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Solarfähre Otersen-Westen: Seit 25 Jahren mit der Kraft der Sonne und des Ehrenamtes über die Aller

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Menschen stehen in einer Gruppe und halten Gläser in den Händen.
30. April 1997: Feierliche Taufe der ersten Allerfähre. Einen Tag später wurden 1 000 Fährgäste mit dem kleinen Eichenholz-Boot befördert. Archi © HFV Otersen

Vor 25 Jahren, am 30. April 1997, wurde der erste ausgeschilderte Radweg im Landkreis, der Aller-Radweg zwischen Verden und Rethem durch die Gemeinden Dörverden und Kirchlinteln, eingeweiht. Gleichzeitig wurde die Wiedereinrichtung der Allerfähre Otersen-Westen gefeiert. Ein Vierteljahrhundert später, am vergangenen Sonntag, begann am Maifeiertag die 26. Saison und viele kleine und große Radwanderer zog es an die „schwimmende Brücke“ vor der herrlichen Kulisse von St.-Annen-Kirche und Amtshaus.

Otersen/Westen – Im Schatten von St. Annen gab es schon im 16. Jahrhundert eine Fährverbindung, mit einer großen Wagen-Prahmfähre für Pferdegespanne und Weidetiere sowie einem kleinen Ruder-Holzboot als Personenfähre. 1967 endete vorerst die Fähr-Historie. Nach 30-jähriger Trennung zwischen den Aller-Dörfern Otersen und Westen wurde am 30. April 1997 das neue Dielenboot aus Eichenholz mit Elektro-Außenborder feierlich in Betrieb genommen – geplant für 3 000 Fährgäste vom 1. Mai bis 3. Oktober nur an den Wochenenden. „Wo sollen 3 000 Fährgäste jährlich herkommen?“, fragten damals Skeptiker.

125 000 Fährgäste

Gut 1 000 Gäste waren es bereits am 1. Mai 1997 und mehr als 8 000 Radwanderer in der ersten Saison. Jetzt, 25 Jahre später, hätten es also 75 000 Gäste sein sollen – fast 125 000 sind es geworden. Diese beeindruckenden Zahlen unterstreichen auch die Bedeutung des Fahrrades sowohl bei den Einheimischen als auch bei Urlaubern in der Region. Durch weitere ausgeschilderte Radwanderwege hat sich der Landkreis zum „Radlerparadies“ entwickelt und auch im Heidekreis erlebt der Radtourismus einen Boom. Im zurückliegenden Vierteljahrhundert hat sich viel getan: Geradelt wird nicht nur mit Muskelkraft, sondern immer mehr Elektro-Fahrräder rollen über die Radwege und auf die Solar-Allerfähre. Von 1997 bis 1999 musste jedes Fahrrad einzeln mit der Muskelkraft der Fährleute über die Bordwand in das kleine Boot gehoben werden. Seit 2000 ist eine größere Fähre mit Bug-Klappe im Einsatz, sodass Fahrräder bequem auf die Fähre rollen können.

Zufriedene Gäste wichtiger als jeder Rekord

Unverändert blieb seit 1997 das Energiekonzept: Ein leiser Elektromotor – angetrieben von am Allerufer erzeugtem und in der Solarfähre gespeicherten Sonnenstrom – sorgt für einen CO2-freien Fährbetrieb. „1999 wurde uns in Bonn der Deutsche Solarpreis für Solare Transportsysteme verliehen. Weitere Preisträger in anderen Kategorien waren die ZDF-Umweltredaktion und der Deutsche Bundestag“, erinnert sich Vorsitzender Günter Lühning am Ende seiner 30-jährigen Amtszeit an einen der Höhepunkte in der 25-jährigen Geschichte der Solar-Allerfähre. „Die Solarfähre ist das Herzstück unseres vor 30 Jahren gegründeten Heimat- & Fährvereins“, betonte Technikwart Karlheinz Bruns am Maifeiertag. „Wir wollen nicht immer mehr und weitere Rekorde, sondern zufriedene Gäste.“

Am 1. Mai gab es offensichtlich viele hundert zufriedene Gäste, die auf der Fährwiese an der Aller teilweise mehrere Stunden verweilten. Die Fährleute hatten einen Biergarten mit Tischen und Bänken aufgebaut und die Gäste genossen das trockene, teils sonnige Mai-Wetter. Die Aufenthaltsqualität auf der Oterser Fährwiese wurde in den zurück-liegenden Jahren immer weiter verbessert.

Das Gelände wird immer schöner

Viel Lob gab es aus den eigenen Reihen am Wochenende für Schriftführer und Platzwart Rolf Homann, der die Anlage zum Saisonauftakt gut in Schuss gebracht hat. Drei Schwarzpappeln als typische Bäume in einer Fluss-Auenlandschaft wurden von den Fährleuten gepflanzt. Inzwischen sind sie auch Schattenspender. Weidenbüsche umsäumen die Fährwiese und wer hier verweilt, hat einen herrlichen Blick über die Aller und auf St.-Annen-Kirche und Amtshaus.

Saison bis 3. Oktober

Zum Saisonauftakt sorgten die Fährleute nicht nur für einen reibungslosen Fährbetrieb „mit der Kraft der Sonne und es Ehrenamtes“ sondern auch für Erfrischungsgetränke. Gleich nebenan boten Birgit und Henning Rohde aus Otersen Cocktails am Allerstrand und am nächsten Stand sorgte eine Fleischerei aus Walsrode mit Bratwurst, Schaschlik & Co. für Stärkungen. Bis 3. Oktober sind die Fährleute jeden Sonnabend von 14 bis 18 Uhr und jeden Sonn- und Feiertag von 10 bis 18 Uhr aktiv und betreiben die „schwimmende Brücke“ als Verbindung zwischen Weser, Aller und Heide. Aktuelle Infos veröffentlichen die Fährleute auf www.solar-allerfaehre.de.  gl

Der Fährbetrieb am Maifeiertag lief reibungslos. Und wenn die Solarfähre voll war, ging es dann eben bei der nächsten Fahrt über die Aller.
Der Fährbetrieb am Maifeiertag lief reibungslos. Und wenn die Solarfähre voll war, ging es dann eben bei der nächsten Fahrt über die Aller. © G. Lühning

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