens.

Auch im Landkreis Verden wirkte Findorff. Auf ihn gehen die Orte Allerdorf, Posthausen und Stellenfelde zurück, so Christoph Meyer. Überall findet sich die typische Siedlungsstruktur, die mit langen schmalen Flurstücken auch heute noch erkennbar ist.

Als eine Siedlung mit gleicher Struktur, allerdings als einzige nicht im Moor, sondern auf sandigem mageren Geestboden, gründete Findorff Herrenkamp, wo nach dem Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) ehemalige Soldaten angesiedelt wurden. 24 Grundstücke wurden ausgewiesen, etwa zwei Calenberger Morgen pro Siedlung, in den Moordörfern waren es 50 Morgen.

Bis 1906 gab es den eigenständigen Ort Herrenkamp. Die Langwedeler wollten die armen Leute vom Herrenkamp nicht haben, so eine Überlieferung. Über die Jahrhunderte hat sich der Herrenkamp immer wieder verändert, gerade auch in der jüngsten Vergangenheit durch verstärkte Bebauung, so Meyer. Geblieben sind nur ein paar alte Eichen, die wohl aus der Zeit der damaligen Besiedlung stammen und damit etwa 250 Jahre alt sein dürften.

Bürgermeister Andreas Brandt wusste zu berichten, dass sich auf Initiative des Heimatvereins Isersheim, wo Findorff begraben wurde, zur Vorbereitung des 300. Geburtstags ein Arbeitskreis gebildet hat, an dem auch Christoph Meyer teilnahm. Das Findorffjahr begann mit der Auftaktveranstaltung am 30. Januar in Grasberg, Hauptveranstaltung ist am 29. August in Worpswede, wo auch der Schirmherr, der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil dabei sein soll, so Brandt, um dann wieder mit seiner kurzen Ansprache nach Langwedel zurückzukommen.

Von der einst angelegten Siedlungsstruktur sei am Herrenkamp kaum noch etwas sichtbar, so Brandt. „Wenn hier zu jeder Wohneinheit 5 000 Quadratmeter Land gehören würde, hätten wir heute keine Parkraumprobleme am Herrenkamp.“

Landrat Peter Bohlmann erklärte: „Die Tafel und der Herrenkamp zeigen, was hier in der Region durch die Landgewinnung in den vergangenen 250 Jahren geleistet wurde. Für den Landkreis Verden bleibt Findorff bis heute aktuell, weil er durch die Landverteilung Hilfe zur Selbsthilfe geleistet hat“, so Bohlmann. Auch orientiere sich der Landkreis am Beispiel Findorffs an einer zielgerichteten Planung und Siedlungsentwicklung. „Das was früher in der Infrastruktur jedoch Entwässerungsgräben waren, ist heute der Breitbandanschluss. Auch hier hat der Landkreis ein hohes Niveau, weil die Gemeinden und der Landkreis eine gute Flächennutzung mit zusammenhängenden Wohn- und Gewerbebetrieben haben.“

Nach der Enthüllung der Tafel verriet Christoph Meyer noch drei ganz persönliche Verbindungen zu Jürgen Christian Findorff: Er und seine Frau haben in der Findorff-Kirche in Gnarrenburg geheiratet. Sein heutiges Wohnhaus steht auf einem Teil eines Grundstücks des Findorffschen Herrenkamps. Und schließlich stammen Meyer und Findorff aus der gleichen Stadt: Beide sind Göttinger.  hu

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