GASTHÄUSER IN CORONAZEITEN (TEIL 1): Familie Neuhäuser hat den ersten Lockdown genutzt

Zusammenhalt im Zwitscherstübchen

Würde ihre Stammkunden endlich gerne wiedersehen: Wirtin Inge Neuhäuser (links), hier mit ihrer Tochter Sarah, bleibt in der Krise tapfer. Sobald es möglich ist, wird sie das Zwitscherstübchen wieder öffnen.
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Würde ihre Stammkunden endlich gerne wiedersehen: Wirtin Inge Neuhäuser (links), hier mit ihrer Tochter Sarah, bleibt in der Krise tapfer. Sobald es möglich ist, wird sie das Zwitscherstübchen wieder öffnen.

Bendingbostel – „Ja, was soll ich sagen. Schlimm ist es. Da wird Ihnen im Moment kein Gastronom etwas anderes erzählen.“ Inge Neuhäuser sitzt im Gastraum des Zwitscherstübchens. Normalerweise würde sie um diese Zeit fröhlich feiernde Grünkohlfans bewirten, Gläser würde klirren und Gelächter wäre zu hören. Aber heute ist es still. „Weihnachten war ja auch nichts los, keine Adventsfeiern, keine runden Geburtstage, nichts.“ Seit Ende Oktober wartet die Wirtin darauf, endlich wieder arbeiten zu können. „Aber das wird wohl noch eine ganze Weile dauern. Bis März, April vielleicht – wenn wir Glück haben.“

Im Zwitscherstübchen gibt es gutbürgerliche deutsche Küche: Knipp, Bratkartoffeln, Schnitzel. Ehrliche Hausmannskost eben, die die Gäste zu schätzen wissen. „Für Stammkunden haben wir an Weihnachten mal Essen-to-go angeboten. Aber der Aufwand ist sehr hoch und der Umsatz gering, allein, weil ja die ganzen Getränke fehlen.“

Neuhäuser ist gefrustet. Das Zwitscherstübchen ist ihr Leben, sie hat es gemeinsam mit ihrem 2009 verstorbenen Mann Rudi ab 1984 aufgebaut. Viel Herzblut steckt in dem Betrieb, die ganze Familie Neuhäuser steht hinter der Gaststätte. Besitzer ist Markus, Inges Sohn. Aber auch Tochter Sarah möchte den Familienbetrieb unbedingt erhalten und ihn auch irgendwann übernehmen. Bruder Jogi hilft im Service mit. „Wenn wir nicht so einen guten Familienzusammenhalt hätten, wäre das Geschäft längst kopfüber gegangen“, sagt Neuhäuser. „Wir sind jetzt alle füreinander da. Wir stehen das gemeinsam durch, auch wenn es immer schwieriger wird.“

Der erste Lockdown sei bereits hart gewesen. „Aber wir haben uns im Frühjahr gesagt, wir machen das beste aus dieser Zwangspause. Wir haben viel getan und reichlich investiert: Wir haben das Außengelände auf Vordermann gebracht und neue Lagerräume gebaut. Mein Sohn hat ein gutes Hygienekonzept erarbeitet. Wir wollten richtig durchstarten“, so Neuhäuser. Und der Sommer sei dann auch ganz passabel gelaufen. „Der Biergarten lief, wir konnten grillen.“ Und irgendwann seien dann sogar die älteren Stammkunden wiedergekommen. „Die hatten sich lange nicht getraut.“

Und dann: der nächste Lockdown. Von einen Tag auf den anderen überhaupt keine Einnahmen mehr. „Die ersten Coronahilfen für November sind heute endlich angekommen“, sagt Inge Neuhäuser. „Aber sie sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.“

Als ihr Mann Rudi 2009 nach längerer Krankheit verstarb, dachte Inge Neuhäuser daran, die Gaststätte aufzugeben. „Sein Tod war ein großer Verlust, er hat sehr gefehlt.“ Aber die Familie habe sich damals Halt gegeben und gemeinsam entschieden, das Zwitscherstübchen weiterzuführen. „So ein Betrieb ist zwar viel Arbeit, aber es macht auch großen Spaß. Unsere Gäste sind wunderbar. Ich vermisse sie sehr.“ Und auch, wenn Neuhäuser robust wirkt, ganz Wirtin eben, ist sie im Moment doch etwas angefasst. „Ich habe einfach Sorge, dass unsere älteren Stammkunden irgendwann nicht mehr wiederkommen, wenn die Schließung noch lange dauert. Das wäre sehr traurig, weil man sie ja auch lieb gewonnen hat.“

So schlimm die Situation auch ist: Ans Aufgeben denken die Neuhäusers keineswegs. „Nein, im Moment gilt: Sobald wir wieder öffnen dürfen, öffnen wir.“

Von Reike Raczkowski

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