Krebserkrankungen: Landesbergamt untersucht Erdgasförderstellen

„Wir suchen nach Gründen“

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Andreas Sikorski (l), Präsident des Landesbergamts, stellte sich mit Bothels Samtgemeindebürgermeister Dirk Eberle den Fragen der Pressevertreter vor Ort am Förderplatz Hemsbünde Z2.

Landkreis - Von Michael Krüger. Es ist kein Zufall, dass genau hier am Förderplatz Hemsbünde Z2 am Montagmorgen im strömenden Regen ein großer Auflauf herrscht. Mehrere Kamerateams, Bundes- und Regionalpolitiker, Behördenvertreter und bekannte Gesichter der örtlichen Bürgerinitiativen: Alle wollen dabei sein, als das Landesbergamt mit dem niedersächsischen Umwelt- und Wirtschaftsministerium den Startschuss gibt zur Untersuchung von 200 der 455 Erdgasförderplätze im Land.

Von Bothel aus wurde die jahrelange Debatte um die Gefahr von Fracking und Co. im September 2014 ins Bewusstsein der Politik und Behörden in Hannover getragen. Eine erhöhte Krebsrate bei älteren Männern, unlängst auch für die Stadt Rotenburg nachgewiesen, und die Frage: Gibt es einen Zusammenhang mit der massiven Erdgasförderung in der Region? Es gibt noch keine Antworten, aber es wird gehandelt. Bothels Samtgemeidebürgermeister Dirk Eberle bedankte sich deswegen artig, dass auch in seiner Region, in der sich allein 18 aktuelle oder ehemalige Förderanlagen befinden, die Untersuchungen anlaufen. Aber mit Blick auf die jahrelange Untätigkeit der Behörden: „Manchmal muss die Öffentlichkeit Druck aufbauen, damit in der Politik eine größere Sensibilität entsteht.“

Genau dafür musste sich beim Ortstermin auch der Präsident des Landesbergamts, Andreas Sikorski, rechtfertigen. Von Versäumnisse sprach er trotzdem nicht: „Wir wollen den Blick nach vorne richten.“ Es gelte nun, erstmals eine verlässliche Datenbasis zu bekommen. „Wir sind dabei, eine Grundlage zu schaffen, um Antworten zu geben.“ Die Behörden seien in der Pflicht, Gefahren zu erkennen. Für eventuell notwendige Folgeuntersuchungen bei erhöhten Werten müssten dann die Unternehmen in die Pflicht genommen werden. Ziel sei es, innerhalb kürzester Zeit Erkenntnisse über wirkliche Belastungen zu bekommen. Letztendlich gehe es genau darum: „Wir suchen nach Gründen für die Krebserkrankungen.“

Dass das mit den nun angestoßenen Untersuchungen erreicht wird, glauben die kritischen Stimmen aus der Region allerdings nicht. Sieben Bodenproben wurden gestern an der Station Hemsbünde Z2 genommen, um Belastungen im Umfeld feststellen zu können. Eine Analyse von Luftwerten, Wasserwerte oder eine Suche nach Schadstoffen in den Pflanzen der Umgebung wird es nicht geben. „Das entspricht nicht unseren Forderungen“, sagte SPD-Politikerin Angelika Dorsch als Vorsitzende der Arbeitsgruppe Erdgas- und Erdölförderung im Landkreis Rotenburg. Kathrin Otte vom Gemeinnützigen Netzwerk für Umweltkranke (Genuk) wurde noch deutlicher. Zwar begännen die Behörden langsam, die potenzielle Gefährdung der Bevölkerung durch die Gasförderanlagen ernst zu nehmen, die aktuelle Messkampagne wäre jedoch nur eine „höchst partielle Vorgehensweise, die wir keineswegs für ausreichend halten“. Luftübertragungen fänden gar keine Berücksichtigung, auch die „häufig vagen“ Verordnungen der Bundesbodenschutz- und Altlastenverordnung böten viel Platz für nachträgliche Interpretationen. Dass die aktiven Bürgerinitiativen trotz der nachweislichen Erfolge in der Kooperation nicht eingebunden werden, sei ein weiterer Fehler. Otte: „Aus unserer Sicht wird somit viel Geld und noch mehr Zeit vergeudet, um dem Auftrag der Aufklärung der erhöhten Krebsraten und anderer berichteter Gesundheitsprobleme zeitnah und mittelfristig datengestützt auf den Grund zu gehen.“

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