RWE-Dea beantragt Probeverpressung / Leitungsrückbau hat begonnen

Landet Lagerstättenwasser demnächst in Völkersen?

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Nach dem Gespäch mit der RWE-Dea gingen Andreas Noltemeyer und Thomas Vogel gleich mal gucken – und entdeckten zu ihrer Verwunderung einen quasi offenen Container mit alten Lagerstättenwasserleitungen.

Völkersen - Überrascht über die Dimension der erforderlichen Erdarbeiten nahmen die Vertreter der Bürgerinitiative (BI) „No-Fracking“ Andreas Noltemeyer und Thomas Vogel den Beginn des Rückbaus der maroden, benzolbelasteten Lagerstättenwasserleitungen der RWE-Dea in Augenschein.

Beginnend am Panzenberg in Scharnhorst wird zur Zeit mit schwerem Gerät der Mutterboden auf einer Breite von zirka 30 Metern abgetragen. Wegen der parallel laufenden Erdgaspipeline muss dann beim weiteren Vergehen, besonders vorsichtig gearbeitet werden, wenn nötig auch mit Schaufel und Spaten.

Laut Auskunft der Bauaufsicht werden während der gesamten Sanierungsarbeiten permanent Bodenanalysen vorgenommen, um sicher zu gehen, dass keine Giftstoffe im Boden zurückbleiben. Schließlich soll das kontaminierte Rohr und das umliegende Erdreich entsorgt werden. „Angesicht von 13 Kilometern Leitungslänge, die auf diese Weise saniert werden müssen, ein enormes Unterfangen, welches bei Verwendung geeigneter Rohre vermieden worden wäre“, stellte BI Sprecher Andreas Noltemeyer an der Absperrung der Baustelle fest.

Aktuell hat die RWE auch den Leitungsrückbau zwischen Schülingen und Völkersen in Angriff genommen, hier hatte man mit 39 000 Mikrogramm Benzol die höchste Belastung überhaupt gemessen. Klar, dass auch hier die Bürgerinitiative einen Blick auf die Arbeiten warf.

Dabei stieß man auf einen nur mit einer Plane abgedeckten Container, der ausgebaute Lagerstättenwasserleitungen enthielt. Und war darauf, vorsichtig ausgedrückt, einigermaßen irritiert. Bei ersten Arbeiten hatte man die maroden Rohre noch in einem abgeschlossenen, gesicherten Container deponiert. „Und hier ist alles offen. Das stinkt wie auf der Tankstelle, wo 100 Liter Sprit ausgelaufen sind“, so Andreas Noltemeyer.

Wenig begeistert zeigten sich die BI-Vertreter auch über eine Information, die man von der RWE-Dea am Dienstag bei einem der regelmäßigen Infotreffen mit Vertretern des Konzerns bekam.

Danach plant man im Bereich Düvelshagen (Völkersen Z3 Nord) eine Probeverpressung von 10 000 Kubikmetern Lagerstättenwasser in 5 000 Metern Tiefe. Hierzu läuft das Genehmigungsverfahren beim Landesbergamt (LBEG). Verläuft die Probe erfolgreich und gibt es die Genehmigung, wolle RWE in Zukunft 120 Kubikmeter Lagerstättenwasser täglich in Völkersen verpressen. Dass damit die Lagerstättenwasserentsorgung von Scharnhorst nach Völkersen verlagert wird, schmeckt der Bürgerinitiative genauso wenig, wie die Aussicht, dass in Zukunft täglich vier Lkw mit Lagerstättenwasser den Düvelshagen ansteuern.

Hier darf man sich bei der RWE schon auf heftigen Widerstand in Völkersen einstellen, allein wenn schon die Probeverpressung genehmigt werden sollte.

„Das stinkt hier wie

auf der Tankstelle“

Beim turnusgemäßen Treffen der BI, das jeden 1. Donnerstag im Monat stattfindet, wurden neben der Sanierung auch das aktuelle Gutachten des Bundesumweltamtes zum Thema „Erdgasförderung in Deutschland“ diskutiert.

Es zeige eindeutig die negativen Umweltauswirkungen der Fracking-Technologie auf. Unzählige ungelöste Probleme und Risiken sind aufgrund fehlender, aber entscheidender, Information nicht abschätzbar. So seien zum Beispiel der Aufbau und die Eigenschaften der Gesteinsschichten oder das Verhalten und die Wirkung der eingesetzten Frack-Flüssigkeiten in vielen Bereichen völlig unzureichend erforscht. Auch für die umweltgerechte Entsorgung des giftigen Lagerstättenwassers gebe es noch kein schlüssiges Konzept von Seiten der Energiemultis, lautet die Kritik der Bürgerinitiative.

Auch eine weitere Studie über den Zusammenhang von Techniken der Erdgasförderung und Erdbeben bestätigte die BI-Mitglieder in ihrer Sorge über die Gefährdung, die dieser Industriezweig mit sich bringe. In diesem Zusammenhang begrüße man den Vorschlag der Wissenschaftler, das Bergrecht ins Umweltrecht zu integrieren und die Zuständigkeit beim Umweltministerium anzusiedeln. Wer es wirklich ernst meine mit einer nachhaltigen Energiewende, der müsse sich zwingend auch von den ökologisch äußerst fragwürdigen Fördermethoden vom früher allseits hochgelobten vermeintlich klimafreundlichen Erdgas verabschieden. Beide Gutachten hätten ein deutliches Zeichen gesetzt.

Da diese Veränderungen nur auf politischer Ebene herbeigeführt werden können, plant die BI am 20. November im Gasthaus Klenke in Langwedel eine Podiumsdiskussion mit den Landtagskandidaten aus dem Landkreis Verden, um deren genaue Position zu allen für die Region wichtigen Themen zu erfahren und zur Meinungsbildung, sofern noch nicht geschehen, beizutragen. · jw

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