Verwaltung schlägt Schaffung einer weiteren Einrichtung im Kernort vor

Zweiter Kirchlintler Kindergarten rückt in Sichtweite

Die Vorderfront eines Gebäudes aus roten Klinkersteinen
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Wäre eine Möglichkeit: Mit relativ geringen Mitteln ließe sich die „alte Schule“, jetzt Hort, zu einem attraktiven Kindergarten umbauen.

Schon bald, vielleicht schon nächstes Jahr, könnte es einen zweiten Kindergarten in Kirchlinteln geben. Damit würde die Gemeinde den steigenden Betreuungsbedarfen im Kernort entsprechen. Die Entscheidung ist allerdings noch nicht gefallen.

Kirchlinteln – Verschiedene Entwicklungen in jüngster Zeit haben dazu geführt, dass die Verwaltung jetzt relativ spontan vorschlägt, eine neue Betreuungseinrichtung in Kirchlinteln zu schaffen. Erstens: Stand heute gibt es in der Gemeinde zwar ausreichend Kindergartenplätze. Jedes Kind kann einen Betreuungsplatz bekommen. Allerdings: Nicht alle Eltern, die einen Platz in der Kita Unter den Buchen im Kernort wünschen, bekommen ihn. Die Folge: Sie müssen ihr Kind zu einem Kindergarten in einem anderen Ort bringen. Zweitens: Bei der Hortbetreuung für die älteren Kinder hat es seit Beginn der Corona-Pandemie eine Abmeldewelle gegeben. Mehrere Gruppenräume im Kirchlintler Hort stehen leer. Dazu kommt, dass durch die langfristig geplante Einführung der Ganztagsschule der Hortbetrieb irgendwann ganz wegfallen wird. Drittens: Durch die neuen und geplanten Baugebiete im Kernort wird es aller Wahrscheinlichkeit nach in den nächsten Jahren einen spürbaren Anstieg an Betreuungsbedarfen in Kirchlinteln geben, das gilt sowohl für die Krippe als auch für den Kindergarten.

Attraktive Fördermöglichkeit

Diese Umstände kombiniert mit einer attraktiven Fördermöglichkeit des Landes Niedersachsen haben die Verwaltung jetzt veranlasst, der Politik einen Vorschlag zu unterbreiten. In den Räumlichkeiten in der „alten Schule“, also dort, wo derzeit der Hort untergebracht ist, könnte ein neuer Kindergarten entstehen.

Eine „Außenstelle“ könne dieser Kindergarten nicht werden, erklärte die Verwaltung. Da die Kita Unter den Buchen bereits die zulässige Höchstzahl der zu betreuenden Kinder erreicht habe, müsste eine ganz neue Einrichtung entstehen. Dafür wären insbesondere die Schaffung von Räumlichkeiten für das Personal, ein größeres Außengelände, eine altersgerechte Umgestaltung des Sanitärbereichs und ein Umbau des Gruppenraums erforderlich. Die Kosten würden für die Gemeinde dank einer umfangreichen Landesförderung minimal bleiben. Allerdings: Erfahrungsgemäß sei mit zusätzlichen Personalkosten im hohen fünfstelligen Bereich zu rechnen, man rede hier über circa 90 000 Euro – jährlich.

Keine vorbehaltlose Begeisterung

Auf vorbehaltlose Begeisterung stieß der Vorschlag der Verwaltung im Sozialausschuss nicht. Ausschussvorsitzende Elke Beckmann (SPD) unterstützte die Idee zwar, machte aber deutlich: „Ich habe den Eindruck, da kommen jetzt Fördergelder – und deshalb machen wir das. Ich finde, wenn wir das schon machen, dann so, dass die Eltern das toll finden, dass sie ihre Kinder gerne in den neuen Kindergarten bringen. Das sollte einschlagen wie eine Bombe.“ Sie plädierte dafür, dass bei der Ausstattung auf keinen Fall auf eine „Minimallösung“ gesetzt werde. „Wenn das so wirkt, als hätte man da einfach eine Gruppe aussortiert, dann wollen die Eltern das nicht.“

Ich finde, wenn wir das schon machen, dann so, dass die Eltern das toll finden. Das sollte einschlagen wie eine Bombe.

Elke Beckmann, Ausschussvorsitzende (SPD)

Bürgermeister Wolfgang Rodewald stimmte zu, dass die neue Einrichtung ansprechend sein müsse. Er zeigte sich aber überzeugt, dass man das an der alten Schule gut hinbekommen würde. Er mahnte, das Thema nicht auf die lange Bank zu schieben. „Der Ort wächst im Moment erheblich, wir müssen die Betreuung jetzt auf einen sehr guten Stand bringen.“ Und zwar im Kernort, wo die Bedarfe seien. „Dann müssen wir niemanden mehr quer durch die Gemeinde schicken.“ Um die Förderung zu erhalten, müssten die Maßnahmen bis zum 31. Dezember 2021 begonnen haben und bis zum 30. Juni 2022 abgeschlossen sein.

Skepsis bei der CDU: Was ist mit den kleinen Kindergärten auf den Dörfern?

Seitens der CDU war die Skepsis recht groß. „Machen wir damit nicht die kleineren Einrichtungen kaputt?“, fragte Hermann Ramme. Arne Jacobs: „Dass die Kindergärten in den anderen Dörfern durch diese Maßnahme in ihrer Existenz gefährdet werden – das wollen wir ausdrücklich nicht.“ Man einigte sich darauf, die Verwaltung nicht mit der „Errichtung“ des neuen Kindergartens zu beauftragen, sondern erst einmal mit der „Planung“. Einzig Torsten Blanke (CDU) stimmte im Alleingang gegen das Vorhaben. Nur konsequent, da er schon seit vielen Jahren immer wieder mahnt, die Gemeinde müsse die stetig steigenden Ausgaben für Kinderbetreuung im Blick behalten. „Ein Umzug einer bestehenden Gruppe an die Schule, das wäre für mich in Ordnung. Aber jetzt ohne Not zusätzliche neue Plätze zu schaffen, das gefällt mir überhaupt nicht.“

Elke Beckmann richtete zuletzt ein Wort an die Skeptiker: „Ich möchte dann auch, dass ihr euch vor die Kirchlintler Neubürger stellt und denen erklärt, warum sie ihr Kind jeden Morgen nach Bendingbostel in den Kindergarten bringen müssen, bevor sie zur Arbeit nach Bremen fahren.“

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