Wohltätiger Zweck

Für Kinderglück: Cluvenhagener Paar reist mit 190er Benz um die Welt

Auch beim unfreiwilligen Stopp im Autohaus Gohde sammelten Melanie Heitmann und Stefan Krallinger Unterschriften für ihr Projekt.

Cluvenhagen - Von Michael Mix. Ihre Weltreise über fünf Kontinente mit einem 29 Jahre alten 190er Benz unterbrachen Stefan Krallinger und Melanie Heitmann in Cluvenhagen. Nach tausenden Kilometern auf „vielen schlechten Straßen“ war ein Teil der Achse angerissen und wurde in der Werkstatt des Autohauses Gohde geschweißt. Seit Freitag ist das Paar mit dem Wagen in Richtung Australien unterwegs. Neben Abenteuerlust treibt die beiden ein wohltätiger Zweck.

Unter dem Motto „Wir fahren mit dem 190er um die Welt“ wollen der Österreicher Krallinger und Heitmann, die aus Oyten stammt, eine Menge Geld für bedürftige Kinder in der Dritten Welt zusammenbekommen. Über die Organisation „Plan-Paten“ unterstütze er seit längerem ein Kind in Peru, berichtet der 36-Jährige aus dem Salzburger Land im Gespräch mit dieser Zeitung.

Vor drei Jahren flog er zusammen mit seiner Lebensgefährtin von Hamburg aus nach Südamerika, während das Auto mit einem Frachter über den „großen Teich“ schipperte. Mit dem 190er Benz legten die beiden zunächst die lange Strecke von Feuerland bis nach Alaska zurück. Anschließend bereisten sie Nord- und Mitteleuropa sowie Nordafrika.

Große materielle Ansprüche haben der frühere Wirt und die gelernte Reiseverkehrskauffrau nicht. Geschlafen wird im Zeltanhänger. „Wir leben von 1.000 Euro im Monat“, sagt Krallinger. Ein Betrag, den sie mit Hilfe von Erspartem und Sponsoren sowie dem Verkauf von selbsterstellten Drohnenvideos an Hotels und Campingplätze zusammenbekommen.

In der Cluvenhagener Werkstatt wurde die angebrochene Achse des viel gefahrenen 190er Benz geschweißt. - Fotos: Mario Röttjer

Überall suchen Melanie Heitmann (35) und Stefan Krallinger Kontakt zur einheimischen Bevölkerung. „Wir haben zu 99 Prozent nette Leute getroffen“, schwärmen sie. „Hier bekommen wir eine Umarmung geschenkt, dort eine Ananas.“

Der 190er Benz spielt bei dem „Charity-Projekt“ eine wesentliche Rolle. Unzählige Autogramme von Menschen aus mehreren Erdteilen zieren inzwischen die gesamte Karosserie mit Ausnahme der Scheiben. „Wir sammeln Unterschriften aus 100 Ländern“, sagt Krallinger. Auch Prominente wie Magier David Copperfield und Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender von Mercedes-Benz, haben zum Stift gegriffen und sich auf dem Lack verewigt.

Mit der Reise verfolgt das Paar auch eine politische Mission. „Die Welt driftet auseinander“, sagt Stefan Krallinger. „Wir haben ein Auto, das Unterschriften von Völkern aus aller Welt trägt.“

Nach der Tour durch Asien und Australien soll es „publikumswirksam an ein Museum gespendet werden“. Zetsche, zeigt sich der 36-Jährige nach dem Treffen mit dem Konzern-Chef überzeugt, werde „sicherlich noch ordentlich was drauflegen“. Erst recht, wenn der „190er“ nach seiner Fahrt rund um die Welt, wie von den Beteiligten angedacht, im Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart landen sollte.

Nach dem unfreiwilligen Stopp in der „total netten Werkstatt“ in Cluvenhagen mit ihrem Geschäftsführer Mario Schritt, wo das Auto kostenlos repariert wurde, und dem vorübergehenden Quartier bei den Eltern in Oyten fiebern Melanie Heitmann und ihr Freund nun der Fahrt durch Russland und China bis hin zum fünften Kontinent entgegen. Und hoffen am Ende auf den großen Geldsegen, „von dem vielleicht sogar ein ganzes Dorf profitieren kann“.

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