Neues Modell kommt

Pommesbude von 1969 muss in Rente: Zum Abschied eine letzte Bratwurst

Eine Frau steht in einer Pommesbude.
+
Haben viel zusammen erlebt: Edeltraud Winkelmann nimmt Abschied von ihrer Pommesbude, die ihr seit Beginn ihres Berufslebens eine verlässliche Partnerin war.

Zeit für den Ruhestand. Am 14. August steht die Pommesbude von Edeltraud Winkelmann zum letzten Mal am Lintler Krug. Zeit also für ein neues Modell.

Heins – Wenn am Samstag, 14. August, die Marktbesucher am Lintler Krug eine knackige Bratwurst essen, werden wohl die wenigsten wissen, dass es ihr letzter Arbeitstag sein wird. Das ist nun aber kein Grund zur Traurigkeit, „das alte Mädchen“ hat sich den Ruhestand redlich verdient, schließlich ist sie seit mehr als 50 Jahren im Einsatz. Sie hat unzählige Hungrige gestärkt, war auf vielen Veranstaltungen von Rübenmarkt bis Stallgasse, von Gewerbeschau bis Brokser Markt ein fester Anlaufpunkt, der köstlichen Frittenduft verströmte. Doch nun sind ihre Tage gezählt. „Ich schicke sie in Rente“, sagt Edeltraud Winkelmann aus Heins, die ihrer betagten Pommesbude zum Abschied noch einen kleinen Zeitungsartikel gönnt.

Eins vorweg: Niemand muss künftig auf die rustikalen Stärkungen aus dem Hause Winkelmann verzichten. Eine neue Pommesbude ist bereits bestellt, sie wird in den nächsten Tagen abgeholt. Denn ans Aufgeben denkt die 59-Jährige, die im Hauptgeschäft einen Party-Service und einen Hofladen betreibt, noch lange nicht.

Keine Sorge: Es gibt weiterhin Pommes von Winkelmann

Die Pommesbude, Baujahr 1969, hatte sich zuerst Schlachter Karl-Heinz Borcherding aus Bruchhausen-Vilsen angeschafft. „Mein damaliger Chef, Günter Hustedt, Fleischer aus demselben Ort, hat ihm die Bude irgendwann abgekauft“, erinnert sich die gelernte Fleischereifachverkäuferin. „Ich selbst habe sie in den 80er-Jahren kennengelernt“, sagt sie. „Jahr für Jahr habe ich auf dem Pferdemarkt des Brokser Marktes da drin gestanden. Wir waren zu dritt, und es war immer dermaßen viel los, dass wir von morgens um halb sieben bis nachmittags um vier nicht auf die Toilette gehen konnten.“ Klingt nach einem echten Knochenjob? „Es war einfach fantastisch“, sagt Winkelmann strahlend.

Erste Begegnung auf dem Brokser Pferdemarkt

1991 machte sie sich selbstständig. „In den folgenden Jahren hab ich mir die Bude dann immer für Veranstaltungen von meinem ehemaligen Chef geliehen.“ Sich selbst ein neues, modernes Modell zu kaufen, das sei ihr gar nicht in den Sinn gekommen. „2007 ist die Bude dann in die Hände von mir und meinem Mann Heinrich übergegangen.“

Irgendwie hing ihr Herz an der alten Frittenbude, und das ist auch verständlich: Die beiden haben viel zusammen erlebt. „Sie stand auf allen Gewerbeschauen und auf jedem Weihnachtsmarkt in Kirchlinteln. Sie war beim Ostermarkt am Müllerhaus, auf Erntefesten und Geburtstagen mit dabei.“

Das Wichtigste aus dem Landkreis Verden: Immer samstags um 7:30 Uhr in Ihr Mail-Postfach – jetzt kostenlos anmelden.

Winkelmann betont, dass ein verlässliches Team sie bei ihrer Arbeit im Imbisswagen seit vielen Jahren unterstützt. „Bei ihnen sitzt jeder Handgriff, dafür werden wir oft auch von den Kunden gelobt“, freut sich Winkelmann und bedankt sich in diesem Zusammenhang besonders bei Ulrike Lühning, Andrea Meyer, Ulrike Norden, Hanna Stegmann und Christian Görse. Zum Team habe auch die mittlerweile leider verstorbene Karin Meyer-Krause gehört.

