Zahlreiche Sichtungen von Dauelsen bis Heins am Maifeiertag / Mutige Labradorhündin

Wolf verirrt sich in Kirchlintler Scheune

Nur von hinten beim Weglaufen konnte der Fotograf ein Bild von dem streunenden Wolf schießen.
+
Und schon wieder weg: Mehrere Bürger konnten den Wolf auf Fotos oder Videos festhalten, jedoch meistens, wie hier in Dauelsen, nur noch von hinten.

Kirchlinteln – Die erste Meldung kommt am Samstagvormittag aus Dauelsen: Ein Wolf läuft durch den Sachsenhain. Und dann geht es Schlag auf Schlag. Augenzeugen aus Kirchlinteln melden sich bei der Polizei oder beim örtlichen Wolfsberater, sie haben das Tier in Kreepen gesichtet, in Groß Heins, auf dem Kirchparkplatz oder beim Rathaus... Während sich Wölfe sonst normalerweise von menschlichen Siedlungen fernhalten, streift dieses Tier gleich mitten durch mehrere Ortschaften und sorgt auf seinem Weg für reichlich Erstaunen – und wenigstens einmal für eine ganz schön nervenaufreibende Situation.

Tag der Arbeit für den Wolfsberater

Der 1. Mai war für Helmut Meyer im wahrsten Sinne des Wortes ein „Tag der Arbeit“. Der Wolfsberater hat alle gemeldeten Sichtungen dokumentiert und sich teilweise vor Ort auf Spurensuche begeben. Los ging es am Samstag um kurz nach 10 Uhr, als die ersten Bürger das Tier entdeckten. „Er lief aus dem Ortskern Dauelsen kommend über die Kreuzung beim Kaufland hoch zu den BBS, dann am Feldweg entlang und Richtung Scharnhorst. Es war ein recht großes Tier“, schreibt uns ein Leser. „Entlang des Feldes waren Spaziergänger unterwegs. Eine einzelne Frau, und auf der gegenüberliegenden Seite ein Mann mit Hund.“ Der Wolf habe beide allerdings nicht beachtet, sondern sei unbeirrt weiter gelaufen.

Flucht ins Freie durchs geschlossene Fenster versucht

Gegen 11 Uhr folgten die nächsten Meldungen, diesmal aus Kirchlinteln, berichtet Helmut Meyer. Von der Straße Zum Lindhoop kommend, überraschte der Wolf wohl zunächst an der St.-Petri-Kirche einige Bürger. Das Tier huschte nach Angaben eines Augenzeugen auf dem Parkplatz an den Autos vobei. „Einige Fahrzeugführer hätten sich erstaunt schnell in ihr Kfz zurückgezogen“, so Meyer. Weitere Sichtungen erfolgten kurz darauf nahe des Rathauses sowie an der Arztpraxis Wieters, bevor es kurze Zeit später zu einem kleinen Zwischenfall auf einem Resthof an der Straße Am Kreuzberg kam, auf dem bis auf Hühner kein Vieh mehr gehalten wird. Über einen abgezäunten, sehr schmalen Zugang sei der Wolf auf eine offene Scheunentür gestoßen. So sei das Tier in das landwirtschaftliche Gebäude gelangt. Die Labradorhündin des Eigentümers habe den Wolf in der Scheune bemerkt, ihn gestellt und verbellt. „Das wiederum bemerkte der Eigentümer. Der Wolf versuchte, durch das einzig vorhandene, aber geschlossene Fenster ins Freie zu flüchten“, beschreibt Meyer die brenzlige Situation. „Dem Hundehalter gelang es zum Glück, seine Hündin abzurufen.“ Der Wolf habe sich daraufhin auf dem Einstiegsweg aus der Scheune und vom Anwesen in Richtung Kükenmoor entfernt. Ob er dann einen Bogen um den Ort geschlagen hat oder noch einmal mitten durch Kirchlinteln gelaufen ist – unklar. Eine weitere Sichtung erfolgte jedenfalls etwa eine halbe Stunde später in Kreepen, wo ein Landwirt das Tier mit dem Handy filmte, als es einen Acker überquerte.

Ob es sich bei den insgesamt neun gemeldeten Sichtungen am 1. Mai wirklich immer um das gleiche Tier handelte? Helmut Meyer will sich da nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. „Ich kann es zumindest nicht ausschließen“, sagt er.

Isegrimm war keine Halluzination

Auch, wenn es reichlich Arbeit war, bedankt sich der Wolfsberater für die vielen Meldungen. „Alle Beobachter haben sich bei der für sie ungewöhnlichen Begegnung vorbildlich und zurückhaltend verhalten, besonnen und ohne Hysterie.“ Die meisten hätten sich angesichts des ungewöhnlichen Anblicks eher verwundert die Augen gerieben, nicht sicher, was sie da gerade gesehen hätten. Ein Mann habe sich sehr gefreut, als sein Nachbar ihm bestätigt hätte, den Wolf ebenfalls gesehen zu haben. „Der dachte zuerst, er hätte Halluzinationen gehabt“, erzählt Meyer, der auch die Mitarbeit der Polizei lobt. „Die Beamten haben bei den ersten Anrufen sofort geschaltet und mich informiert.“

So war es denn für viele Bürger ohne Frage ein aufregender Tag, aber niemand ist zu Schaden gekommen – jedenfalls kein Mensch. Am Abend des Maifeiertages, gegen 20.30 Uhr, erfolgte die letzte Sichtung. Eine Jägerin beobachtete von ihrem Ansitz aus, wie ein Wolf eine Ricke durch das Unterholz jagte. Als die Tiere aus ihrem Sichtfeld verschwunden waren, vernahm die Frau einen Klagelaut. „Sie folgte dem Geräusch und fand kurze Zeit später die Ricke.“ Doch das tragende Tier sei da bereits tot gewesen.

Von Reike Raczkowski

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Massive Raketenangriffe: Israel antwortet mit Luftschlag

Massive Raketenangriffe: Israel antwortet mit Luftschlag

Die beliebtesten Kuchenklassiker und Tortenträume

Die beliebtesten Kuchenklassiker und Tortenträume

Bayern feiern Titel mit Gala - Lewandowski-Tore 37, 38, 39

Bayern feiern Titel mit Gala - Lewandowski-Tore 37, 38, 39

Bill und Melinda Gates lassen sich scheiden

Bill und Melinda Gates lassen sich scheiden

Meistgelesene Artikel

Die Nerven im Wolfcenter in Dörverden liegen blank: „Das ist ein Sterben auf Raten“

Die Nerven im Wolfcenter in Dörverden liegen blank: „Das ist ein Sterben auf Raten“

Die Nerven im Wolfcenter in Dörverden liegen blank: „Das ist ein Sterben auf Raten“
Brutaler Überfall in Kirchlinteln: Täter fesseln älteres Ehepaar und Enkel im Haus

Brutaler Überfall in Kirchlinteln: Täter fesseln älteres Ehepaar und Enkel im Haus

Brutaler Überfall in Kirchlinteln: Täter fesseln älteres Ehepaar und Enkel im Haus
Achimer Polizeichef über Kriminalität in Ottersberg 2020

Achimer Polizeichef über Kriminalität in Ottersberg 2020

Achimer Polizeichef über Kriminalität in Ottersberg 2020

Kommentare