Geschäftsführer Volker Hoos: „Ich fühle mich getäuscht“

Klage gegen BMW geht bald raus

Wünscht sich die BMW AG als zuverlässigen Partner an seiner Seite: Volker Hoos, Geschäftsführer der Autohäuser Hoos.

Verden - Von Guido MenkerLANDKREIS · „Das ganze Fundament ist weg.“ Volker Hoos fühlt sich getäuscht. Und zwar von BMW. In einem Gespräch mit unserer Zeitung bestätigte er gestern das, was am Abend zuvor in einem Beitrag bei Spiegel TV und gestern auch schon in der Kreiszeitung berichtet worden war: „Wir werden Klage einreichen, würden uns jedoch über eine positive Wende freuen.“ Es geht um Schadensersatz in bis zu siebenstelliger Höhe, wie Hoos‘ Anwalt Professor Christian Genzow auf Anfrage bestätigte. Die Klage gehe in diesen Tagen raus.

Zusammen mit drei weiteren Geschäftspartnern – unter ihnen auch der Trainer des Fußball-Bundesligisten Werder Bremen, Thomas Schaaf – hat er vor drei Jahren 1,5 Millionen Euro investiert und zwei BMW-Autohäuser in Kirchwalsede und Verden übernommen. „Allerdings mussten wir nach Aufnahme unserer Tätigkeit und eigener Einsicht in das BMW-System leider feststellen, dass die Planungen für die beiden Standorte völlig überzogen und unrealistisch dargestellt wurden“, so Hoos, der geschäftsführende Gesellschafter des Unternehmens. Doch auf eben dieser Grundlage sei er mit seinen Partnern eingestiegen – und musste bisher teuer dafür bezahlen.

Die Reaktionen nach der Ausstrahlung des Fernsehbeitrages waren reichhaltig. Journalisten meldeten sich, aber auch Kunden und „Leute, die ich gar nicht kenne“, so Hoos. Es habe Anrufe gegeben, aber auch E-Mails. Und nicht wenige, die sich an Volker Hoos wandten, haben ihre Solidarität zum Ausdruck gebracht und Mut machende Worte gewählt, so der Geschäftsführer. Aus dem Mut zur Investition von vor drei Jahren ist inzwischen Frust geworden. Mit Hilfe von Unterlagen, die zum Teil auch unserer Redaktion vorliegen, will Hoos belegen, was falsch gelaufen sei. So hätten sich die Angaben über die Größe des Kundenstammes und über die Werkstattdurchgänge als völlig unrealistisch überhöht erwiesen. Zahlen, die der betriebswirtschaftliche Händlerberater der BMW AG den vier Investoren vorgelegt habe. „Da keiner der Investoren bisher BMW-Händler war, bestand auch keine Möglichkeit des Zugriffs auf das BMW-System und die für ein BMW-Autohaus relevanten wirtschaftlichen Daten. Wir waren daher auf die Daten von BMW angewiesen. Zudem mussten wir feststellen, dass sich viele Kunden extrem verärgert einem anderen Fabrikat zugewandt hatten, weil bei mehr als der Hälfte aller Leasinggeschäfte ,Phantom-Zubehöreinbauten‘ vorgenommen und ,Freikilometer‘ gegeben worden waren, um damit die entsprechende Leasingrate zu reduzieren“, so Hoos. Bei Rückgabe der Wagen sei dann das böse Erwachen für die Kunden gekommen, die dann nichts mehr mit einem BMW-Autohaus zu tun haben wollten. Zwischenzeitlich seien Unterlagen gefunden worden, die belegten, dass die BMW AG und auch die BMW Bank von diesen Vorgängen wussten, nicht aber die Investoren. „Unser Versuch zu einer partnerschaftlichen Klärung, auch im Interesse von unseren 58 Angestellten, zu kommen, hat sich leider bis heute als vergeblich erwiesen.“ Die Angestellten seien am Freitag in Betriebsversammlungen in Verden und Kirchwalsede über das weitere Vorgehen informiert worden, berichtete Hoos. Die Stimmung sei gedrückt gewesen. „Das geht nicht spurlos an den Mitarbeitern vorbei“, sagte er.

Doch wie geht es jetzt weiter? Der Geschäftsführer: „Wir werden das Risiko genau abwägen müssen, wir haben schließlich erhebliche Verluste hingenommen und sind nicht angetreten, um hier Geld zu verbrennen.“ Es werde aber alles getan, um die Autohäuser aufrecht erhalten zu können. Der Geschäftsführer zu unserer Zeitung: „Dafür brauchen wir BMW. Und zwar als zuverlässigen Partner.“

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