Spürhunde sind scharf auf Rauschgift

Koks und Gras machen ihnen großen Spaß

Günter Mundil aus Etelsen von der Diensthundestaffel der Bremer Polizei mit seinen beiden Schutz- und Rauschgiftspürhunden „Fats“ und „Crawford“
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Günter Mundil aus Etelsen von der Diensthundestaffel der Bremer Polizei mit seinen beiden Schutz- und Rauschgiftspürhunden „Fats“ und „Crawford“

Langwedel - Von Wilhelm Ostmann. „Das sind meine Kollegen“, lächelnd zeigt Günter Mundil vom Berkels in Etelsen auf seine beiden Hunde. Er und einer von ihnen sind Mitglieder der Diensthundestaffel der Bremer Polizei; der zweite befindet sich in der Ausbildung. „Ich bin 24 Stunden mit ihnen zusammen.“ „Ich auch“, echot seine Frau Angelika. „Das stimmt. Ohne die Unterstützung meiner Frau wäre ein solcher Beruf, dem ich mit Leib und Seele verfallen bin, nicht möglich.“

In der Regel hat ein Polizist nur einen Schutzhund unter seine Fittiche genommen, doch der ältere geht in Rente. „Fats“ ist fast zehn Jahre alt. Damit hat er das Pensionsalter erreicht. „Das Gnadenbrot wird er bei uns bekommen.“ Ansonsten gibt es für ausgediente Bremer Polizeihunde Pensionen, in denen sie ihren „Lebensabend“ verbringen. Sie werden durch Patenschaften finanziert.

Nun bildet Günter Mundil den Nachfolger aus. Es ist ein holländischer Schäferhund mit Namen „Crawford“. Für den Polizeidienst eignen sich alle Gebrauchshunderassen. Die Jungspunde haben sich einer tierärztlichen Untersuchung und einer Einstellungsprüfung zu unterziehen, die „Crawford“ mit Bravour absolviert hat. Es wird getestet, ob die trieblichen Grundlagen besonders stark ausgebildet sind. Dabei geht es neben einer empfindlichen Nase insbesondere um den Jagd-, Beute- und Spieltrieb. „Letzerer ist für den Polizeidienst sehr wichtig Die Hunde begreifen ihre Aufgabe als Riesenspaß, als Spiel. Das ist ihre Motivation.“

Nach einer insgesamt zwölfwöchigen Grundausbildung folgt die dreimonatige Spezialisierung. Derzeit verbringt „Crawford“ viel Zeit im Zwinger. Er muss lernen, allein zu sein. „Vor den Einsätzen liegen die Hunde manchmal stundenlang im Auto. Da müssen sie ruhig bleiben.“ Aktuell bildet die Bundeswehr aufgrund der Lage Corona-Spürhunde aus.

Auf dem Stundenplan ihrer „Schule“ stehen Straßenbahn- und Fahrstuhlfahren, das Laufen über Gitterroste und über glatte Böden. Geräusche und Lärm, Böller und Schüsse müssen sie stoisch hinnehmen können. „Dann ist das Ausbilden auf Rauschmittel und andere Aufgaben eigentlich ein Kinderspiel.“

Die Tiere werden auf Kokain und Marihuana konditioniert, wie es im Fachjargon heißt. Sie haben die Gerüche schnell in der Nase, und die Suche nach den Rauschgiften wird für sie ein echtes Vergnügen, dem sie sich mit großer Begeisterung hingeben. „Wenn sie Koks oder Gras gefunden haben, sind sie vor Freude ganz aus dem Häuschen.“

Die Hunde kommen bei Razzien, so im Viertel in Bremen – „Dort kennen sie uns schon alle“ –, bei Fahrzeugkontrollen auf den Straßen und der Autobahn und im Hafen zum Einsatz. Bei Demonstrationen fungieren sie als Schutzhunde, halten die Fans bei Bundesligaspielen auseinander. Das alles geschieht zu jeder Tages- und Nachtzeit im Schichtdienst, der den Hunden wie den Menschen zusetzt.

„Die Tiere sind sehr selbstbewusst und nicht einzuschüchtern, sie können Flüchtende stoppen, festhalten und Angriffe abwehren. Ich bin unantastbar“, berichtet Mundil. Wenn jemand ihm tatsächlich ans Leder wolle, dann setzt der Hund auch sein Gebiss ein. Ein solcher Fall wird immer von den internen Ermittlern der Polizei untersucht. Dabei gehe es um Körperverletzung im Amt. Bei ihm, so Mundil, sei noch nie Fehlverhalten konstatiert worden.

„Fats“, der alte Hase, ist ein sehr erfahrener Polizeihund, der viele erfolgreiche Einsätze hinter sich hat. Ein Beispiel: Er hat nach einem Überfall auf einen Kiosk die Beute sowie die Pistole, mit der das Geld erpresst worden war, erschnüffelt. Beides war für das bloße Auge unsichtbar. Der Ganove hatte Moneten und Knarre unterm Schnee versteckt.

Darüber hinaus hat der Hund riesige Mengen an Rauschgift aufgespürt und dabei seinen Spaß gehabt. Belohnungen gibt es dann immer.

„Er ist schon mit einem kleinen Spiel mit mir mehr als zufrieden.“ In Heiligendamm hat der Hund sogar während des G8-Gipfels geholfen, die Großen dieser Welt zu beschützen.

In seinen Nachfolger setzt Günter Mundil die gleichen Hoffnungen. „Die beiden Hunde harmonieren sehr gut zusammen. Sonst wären sie auch nicht gemeinsam zu halten. Sie gehören zur Familie.“

„So ist es“, bestätigt Angelika Mundil, die „Fats“ krault und tätschelt. „Ohne Liebe zu den Hunden ginge das alles gar nicht.“

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