SERIE: Pastor Büttners Aufzeichnungen 1834 bis 1869 (Teil 22) / Früher Bauboom

Bis 1964 in Daverden: Nur Nummern

1750 entstanden nach verheerenden Bränden in der Region die Feuerversicherungen. Damit kam auch die Anordnung zur Durchnummerierung der Häuser. Das erfolgte nach dem Zeitpunkt des Baus. Auch das alte Spritzenhaus (vorn) erhielt eine Hausnummer, de 94. Der Hof im Hintergrund hatte die Nummer 17. Fotos: Wenck

Daverden - Von Harald Gerken. Im Juli 1862, nach 28 Jahren im Amt, fertigte Pastor August Wilhelm Büttner eine Aufstellung über die in seiner Amtszeit neu entstandenen Häuser im Kirchspiel Daverden an.

Bei seinem Amtsantritt waren im gesamten Kirchspiel 154 Häuser vorhanden, und jetzt nach 28 Jahren waren es 404. So waren im Durchschnitt pro Jahr fünf Häuser hinzugekommen. Damit war auch sein Arbeitsaufkommen gestiegen. Wenn auch nicht aus allen Häusern streng gläubige Schäfchen kamen, so waren sie doch alle bei ihm erfasst. Denn solange es (bis 1875) die Standesämter noch nicht gab, wurden alle Ereignisse wie Taufen, Trauungen und Beerdigungen ausschließlich im Kirchenbuch festgehalten.

Auch später wurden traditionsgemäß die kirchlichen Trauungen, die Taufen und die Beerdigungen im Kirchenbuch festgehalten. Es gab dann eine gewisse Zweigleisigkeit bei der Erfassung persönlicher Daten.

Daverden hatte im genannten Zeitraum rechnerisch 66, Langwedel 57, Etelsen 45 und Cluvenhagen 40 neue Wohnhäuser bekommen. Dazu kommen die vor dem Erfassungszeitraum noch nicht vorhandenen Ortschaften Langwedelermoor mit 13 und die zunächst noch selbstständige Ortschaft Herrenkamp mit 27 Häusern. (Im Falle der Herrenkampsiedlung müsste Büttners Zahl von 27 auf 24 korrigiert werden – siehe Christoph Meyer „Der Herrenkamp in Langwedel – eine Findorff-Siedlung“ im Jahrbuch für den Landkreis Verden 2020, S. 93 bis 96).

Bei den neu entstandenen Hofstellen handelt es sich nicht um Höfe im Sinn der klassischen Landwirtschaft. Sie sind in der Klasse der sogenannten „Anbauer“ angesiedelt. Das waren ab etwa 1830 Neusiedler im ländlichen Raum, die ein Haus mit Grundstück, aber keine nennenswerten landwirtschaftlichen Flächen, besaßen und nicht zur Nutzung der Allmende (der bäuerlichen Gemeinschaft gehörenden Nutzflächen) berechtigt waren. Sie standen am unteren Ende der dörflichen Sozialstruktur, mussten für ihren Lebensunterhalt zusätzlich als Handwerker oder Angestellte arbeiten.

Für diese Leute boten sich auch sogleich oder bald Arbeitsplätze in den Ziegeleien, bei der Post, der Bahn (inklusive Bau der Eisenbahnstrecke) an. Die Daverdener Anbauer hatten in der Regel ein kleines Stück Gartenland als Gemüsegarten beim Haus.

Darüber hinaus war geregelt, dass noch ein wenig Land für weiteren Eigenbedarf zugestanden wurde, wenn auch manchmal in unwirtlicher Gegend (Hinrich Bischoff „Zur Siedlungsgeschichte des Dorfes Daverden, Chronik Daverden – Geschichte und Geschichten, 2007, Seite 140).

Die zeitliche Abfolge in der Entstehung der neuen Häuser in Daverden lässt sich heute noch feststellen, zum Beispiel mithilfe der „Höfeliste“ (Rolf Masemann, „Die Hofbesitzer in Daverden“, Chronik Daverden – Geschichte und Geschichten, 2007, S. 215 ff..

Die über sechs bis sieben Generationen lang zugeteilten Hausnummern entstanden in der Reihenfolge des Baus der Häuser. Die Zuordnung von Hausnummern veranlasste die Feuerversicherung, die auf das Jahr 1754 zurückgeht, wie in der alten Chronik von Pastor Hermann Willenbrock zu lesen. Willenbrock war nach Pastor Büttner der Fünfte in der Reihe seiner Nachfolger und hatte 1959 die erste umfassende Chronik „Die Gemeinden im Kirchspiel Daverden“ herausgegeben.

Willenbrock spricht von einer Feuersbrunst, die es um 1750 gegeben haben muss, und bei der die Gesamtheit der in direkter Kirchennähe angesiedelten Hofstellen dem Feuer zum Opfer fiel. Aus der Erfahrung, wie hart für die Betroffenen der Wiederaufbau aus eigener Kraft war, resultierte der Solidaritäts-Gedanke. Das war die Geburtsstunde der Feuerversicherungen, wie die der „Bremen-Verdensche Brandkasse von 1754“. Damit entstand auch die Anordnung zum Durchnummerieren der Wohnhäuser. Die bereits existierenden Bauernhäuser – jetzt im größeren Abstand zur Kirche und auch zu einander – machten den Anfang.

Man gab aber noch dem Pastoren- und dem Küsterhaus den Vorrang: Pfarre Hausnummer 1 und Küsterhaus Nummer 2. Die Häuser der sogenannten „Bauernriege“ bekamen die Nummern 3 bis 12, und ab Nummer 13 begann die „Kötnerriege“. Diese endete bei Nummer 28, und der erste „echte Brinksitzer“, der Schneider Johann Ernst, der noch auf dem Brink, dem zentralen Dorfplatz bauen durfte, bekam die 29 (später Gütersloh und zuletzt Juckel).

Die weiteren Brinksitzer hießen zwar noch so, waren aber bereits weit am damaligen Dorfrand zu finden. Dennoch hatten sie den Status „Brinksitzer“, eben weil sie nur ein wenig Land beackerten, aber keine Pferde hatten und stets einen handwerklichen Beruf ausübten.

Das letzte Haus vor dem Zweiten Weltkrieg baute Kaufmann Wilhelm Müller. Es erhielt die Nummer 235. Den Neubau bezog nach dem Krieg der beliebte Einwohner und Hausschlachter Karl Kurowski. Bis Kriegsbeginn waren es überhaupt nur noch wenige Neubauten pro Jahr, in Daverden nämlich durchschnittlich jährlich ein neues Haus. Als dann in den 1950-er Jahren durch die Zuwanderung der Flüchtlinge, Vertriebenen und Ausgebombten ein neuer Bauboom einsetzte, wurde zunächst das Durchnummerieren fortgesetzt, bis Daverden im Jahre 1964 Straßennamen erhielt und dann straßenweise Hausnummern gebildet wurden.

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