Landwirte kämpfen in Berlin gegen Anfeindungen und schlechtes Image

Dialog in der Zwickmühle

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Offen für den Dialog (v. l.): Ingrid Wortmann, Jörn Ehlers, Wolfgang Behling und Landvolk-Geschäftsführer Carsten Hipp.

Landkreis - Von Ronald Klee. Auf der einen Seite der Discounter-Kunde, der bei Milch und Ei genau auf den Pfennig guckt, auf der anderen Anfeindungen von Tierschützern und Umweltverbänden: Zwischen diesen beiden Polen fühlen sich Landwirte wie in der Zwickmühle. „Wir suchen das Gespräch mit dem Verbraucher“, ist die bevorzugte Taktik, mit der Kreislandwirt Jörn Ehlers sich und seine Kollegen daraus befreien will. Dennoch wird er morgen nach Berlin zur Demo „Wir machen Euch satt 2.0“ fahren.

Seit sechs Jahren ist die Grüne Woche in Berlin der Punkt, an dem der Widerspruch zwischen dem, was der Markt den Landwirten abverlangt, und Zielen von Umwelt- und Tierschutz besonders deutlich werden. Alljährlich rufen die Verbände, von BUND bis Peta, zur Großdemo nach Berlin. Morgen um 12 Uhr ist es wieder auf dem Potsdamer Platz soweit.

Für Jörn Ehlers und die beiden Landwirte im Landvolkverband Verden-Rotenburg, Ingrid Wortmann und Wolfgang Behling, ist das immer ein ärgerlicher Tag. Auf der Demo arbeiten die Organisationen immer kräftig am schlechten Image der konventionellen Landwirte. Massentierhaltung, Agrarindustrie, Vermaisung und Antibiotika-Einsatz sind die pauschalen Vorwürfe, mit denen der Kreislandwirt sich und seine Kollegen konfrontiert sieht. „Selbst kleine und mittlere Betriebe wie in unserem Verband werden da schnell angeklagt“ , ärgert sich Ehlers.

Auf der Demo „Wir haben es satt“ in Berlin passiere das jedes Jahr und irgendwann sei dann mal genug gewesen. „Wir machen Euch satt“ war die Antwort der konventionellen Landwirtschaft. Marcus Holtkötter, Nadine Henke und Kathrin Seeger waren die Initiatoren, die dann die Gegen-Demo auf dem Washington Platz direkt am Berliner Hauptbahnhof organisierten. Wie Kreislandwirt Ehlers wünschen sie sich den Dialog: „Redet mit uns, statt über uns!“ Sein Berufskollege Wolfgang Behling aus Posthausen setzt auf Transparenz. „Die Verbraucher müssen mehr verstehen, was auf den Höfen geschieht und wie gewirtschaftet wird.“ Dann werde das Image der Landwirte besser werden.

Im vergangenen Jahr fand eine Schar von etwa 1000 Teilnehmern auf der Gegendemo zusammen. Im Vergleich zu dem 40- bis 50-fachen an mobilisierten Agrarkritikern auf der Großdemo nebenan also eher eine überschaubare Zahl. Aber Ehlers will morgen wieder teilnehmen und sich mit einer Reihe von Mitstreitern dort um 9.15 Uhr am Bahnhof treffen. „Bauern stehen früh auf“, sagt er. Wie im Jahr zuvor will er in der Hauptstadt mit seinem Mitstreitern Äpfel verteilen. Die Schale trägt den Hinweis „Wir machen euch satt!“.

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