Zwangsversteigerung: Gebäude in Neddenaverbergen geht für 25500 Euro weg

Meyer verliert alte Schule

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Die Neddener hoffen jetzt darauf, dass mit der alten Schule im Ortskern endlich etwas passiert.

Neddenaverbergen - Die alte Schule in Neddenaverbergen hat einen neuen Besitzer. Am Mittwoch wurde das seit Jahren leerstehende Gebäude, das immer mehr verfällt, samt Grundstück zwangsversteigert. Der Verkehrswert lag bei einem Euro, um insbesondere die Gerichtskosten zu decken, war Vorgabe für das niedrigste Gebot 3700 Euro. Für 25500 Euro wurde der Zuschlag erteilt.

Das Interesse an dem Termin war groß. Es gab kaum noch einen freien Platz im Saal 214 des Amtsgerichts Verden. Rund 25 Personen wollten erfahren, was aus der alten Dorfschule wird, die angesichts ihres katastrophalen Zustands vielen im Ort ein Dorn im Auge ist. „Seit zirka zehn Jahren ungenutzt und teilweise auf Rohbau-Niveau entkernt, verwildertes Grundstück mit Bauschuttablagerungen“, so die Beschreibung in der Ankündigung des Termins.

Als Diplomrechtspflegerin Jutta Dickau nach Nennung der erforderlichen Daten die halbstündige Bietphase eröffnen wollte, meldete sich Rüdiger Meyer zu Wort. Seit 2006 war er Eigentümer der Schule. Seine Meinung über die Kreissparkasse Verden tut er seit Monaten verkleidet als schwarzer Mann vor der Hauptstelle in Verden kund.

„Die Zwangsversteigerung ist einzustellen auf Grund Vorlage falscher Dokumente“, forderte Meyer. Die Vollmachten der beiden anwesenden Sparkassenmitarbeiter seien nicht rechtens. Darin seien nachträglich unter die Unterschriften in Druckbuchstaben die jeweiligen Namen ergänzt worden. Unterlagen würden ihm nicht herausgegeben, von seinen Konten habe die Sparkasse die Zwangsversteigerung bezahlt und so weiter. Zwischendurch lieferten sich Sparkassenmitarbeiter und Meyer einen verbalen Schlagabtausch. „Für mich ist nur entscheidend, dass ich einen ordnungsgemäßen Titel habe“, stellte Dickau klar. Alles andere müsse Meyer woanders klären.

Der Kirchlintler verließ den Saal und die ersten Gebote wurden abgegeben. Meyer kam wieder rein und wurde darüber informiert. „Ich gebe 2000 Euro dazu, wenn es einer ersteigert“, verkündete er laut. Direkt nach dem Termin gehe er zur Staatsanwaltschaft wegen der von der Kreissparkasse gefälschten Urkunde. Dickau schafft es souverän, wieder Ruhe reinzubringen. Dann folgte ein Antrag Meyers auf Protokollierung, dass er im Fall eines Zuschlags 147822,97 Euro Schadensersatz nebst Zinsen von der Sparkasse fordere. „15 Prozent Zinsen, so wie die Sparkasse“, erklärte Meyer auf Dickaus Nachfrage.

Während Meyer draußen Telefonate führte, überboten sich etwa fünf Bieter immer wieder gegenseitig. In 500er-Schritten arbeiteten sie sich hoch bis 25500 Euro. Erst gab es den Zuschlag Dickaus für das höchste Gebot und dann erklärte ganz schnell ein Vertreter der Kreissparkasse, dass der Zuschlag erteilt werden soll.

Der erfolgreiche Bieter kommt aus Verden. Sicher stehe noch nicht fest, was aus dem Gebäude werden soll, eventuell Wohnraum oder Werkstatt, erklärte er freudestrahlend nach Verlassen des Gerichtssaals. Die Einschätzung im Gutachten, dass eine Wohnraumnutzung wegen Immissionen von benachbarten Schweineställen schwierig werden könnte, hat ihn nicht abgeschreckt.

Eine Gruppe Neddener stand derweil zusammen auf dem Flur und sprach über den Termin. Einig waren sie sich in der Hoffnung, dass sich endlich etwas tut an der alten Schule. Meyer machte sich auf den Weg zur Staatsanwaltschaft. Die Schule ist verkauft, sein Kampf gegen die Sparkasse geht weiter.

wb

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