Die Bude kommt nicht mehr durch den TÜV

Seit Corona seien die Veranstaltungen, zu denen Pommesbuden gehören, natürlich erheblich weniger geworden. So freut sich Winkelmann, dass sie im vergangenen Jahr wenigstens auf so manchen Blutspenden mit dem Imbisswagen zu Gast sein konnte. „Aber das Hauptgeschäft hat sich seit Beginn der Pandemie ohnehin verlagert“, sagt die Selbstständige. Ihr Hofladen habe erheblichen Kundenzuwachs erfahren. „Die Menschen kaufen bewusster ein, das merkt man schon.“

Das Imbisswagengeschäft aufgeben will Winkelmann aber auf keinen Fall. „Es macht einfach zu großen Spaß. Man trifft viele Menschen, hält einen Schnack – und wenn eine Veranstaltung gut gelaufen ist, dann bin ich auch gut gestellt, wenn ich nach Hause komme.“ Klar gebe es auch weniger erfolgreiche Tage, an denen man fast nichts einnimmt. „Aber dann ist eine positive Einstellung wichtig. Dann sage ich mir, dass ich an diesem Tag wenigstens Werbung für mein Geschäft machen konnte.“

Aber jede schöne Geschichte geht irgendwann zu Ende. „Ich krieg das Ding leider nicht mehr durch den TÜV“, sagt Winkelmann ein wenig traurig. Deswegen müsse nun also endlich ein neues Modell her. Wenn es nach ihr gehe, würde sie die alte Pommesbude am Liebsten nicht verschrotten. „Vielleicht gibt es ja einen Verein, der sich die Bude irgendwo hinstellen und bei Festen benutzen möchte, das Equipment ist noch in Ordnung. Ich würde sie für einen geringen Preis verkaufen.“ Oder vielleicht freue sich ja ein Bastler noch über ein neues Projekt. Finde sich kein Käufer, werde sie „das alte Mädchen“ wohl ausschlachten und dann verschrotten müssen.

Am 14. August hat sie ihren letzten Einsatz

Am 14. August, in der Zeit von 9 bis 13 Uhr, ist die Pommesbude von 1969 das letzte Mal im Einsatz: Sie steht auf dem „Wochenmarkt der Direktvermarkter“ auf dem Gelände des Lintler Kruges in Kirchlinteln. Und sie würde sich sicher freuen, wenn der ein oder andere alte Bekannte auf eine letzte Bratwurst vorbeikommt.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

waipu.tv feiert Geburtstag: Sichern Sie sich jetzt das Sonderangebot mit Netflix inklusive!

waipu.tv feiert Geburtstag: Sichern Sie sich jetzt das Sonderangebot mit Netflix inklusive!

E.ON-Wallbox effektiv kostenlos: staatliche Förderung nutzen und Ökotarif abschließen

E.ON-Wallbox effektiv kostenlos: staatliche Förderung nutzen und Ökotarif abschließen

Schlemmen im Sommer: Entdecken Sie kreative Rezepte im Magazin „Küchengeheimnisse“

Schlemmen im Sommer: Entdecken Sie kreative Rezepte im Magazin „Küchengeheimnisse“

Der STERNGLAS Topseller im exklusiven Deal - 50 Euro sparen!

Der STERNGLAS Topseller im exklusiven Deal - 50 Euro sparen!

Meistgelesene Artikel

Inhaberin der Pfeffermühle in Dörverden zu 2G- und 3G-Regeln: Entlastung der Gastronomen

Inhaberin der Pfeffermühle in Dörverden zu 2G- und 3G-Regeln: Entlastung der Gastronomen

Inhaberin der Pfeffermühle in Dörverden zu 2G- und 3G-Regeln: Entlastung der Gastronomen
Freundinnen – ein Leben lang

Freundinnen – ein Leben lang

Freundinnen – ein Leben lang
Landkreis Verden: Lebensgefahr nach schwerem Unfall zwischen zwei Autos

Landkreis Verden: Lebensgefahr nach schwerem Unfall zwischen zwei Autos

Landkreis Verden: Lebensgefahr nach schwerem Unfall zwischen zwei Autos
Völkersen feiert

Völkersen feiert

Völkersen feiert

Kommentare