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50 Jahre Gemeinde Kirchlinteln: Der Schulbau war einst umstritten

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Von: Harald Röttjer

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Außenansicht eines Gebäudes, im Vordergrund Bäume.
Eine wegweisende Entscheidung zu Beginn der politischen Gemeinde Kirchlinteln war der Bau des Schulzentrums in Kirchlinteln, der 1980 abgeschlossen wurde. © Röttjer

50 JAHRE GEMEINDE KIRCHLINTELN TEIL III / Erster Rat agiert mit Weitsicht

Kirchlinteln – Noch ganz unter dem Eindruck des gescheiterten Versuchs der Ortschaften des Kleinbahnbezirks, eine eigene Einheitsgemeinde Averbergen zu gründen, stand 1972 die Wahl zum ersten Gemeinderat in der neuen Gemeinde Kirchlinteln. Die CDU gewann mit einer Zweidrittelmehrheit. Zum ersten, damals noch ehrenamtlichen Bürgermeister der Einheitsgemeinde wurde Hermann Norden gewählt, der bis dahin als Bürgermeister seines Heimatorts Holtum (Geest) amtiert hatte.

Erster Bürgermeister Hermann Norden

Diese Wahl erwies sich als Glücksgriff, denn Norden führte sehr souverän und weitsichtig als ehrenamtlicher Bürgermeister die Gemeinde zusammen. 1976 wurde er von den Ratsmitgliedern einstimmig im Amt bestätigt, ungeachtet der Schwierigkeiten in der zugleich flächengrößten als auch finanz- und einwohnerschwächsten Kommune des Landkreises. Der damalige SPD-Fraktionsvorsitzende Dietmar Rettkowski begründete die Unterstützung der Sozialdemokraten damit, dass die Leistung von Norden als Bürgermeister so überzeugend sei.

Den ehrenamtlichen Gemeinderatsmitgliedern stand die neu aufgebaute Verwaltung mit dem hauptamtlichen Gemeindedirektor Rolf Behrens sowie angestellten Fachkräften und weiteren Mitarbeitern zur Seite. Damit war die Verwaltung imstande, die immer komplizierter werdenden Aufgaben zu bewältigen.

Flächennutzungsplan und Dorferneuerung für den Dorfkern Kirchlinteln

Große Themen waren zum Beginn der Ratsarbeit der Flächennutzungsplan für die Gemeinde und die Dorferneuerung für den Ortskern des Hauptortes Kirchlinteln, außerdem der Neubau der Kanalisation und des Rathauses. 1979 hatte Gerd Rickmeyer das Amt des Gemeindedirektors übernommen, der bis 2001 die Entwicklung der Gemeinde entscheidend mitprägte. Belohnt wurde sein großer Einsatz für die Dorferneuerung im Geestbezirk in 2000 mit dem 1. Preis im Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis.

Diskussionen um Realschule für die ganze Gemeinde

Hitzige Diskussionen gab es zum Ende der 1970er-Jahre um die Frage, ob eine Realschule für die ganze Gemeinde gegründet werden sollte. Die Eltern im Kleinbahnbezirk hatten sich in einer Umfrage dafür ausgesprochen, dass die Kinder die Realschule in Verden besuchen sollten. Der Gemeinderat aber entschied sich 1979 mehrheitlich für den Bau der Realschule in Kirchlinteln, der Bau des Schulzentrums in Kirchlinteln wurde 1980 abgeschlossen. Heute sind neben Kirchlinteln noch Luttum/Hohenaverbergen und Bendingbostel weitere Schulstandorte.

Bau der Kanalisation beginnt 1979 in Kirchlinteln

Der Bau der Kanalisation begann noch unter Hermann Norden 1979 in Kirchlinteln, dazu wurde in den Orten bei gut besuchten Versammlungen heftig um die besten Lösungen gerungen. Mit dem Ausbau endete im „Gold-Dorf“ Otersen 1999 der Bau der zentralen Kanalisation in der Gemeinde. Das Dorf hatte zwei Jahre vorher den bundesweiten Dörferwettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ gewonnen, unter anderen gratulierte auch Bundesminister Horst Seehofer.

Nachfolger von Hermann Norden ist Johann Hinrich Lindhorst

Zum Nachfolger von Hermann Norden war bereits 1981 Johann Hinrich Lindhorst (Kirchlinteln) gewählt worden, der dessen erfolgreiche Arbeit weiterführte. Bei seinem Abschied wurden die großen Verdienste von Norden, aber auch das Engagement seiner Ehefrau Sophie gewürdigt. Sie engagierte sich kreisweit und ehrenamtlich für die Einrichtung von Spielkreisen, aus denen dann später die Kindergärten hervorgingen.

Entscheidung für Gasversorgung durch Stadtwerke Verden um 1985

Unter Lindhorst lief der Kanalbau, eines der wohl größten damaligen Projekte der Gemeinde weiter. Um 1985 wurde nach langen Diskussionen beschlossen, die Gasversorgung durch die Stadtwerke Verden sicherzustellen, die freie Wahl des Versorgers durch die Haushalte war damals noch nicht möglich.

Partnerschaftsvertrag mit Schönhausen an der Elbe

Auch in Kirchlinteln herrschte große Freude über die Wiedervereinigung in Deutschland. Nach einem Besuch in Schönhausen an der Elbe wurde im April 1991 mit dem Ort der Partnerschaftsvertrag besiegelt.

Dr. Klaus Tietje letzter ehrenamtlicher Bürgermeister

Als letzter ehrenamtlicher Bürgermeister wurde 1996 Dr. Klaus Tietje aus Neddenaverbergen gewählt. In seine fünfjährige Amtszeit fiel im Jahr 2000 die Verleihung des „Europäischen Dorferneuerungspreises“ für die Lintler Geest, mit dieser hohen Auszeichnung wurde das ortsübergreifende Engagement der Bürger für ihre Region gewürdigt. Eine Delegation fuhr zur Preisverleihung nach Kaiserslautern. Im Verlauf dieser Veranstaltung gab es Kontakte mit Letovice (Tschechien), aus denen sich schnell eine enge Partnerschaft ergab.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wird einem Bereich die erforderliche Beachtung zuteil: Die Gemeinde steht im Jahr 2000 Pate bei der Gründung des Tourismus-Vereins, um damit dem immer weiter wachsenden Interesse gerecht zu werden...

Im vierten und letzten Teil lesen Sie über ein goldenes Dorf und erfahren, welcher Kreis sich 50 Jahre nach der Gebietsreform schließt.

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