„Wollen nicht zweimal die Verlierer sein“

Flächenankauf im Verdener Moor bereitet Landwirten Sorge

Ein Herr in Gummistiefeln stapft durch eine  Moorlandschaft.
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Gummistiefel braucht es im Verdener Moor an vielen Stellen nicht mehr, weil es so trocken ist. Davon überzeugte sich Kreistagsmitglied Wilhelm Hogrefe.

Gummistiefel waren nicht zwingend erforderlich bei einem Ortstermin von Landwirten am Sonnabend im Verdener Moor. Sie stecken nicht im Sumpf fest, dafür in dem Dilemma von Moorschutzstrategie, Folgen einer Wiedervernässung, Grundwasserförderung und Flächenankauf durch den Trinkwasserverband Verden als Betreiber des Wasserwerks Langenberg in Kükenmoor.

  • Genehmigung zur Trinkwasserförderung bereits seit 2008 abgelaufen.
  • Neues Verfahren zieht sich hin.
  • Landwirte haben Sorge, dass sie noch mehr Ackerland verlieren.

Verdenermoor – Dorthin hatte Kreislandwirt Jörn Ehlers seine Kollegen und einige Lokalpolitiker am Sonnabendmorgen eingeladen. Der Trinkwasserverband fördere dort derzeit 2,5 Millionen Kubikmeter jährlich, so Ehlers. Eine auf 30 Jahre lautende Genehmigung ist Ende 2008 abgelaufen. Seitdem wird uneingeschränkt mit behördlicher Erlaubnis weiter gefördert.

Eine neue Genehmigung steht 13 Jahre später immer noch aus. Genauso wie beim Wasserwerk Panzenberg in Verden-Scharnhorst. Dort sind es zwölf Jahre. Die jüngsten Verzögerungen liegen in veralteten Gutachten. Selbst der Verband rechnet inzwischen nicht vor 2022 mit vollständigen Antragsunterlagen. Weil die Bereiche der beiden Wasserwerke, aus denen Grundwasser gefördert wird, sich überschneiden, will der Landkreis Verden beide Anträge gemeinsam prüfen. „Angestrengt wird eine Genehmigung in Höhe von 3,1 Millionen. Das sind 25 Prozent mehr“, rechnete Ehlers aus den Plänen des Trinkwasserverbandes für das Wasserwerk Langenberg vor. Die Folgen für Natur und Landwirtschaft seien nicht absehbar. Was Ehlers und seine Kollegen zudem ärgert: der Trinkwasserverband bemüht sich bereits um den Ankauf von Flächen in dem Gebiet.

Ausgleichsflächen auf 33 Hektar

Kreistagsmitglied Wilhelm Hogrefe (CDU) berichtete aus einer Anfrage beim Landkreis Verden, Untere Naturschutzbehörde. Diese vertrete die Auffassung, dass schon die Beantragung einer höheren Menge eine „Verschlechterung des Status quo“ bedeute, „der naturschutzrechtlich zu kompensieren“ sei. Obwohl bislang jährlich bis zu 6,4 Millionen gefördert werden dürften. Die zu kompensierende Fläche betrage dem „landschaftspflegerischen Begleitplan“ zufolge 33 Hektar.

„Man greift der Genehmigung mit Ausgleichsmaßnahmen vor, weil man damit Fakten schafft“, kritisiert Ehlers und sieht dafür angesichts der Verzögerungen im Bewilligungsverfahren keine Notwendigkeit. Er verglich es mit dem Häuslebauer, der Bäume und Büsche pflanzt, bevor er die Baugenehmigung hat. Sein Wunsch an die politischen Vertreter: Sie mögen an den Landkreis herantreten, „damit auf Ausgleichsmaßnahmen im Vorfeld verzichtet wird“.

„Mir wäre es lieb, wenn man sich an einen Tisch setzt und gemeinsam nach Lösungen sucht“, so Bürgermeister Wolfgang Rodewald. Und Arne Jacobs, Gemeinderatsmitglied für die CDU, sprach das an, was für den Trinkwasserverband zumindest bislang kein Thema war: den Bau eines vierten Wasserwerks im Landkreis Verden. „Ist es richtig, nur an drei Standorten Wasser zu fördern?“, stellte er als Frage in den Raum.

„Hier werden die Flächen durch die Förderung negativ beeinflusst und auf Bundesebene eine Vernässung gefordert“, so Ehlers und sprach damit die in Berlin erarbeitete Moorschutzstrategie an. Seine Befürchtung: die Landwirte könnten zweimal die Verlierer sein: Kein Wasser für Feldfrüchte und der Verlust von Ackerflächen. Und wie trocken es in vielen Bereichen ist, davon machte sich die Gruppe wenige Kilometer weiter ein Bild.

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