US-Star lässt Fans und neu entdeckte deutsche Familie in Völkersen zweieinhalb Stunden ausharren / Medienrummel

Das lange Warten auf David Hasselhoff

Mitten im Getümmel der Journalisten fand David Hasselhoff zielstrebig den Weg zu seinen jüngsten Fans und gab Autogramme.

Völkersen - Von Jens Wenck· Er hat es tatsächlich gemacht: Hollywood-Schauspieler Davd Hasselhoff besuchte Völkersen, ließ seine Fans und die Verwandtschaft aber lange warten.

„In zehn Minuten soll er da sein“, verspricht Langwedels Bürgermeister Andreas Brandt der wartenden Journalistenmeute – und den kleinen und großen Fans, die da gestern auf dem Hof Heimsoth in Völkersen auf den US-Schauspieler und Sänger David Hasselhoff warteten. „Das hast du vor einer Stunde schon gesagt“, ist ein Völk‘ser Steppke nach knapp drei Stunden Warterei im Regen schon ein wenig skeptisch. Aber dann kommt er tatsächlich. Eine weiße Stretchlimousine biegt auf den Bauernhof.

Und eine Horde ausgehungerte Hyänen stürzt sich auf ein offenes Autofenster. Ein wahrscheinlich leichtsinniger Safaritourist streckt seinen Arm aus dem Fenster, an dessen ein Handy steckt, mit dem offensichtlich gefilmt wird. Moment, tragen Hyänen Videokameras und Mikrofone mit sich herum?

Quatsch, das sind Leute vom Radio und Fernsehen, und im Auto sitzt kein Safaritourist, sondern Mister David Hasselhoff höchstpersönlich. Seit ein paar Wochen weiß er dank Recherchen des NDR, dass seine Vorfahren aus dem kleinen Völkersen kommen.

Wann kommt er denn, der David? Familie Heimsoth wartet auf den Cousin aus Amerika.

Jetzt hat der Privatsender RTL die Gelegenheit genutzt, Hasselhoff auf den Hof seiner Vorfahren zu lotsen. Dumm nur, dass da jemand gegenüber anderen Medien ausgeplaudert hat, dass der Hasselhoff kommt. Nun ist der Hof mit Journalisten voll. Zank bahnt sich an, ob sich RTL exklusiv an der Geschichte gütlich tun kann – oder nicht. Auf alle Fälle können sie es nicht so, wie sie es sich gedacht hatten.

Auch verläuft der Besuch des entfernten Cousins bei Landwirt Hermann Heimsoth und seiner Familie nicht ganz so wie geplant. Eigentlich sollte Hasselhoff ja mit dem Trecker selbst in die Kartoffeln fahren dürfen und sollen – geht bei dem Dauerregen nicht.

Von 11 bis 14 Uhr sollte der ehemalige Baywatch-Star kommen. Da könnte man ja zu Mittag, so gegen 12 Uhr fein niedersächsische Hochzeitssuppe essen, dachten sich Heimsoths. Es wurde 11 Uhr, es wurde 12 Uhr – kein David Hasselhoff.

„Wir sind gegen 11.15 Uhr in Hannover abgefahren“, erzählte später Hasselhoffs Fahrer dieser Zeitung in Völkersen. „Und dann haben wir in Hannover noch mal Halt gemacht.“ Herr Hasselhoff wollte einkaufen.

Derweil versuchte Langwedels Bürgermeister Andreas Brandt durchaus erfolgreich auf dem Hof eine ordentliche Parkordnung herzustellen, damit die Limousine auch wirklich Platz finden würde.

Zuvor hatte sich Brandt als Türsteher vor der Heimsothschen Diele bewährt, nachdem einige Journalisten völlig ungefragt das Haus in Besitz nahmen. Das „He! Schuhe aus. Du machst mir den weißen Teppich dreckig“ von Hermann Heimsoth hatte nur kurzfristig Wirkung gezeigt.

„Mein Schulenglisch ist von 1968“, hatte Hermann Heimsoth erzählt. Darum hatte man sich Heike Mörschel als Dolmetscherin dazu geholt.

„Wollen wir sie reinlassen?“ Nö. Zum Familientreffen Hasselhoff-Heimsoth bei Hochzeitssuppe kamen nur Journalisten mit Exklusiv-Vertrag zum Zuge.

Ex-Bürgermeister Andreas Mattfeldt war auch unterstützend vor Ort. Kurz nach 13 Uhr musste der CDU-Bundestagsabgeordnete dann aber doch los, ohne Mister Hasselhoff begrüßt zu haben. In Schwanewede stand ein Arbeitstermin mit Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg an. Man muss halt Prioritäten setzen.

Platschnasse Kinder toben derweil über den Hof, spielen fangen – und sind dann die Glücklichen als sich David Hasselhoff den Weg zum Haus der Heimsoths bahnt. „Hallo, wie geht’s?“, fragt der Cousin aus Amerika und verteilt Autogramme an die Kinder. Jetzt hat es auch noch aufgehört zu regnen. Endlich.

Im Gewühl vorm Haus marschiert Hasselhoff an Hermann Heimsoth und dessen Sohn Harm vorbei. Nicht erkannt, die Verwandten, woher auch? Im Haus finden sie sich dann doch noch. „Hello, wie geht’s?“ – „Hermann. Hermann heiß ich!“ Und rumms ist die Tür zu. Vorhänge dicht, ein großer Schirm von innen vor der Eingangstür. Von wegen der Exklusivität.

Einige Journalisten versuchen durch Ritzen zu spähen, zu filmen und Fotos zu machen.

Die Nachbarn der Heimsoths und andere Völkerser, die zum Gucken gekommen sind, machen sich vom Hof. „Höchste Zeit zum Mittagessen.“

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