Naturschützer hoffen auf Nachahmer

Kirchlintler Nabu-Streuobstwiese entwickelt sich

Ein blühender Obstbaum auf einer Wiese, im Hintergrund ein Industriegebäude.
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Die Obstbäume auf der Wiese neben dem Landhandel sind noch jung, aber sie wachsen gut an.

Die Abendsonne scheint auf die blühenden Mirabellenbäume, ein leichter Wind geht und ein leises Brummen ist zu hören. Es kommt nicht von der nahegelegenen Amerikalinie, sondern aus grünen Kästen, die hier am Rande der Wiese aufgestellt sind. Die Bienen, die hier leben, sind erst vor zwei Wochen eingezogen, aber sie fühlen sich schon richtig wohl auf der Streuobstwiese, die der Nabu am Ortsrand von Kirchlinteln angelegt hat.

Kirchlinteln – Die Bienen gehören Wilhelm Haase-Bruns, einem Imker aus Luttum, der hier mit den Naturschützern kooperiert. Es ist eine Win-win-Situation: Die Bienen finden hier dank der blühenden Obstbäume reichlich Nahrung. Und der Nabu freut sich, dass die Blüten von den kleinen Helfern so fleißig bestäubt werden. „Die Entfernung von hier bis nach Luttum ist ausreichend groß, sodass die Bienen nicht gleich wieder nach Hause fliegen“, weiß Marinus Pannevis, der sich in der Ausbildung zum Imker befindet und der die umgesiedelten Bienen von Haase-Bruns betreut.

Die Wiese, unweit des Landhandels und des alten Kirchlintler Bahnhofes gelegen, wurde bereits 2017 angelegt, nachdem der Eigentümer Cord Büssenschütt die circa 2700 Quadratmeter große Fläche zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt hatte. „Das Grundstück ist zu klein, um es an einen Landwirt zu verpachten“, sagt Büssenschütt. Geld verdienen könne er auf diese Weise jedenfalls kaum. „Und dann kommt noch Idealismus dazu“, sagt der Kirchlintler, der sich freut, dass der Nabu hier ein Areal schaffen will, das die Artenvielfalt erhöht und das mit den Jahren immer mehr an ökologischer Bedeutung gewinnen wird.

Gefördert über das Programm „Belebung der Landschaft“

Finanziert wurden die Bäume, berichtet Sylke Bischoff vom Nabu, über das Landkreis-Programm „Belebung der Landschaft“. Angeschafft wurden alte und ortsübliche Obstsorten von Birne bis Zwetschge, die an die hiesigen Bedingungen gut angepasst sind. „Der Antragsteller verpflichtet sich dazu, die Bäume 40 Jahre zu erhalten und weder Pestizide noch Dünger aufzubringen“, erklärt Bischoff, die sich außerdem freut, dass der benachbarte Landhandel Wasser zum Gießen der noch jungen Bäume zur Verfügung stellt.

Früher habe es deutlich mehr solcher Wiesen an den Ortsrändern gegeben, weiß die Naturschützerin. Die Früchte hätten den Speiseplan der Menschen bereichert. Das Obst sei eingemacht, zu Saft oder Marmelade verarbeitet worden. „Heute findet man sie leider immer weniger, auch weil am Ortsrand häufig neue Baugebiete entstanden sind.“ Das sei ein großer Verlust für die Natur. Streuobstwiesen gehörten zu den stark gefährdeten Lebensräumen. „Initiiert über den Niedersächsischen Weg, sind sie seit diesem Jahr unter Schutz gestellt.“

Wer möchte die Wiese schonend mähen?

Das Gelände soll nach und nach weiter aufgewertet werden. So sind 2019 zusätzlich Hecken gepflanzt worden. Als Nächstes steht die Anlage von Totholz- und Steinhaufen auf dem Programm, um Rückzugsorte für Insekten und Reptilien zu schaffen. Jetzt sind die Naturschützer aber erst einmal froh, dass die Luttumer Bienen sich wohlfühlen.

Zwei Wünsche hat der Nabu in diesem Zusammenhang noch. „Wir suchen noch einen Landwirt, der die Fläche zweimal im Jahr mäht und den Aufwuchs verwertet“, so Bischoff. Sie gibt zu, dass sie einen recht speziellen Wunsch hat, wie die Mahd durchgeführt werden soll: „Idealerweise mit dem Balkenmäher“, sagt sie. Dies sei eine besonders schonende Methode für alle Tiere, die in der Streuobstwiese leben. „Wer also Lust dazu hat, hier sein eigenes Heu zu machen, soll sich gerne melden.“

Das Gleiche gelte für alle Bürger, die es dem Grundstückseigentümer Cord Büssenschütt gleichtun wollen. „Für den Erhalt der Artenvielfalt werden naturnahe oder naturverträglich genutzte Flächen dringend benötigt.“ Viele weitere solcher „ökologischer Trittsteine“ könnten den heimischen Pflanzen und Tieren wieder den angemessenen Platz in der Landschaft geben. „Vielleicht gibt es ja weitere Eigentümer, die ihre Fläche für ökologische Maßnahmen anbieten oder selbst entwickeln möchten.“ Der Nabu berate gerne.

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