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Kirchlintelns langes Ringen um ein Klo: Kommt jetzt endlich die Toilette auf dem Waldspielplatz?

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Von: Reike Raczkowski

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Ein Spielplatz umgeben von großen Bäumen.
Schaukeln, Rutschen, Klettergerüste: alles da. Nur eine Toilette gibt es hier bis heute nicht. © Raczkowski

Er ist eines der beliebtesten Ausflugsziele in der Gemeinde Kirchlinteln: Bereits seit vier Jahrzehnten wird der idyllische Waldspielplatz von Eltern mit ihren Kindern aus der ganzen Region angesteuert und die Begeisterung ist bis heute ungebrochen. Seilbahn, Rutschen, Schaukeln – die Spielfläche direkt am Lindhoop hat alles, was das Herz begehrt. Naja. Fast alles. Eine Toilette gibt es nicht. Die Mehrheitsgruppe im Gemeinderat will diese „unhaltbare und unwürdige Situation“ jetzt konsequent in Angriff nehmen. Bei der Verwaltung rennt sie damit offene Türen ein.

Kirchlinteln – „Die sanitäre Situation auf dem Waldspielplatz ist seit vielen Jahren nicht tragbar und bedarf dringend einer Änderung. Dass Mütter oder Väter auch heute noch ihre Kleinkinder auf dem Tisch der Schutzhütte oder auf dem Boden wickeln und Kinder wie Erwachsene ihre Notdurft im angrenzenden Wald verrichten müssen, ist inakzeptabel“, schreiben SPD, Grüne und Freie Fraktion in ihrem Antrag, der fordert, die „von vielen Seiten zu Recht beklagte unwürdige aktuelle Situation spätestens bis zu den Sommerferien abzustellen.“ Eine aus Sicht der Gruppe gute und umweltfreundliche Lösung wäre eine Trockentoilette, die ohne Spülung auskommt.

Mittel für die Realisierung standen erstmals 2002 im Haushalt

Richard Eckermann, Sprecher der Mehrheitsgruppe, erinnert daran, wie lange der Wunsch nach einer Waldtoilette schon besteht: In Verbindung mit der Schaffung des benachbarten Baugebietes Ritterallee seien damals, 2012/2013, auf Wunsch des Rates Mittel für eine Realisierung der Sanitäranlage seitens des Bauträgers bereitgestellt worden. Das Klo kam trotzdem nicht: Die damals von der Gemeindeverwaltung prognostizierten Unterhaltungs- und Reinigungskosten von bis zu 25 000 Euro pro Jahr schreckten ab. Laut Ortsvorsteher Hermann Meyer ringt die Gemeinde aber schon erheblich länger mit der Toilettenproblematik: Bereits 2002 hätten erstmals Mittel zu diesem Zweck im Haushalt gestanden: „20 Jahre ist das her, das muss man sich mal vorstellen.“

Jetzt drängt die Zeit

Die Gruppe hat jetzt beim Bauträger der Ritterallee einmal nachgefragt, was denn eigentlich aus den Geldern für den Toilettenbau geworden sei. Das Immobilien-Center der Kreissparkasse Verden habe auf Anfrage bestätigt, dass nach wie vor ein Betrag in einer Höhe von 15 000 bis 20 000 Euro in den Büchern für die zweckgebundene Ausgabe zur Verfügung steht und von der Gemeinde für die Realisierung verwendet werden könne. Allerdings sei geplant, diese Mittel noch in diesem Jahr aus den Büchern zu nehmen, wenn keine substanziellen Umsetzungsaktivitäten von der Gemeinde gestartet würden.

Anwohner berichten von klingelnden Spielplatzbesuchern

Also höchste Zeit, die Klo-Frage ein für alle Mal zu beantworten. Und es scheint, als ob die Mehrheitsgruppe bei der Verwaltung auf ausgesprochen offene Ohren stößt. Bürgermeister Arne Jacobs kennt die Problematik nur zu gut: „In der Vergangenheit wurden immer wieder Anläufe zur Installation einer Toilettenanlage unternommen. Zuletzt mehrten sich Hinweise von Anwohnenden, dass es im Sommer zu Geruchsbelästigungen kommt oder dass Besucher des Waldspielplatzes klingeln und um die Nutzung der privaten Sanitäranlagen bitten.“

Ausschuss soll über verschiedene Varianten beraten

Verwaltungsseitig sei das Thema bereits pro-aktiv aufgearbeitet worden: Fünf unterschiedliche Varianten wurden in einer Übersicht für die nächste Sitzung des Ausschusses für Jugend, Soziales und Gleichstellung, der am 23. Mai tagt, gegenübergestellt.

„Ich unterstütze das Vorhaben einer Sanitäranlage auf dem Waldspielplatz grundsätzlich“, so Jacobs. Allerdings müssten die jährlichen laufenden Kosten im Verhältnis bleiben. Daher enthalte die Gegenüberstellung der Alternativen eine Spanne von Mietobjekten bis hin zu gekauften Anlagen aller Preiskategorien.

Gelände gehört den Landesforsten

Ein weiterer Aspekt muss wohl außerdem beachtet werden: Das Grundstück befindet sich nicht im Eigentum der Gemeinde, es gehört den Landesforsten. Deswegen haben diese natürlich auch ein Wörtchen mitzureden. Aufgrund eines Personalwechsels konnte noch keine abschließende Stellungnahme zur Installation einer Sanitäranlage eingeholt werden, berichtet Jacobs. Grundsätzlich seien feste Bauwerke aber eher nicht erwünscht, fürchtet er.

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