Modellprojekt Turbo-Internet: Glasfasernetzbau im Abwasserrohrsystem startet

Knopfdruck am Kanalschacht

Das Turbo-Internet kommt in Narthauen und Benkel durch den Abwasserkanal. Gestern begannen die Arbeiten – offiziell gestartet von (v.li.) Bauleiter Torsten Ringvet, FastOpticom-Vetriebsleiter Christopher Habermann, EWO-Chef Carsten Haverkamp, Bürgermeister Horst Hofmann, MdB Andreas Mattfeldt und Wobesco-Projektentwicklungsleiter Hans-Peter Wolff. ·

Narthauen - Von Petra HolthusenSelten hat eine Festgesellschaft so interessiert in einen Kanalschacht gelugt wie gestern. Der erste Spatenstich zum Breitbandausbau für das Turbo-Internet in Narthauen und Benkel erfolgte nämlich mangels Baustelle nicht mit der üblichen Schaufel Erde, sondern per Knopfdruck am Arbeitsroboter: Der versenkte symbolisch den ersten Befestigungsring samt Leerrohr für das Glasfaserkabel im Abwasserkanal in Narthauen.

Die Idee, die ländlichsten Außenposten des Fleckens Ottersberg mit einem Glasfasernetz zu versorgen, das durchs Abwasserrohrsystem in die Haushalte kommt, bescherte der Gemeinde – als einer von zweien in Niedersachsen – den Zuschlag im Förderwettbewerb „Modellprojekte für den Breitbandausbau“, den das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie ausgeschrieben hatte. Gefragt waren innovative Lösungen unter Ausnutzung vorhandener Infrastruktur, um abgelegene weiße Flecken auf der Breitband-Landkarte mit schnellem Internet ausstatten zu können – heute ein Muss für Unternehmer, Schüler und Studenten. Solche weißen Flecken sind bislang Narthauen und Benkel, deren Breitband-Versorgung ohne Förderung wegen großer Entfernungen und geringer Siedlungsdichte für Kommunikationsunternehmen uninteressant, weil unwirtschaftlich ist.

Dass 146 Haushalte in den beiden Dörfern mit einer angekündigten Übertragungsrate von 50 MBit/s trotzdem das schnellste Internet der Region bekommen, verdanken sie der Modellprojektidee der Ottersberger Firma Wobesco, mit der die Gemeinde den Bundesförderwettbewerb gewann. Von den 491 800 Euro Kosten für das Passivnetz zahlt der Bund 90 % aus der Staatskasse. Den Eigenanteil des Fleckens von knapp 50 000 Euro übernimmt das gemeindeeigene Elektrizitäts-Werk (EWO).

Mit der Realisierung des Modellprojekts wurde die Firma FastOpticom AG aus Regensburg beauftragt, die sich auf die Verlegung von Glasfasernetzen in Abwasserkanalsystemen spezialisiert hat. Gestern begannen die Arbeiten. Zum offiziellen Startschuss begrüßten Bürgermeister Horst Hofmann und EWO-Chef Carsten Haverkamp in Narthauen neben Wobesco-Projektentwicklungsleiter Hans-Peter Wolff und Christopher Habermann, Vertriebsleiter Nord der FastOpticom AG, auch Vertreter des beratenden Breitband-Kompetenzzentrums Niedersachsen sowie als Vertreter des Geldgebers den CDU-Bundestagsabgeordneten Andreas Mattfeldt. Auch der Gemeinderat war eingeladen und ließ sich von Habermann und seinem Bauleiter Torsten Ringvet am Kanalschacht die Technik erläutern.

Auf neun Kilometer Trassenlänge von Ottersberg über Otterstedt nach Narthauen und weiter nach Eckstever werden 15 Kilometer Glasfaserkabel verlegt. Zuerst klemmt der Roboter in kurzen Abständen die Befestigungsringe in den Abwasserkanälen fest und hakt die Leerrohre ein – allesamt aus Edelstahl, wasserdicht und resistent gegen Rattenbisse. Danach werden die Glasfaserkabel eingeblasen. Bis Jahresende soll das Hochleistungsnetz fertig gebaut sein. Der Betrieb des Netzes befindet sich laut Haverkamp noch in der Ausschreibung und rechtlichen Klärung. Eben echte „Pionierarbeit“, so Bürgermeister Hofmann. Spätestens im März sollen die Megabits durchs Abwasserrohr in die Modellregion nach Narthauen und Benkel rauschen.

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