Viele Nationalitäten an einem Tisch

Zeitzeuge Herbert Bunke erinnert an die Kriegsjahre auf dem elterlichen Hof

Herbert Bunke erinnert sich.
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Herbert Bunke erinnert sich.

Kirchlinteln – Die zeitgeschichtliche Werkstatt hatte drei Zeitzeugen in den Lintler Krug eingeladen, von ihren Erlebnissen in den Kriegsjahren zu erzählen. Die an diesem Abend geteilten Erinnerungen waren so interessant und umfangreich, dass wir uns dazu entschieden haben, sie nach und nach im Rahmen einer Serie zu veröffentlichen. Heute berichten wir über die Erinnerungen von dem Groß Heinser Herbert Bunke, der von Harm Schmidt interviewt wurde. Hermann Meislohs Schilderungen würdigten wir im ersten Teil der Serie.

Geboren im Jahr 1935, kann sich Herbert Bunke lebhaft an die Jahre während des Zweiten Weltkrieges erinnern und besonders an die vielen Menschen aus ebenso vielen Ländern, die auf dem elterlichen Bauernhof in Heins leben mussten. Zwei belgische Kriegsgefangene waren von 1941 bis 1945 für die Arbeit auf dem Hof abkommandiert. „Jeden Abend fuhren sie mit dem Fahrrad und anderen Kriegsgefangenen nach Bendingbostel ins Lager“, so Bunke. Natürlich sei dies unter Bewachung eines Heinser Bürgers mit seinem Jagdgewehr geschehen. Von dem betagten Wachmann sei oft op Platt zu hören gewesen: „Fahrt nich weer to schnell, sonst scheet ik jo all dood.“

Außerdem mussten Mädchen aus Polen, Holland und ein weißrussisches Ehepaar ihre Zwangsarbeit auf dem Bauernhof verrichten. Einem der Belgier namens Kamil es zu verdanken gewesen, dass die Bunkes ihre Pferde nicht bei der Wehrmacht abgeben mussten. „Alle Pferde aus der Landwirtschaft mussten nach Verden zur Musterung. Von vielen Höfen haben sie die gleich dabehalten, aber Kamil kam wieder zurück mit unseren Pferden“, erinnerte sich Bunke.

Die Berichte der Zeitzeugen trafen auf großes Interesse im Lintler Krug.

Die vielen Menschen auf dem Hof seien immer ein Teil der Familie gewesen, dazu gehörte auch eine ausgebombte Frau aus Hamburg. Deswegen sei es für seine Eltern ganz normal gewesen, zusammen mit allen am Küchentisch Mittag zu essen. „Wer bei uns arbeitet, sitzt auch bei uns am Tisch“, war das Credo auf dem Hof Bunke zu der Zeit.

Durch Denunziation kamen eines Tages Uniformierte aus Verden und hatten kurzerhand den Opa der Familie Bunke für einen Tag mitgenommen, weil das gemeinsame Mahl mit den Gefangenen streng untersagt war.

Sehr detailliert schilderte Bunke die Kampfhandlungen bei der Befreiung in Heins. An der Lehrde unweit des Hofes Rose sei es wegen der Panzersperren zu heftigen Kämpfen gekommen und auch die Brücke wurde dabei gesprengt. Weiter seien 50 Morgen Wald deswegen abgebrannt und ein Panzer der Briten in der Lehrde stecken geblieben.

Bei der Übermacht wäre der elterliche Hof schnell von den Engländern umlagert worden und die belgischen Gefangenen und Bürgermeister Dierks hätten mit der weißen Fahne Schlimmeres verhindert. Außerdem wollten sich auch zehn deutsche Soldaten ergeben.

Danach übernahmen die britischen Offiziere das intakte Bauernhaus als Quartier und die Bunkes mussten drei Tage und Nächte im Weideschuppen im Moor unterkommen. „20 Leute waren wir damals im Schuppen. Zum Glück hatten Kamil und Opa vorsichtshalber Stroh eingelagert“, so Bunke. Die Engländer seien dann täglich für frische Milch zu ihnen gekommen, bis die Bunkes wieder ins eigene Haus zurück durften.

In der folgenden Zeit hätten die zwei alten Wehrmachtlastwagen auf dem Hof sie vor Plünderungen durch umherziehende Vagabunden geschützt. Die Gefangenen seien dann schon mit Sammeltransporten in die Heimat gebracht worden und die Bauernfamilie auf sich selbst gestellt gewesen.

„Ich weiß, dass du und Hermann Meisloh noch viel mehr auf der Pfanne habt“, sagte Schmidt und stellte der von den Erzählungen gefesselten Zuhörerschaft eine Fortsetzung in Aussicht. Zuvor wird diese Zeitung noch über die Ausführungen des Wahlluttumers Rudi Manke berichten.

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