Verein Neua als Bindeglied zwischen Schule und Landwirtschaft

Kirchlinteln: Kinder zeigen, wo die Milch wirklich herkommt

Nehmen den aufgerüsteten Anhänger in Augenschein: Bernie Heller (v.l.) und Jörn Ehlers vom Lions-Club Verden. Wenn das Bildungsmobil nicht genutzt wird, steht es auf dem Hof von Anja und Holger Meier in Deelsen.
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Nehmen den aufgerüsteten Anhänger in Augenschein: Bernie Heller (v.l.) und Jörn Ehlers vom Lions-Club Verden. Wenn das Bildungsmobil nicht genutzt wird, steht es auf dem Hof von Anja und Holger Meier in Deelsen.

Deelsen – In der Corona-Pandemie leidet auch das ehrenamtliche Engagement in den Schulen im Landkreis Verden. „Wir hatten ab Herbst ganz viele Besuche und Veranstaltungen für die Schulkinder geplant“, sagte die Vorsitzende des Vereins Neua, Annameta Rippich. So stehe der schicke Kuh-Anhänger, mit dem sonst Bildungsarbeit geleistet werde, derzeit ungenutzt in Deelsen. Neua, so heißt der Förderverein für Nachhaltige Ernährung, Umweltbildung und Agrarwirtschaft.

Der Verein ist seit Ende 2016 als regionaler Bildungsträger anerkannt und nimmt seit 2017 am EU-Förderprogramm „Transparenz schaffen – Von der Ladentheke bis zum Erzeuger“ teil. Das Programm lasse junge Menschen die Land- und Ernährungswirtschaft besonders authentisch erleben.

„Fleisch, tierische Produkte und sogar Gemüse sind im Supermarkt vielfach in Plastik verpackt und fertig zum Verzehr. Wo und wie diese Lebensmittel überhaupt entstehen, wissen immer mehr Kinder und Jugendliche nicht“, schildert Rippich die Mission von Neua. „Unser Ziel ist daher, jungen Menschen einen besseren Bezug zu Landwirtschaft und Lebensmitteln zu ermöglichen. Besonders gut geht das auf einem Bauernhof“, sagte Christine Tewes von Neua.

Förderverein für Nachhaltige Ernährung, Umweltbildung und Agrarwirtschaft

Die Betriebe seien ideale Lernorte, weil sie nicht nur die Herkunft und den Herstellungsweg der Lebensmittel sichtbar und verständlich machen, sondern auch zahlreiche Möglichkeiten für unmittelbares Erleben und aktive Mitarbeit schaffen. Jedoch können diese Ausflüge während der Pandemie nicht stattfinden, weshalb die direkte Arbeit stillsteht.

Vielfältige Erlebnisse in der Landwirtschaft

Allerdings nutzt der Verein die Zwangspause, um den Kuhanhänger etwas aufzurüsten: Die Mitglieder sind daher dankbar für eine Spende der Verdener Serviceorganisationen, von den Lions über Rotary bis zu Zonta und Inner Wheel, die einen niedrigen vierstelligen Betrag für Beschriftung und diverse Schautafeln spendeten. Angeschafft werden konnte eine Tafel, die das Heranwachsen einer Kartoffel dokumentiert, bis aus ihr die knusprige Pommes wird, die auf dem Teller des Schulkindes liegt. Das Bildungsprojekt heißt passenderweise „Vom Hof auf den Teller“. 2015 entstand es mit kreisweiter Ausrichtung und ist inzwischen fest etabliert. „Wir bieten für alle Altersgruppen vielfältige Erlebnisse zur Themenwelt Landwirtschaft und Ernährung an“, erklärte Rippich.

Gemeinsam machen sich die Vereinsmitglieder auf den Weg, um den Anhänger den Schülern samt lebensgroßer Kuh vorzuführen. Beim Ausflug auf einen Milchviehhof können die Kinder dann die lebendigen Exemplare aus der Nähe bewundern und manchmal sogar Zeuge einer Geburt werden. „Ein unvergessliches Erlebnis.“ Wenn der Anhänger nicht bei den Schulen ist, wird er im Milchviehbetrieb Meier in Deelsen in der Diele des alten Bauernhauses zwischengeparkt.

Die Ziele von Neua sind klar formuliert: Im Wesentlichen gehe es darum, Kindern die Zusammenhänge zwischen landwirtschaftlicher Erzeugung, der Weiterverarbeitung der Rohstoffe und der eigenen Ernährung zu verdeutlichen. Dazu besuchen die Kinder mit ihren Lehrern oder Erziehern die landwirtschaftlichen Betriebe in ihrer Umgebung. Viele Kinder seien vorher noch nie auf einem Bauernhof gewesen und erhielten erstmalige Eindrücke. Auch viele der Lehrkräfte hätten zuvor kaum Bezug zur Landwirtschaft gehabt. So könnten Sachkenntnisse vermittelt und Vorurteile abgebaut werden. „Wichtig ist, dass der Dialog aufgenommen wird“, so Rippich.

Im Landkreis Verden und Rotenburg

Die Bildungsangebote in den Landkreisen Verden und Rotenburg würden gern angenommen und Neua hätte sich einen guten Ruf erarbeitet. „Von Jahr zu Jahr nehmen deshalb mehr Schulen unsere Angebote in Anspruch. Im Jahr 2019 konnten wir die Zahl unserer Projekttage erneut steigern und haben insgesamt mehr als 80 Aktionen durchgeführt“, resümierte Rippich.

Die Corona-Pandemie hat die Aktivitäten des Vereins in diesem Jahr stark ausgebremst. Ab Mitte März konnten keine Aktionstage mehr stattfinden. „Im September haben wir dann wieder Kontakt zu den Schulen aufgenommen und einige wenige Veranstaltungen wurden durchgeführt“, berichtete Tewes. So hätten seitdem die Grundschulen Oyten-Bassen, Blender, Westen und die Jahnschule in Verden teilgenommen. Danach sei leider wieder Schluss gewesen.

Keine Aktionen wegen Corona

Mit der neuen Ausrüstung wollen die Neua-Aktiven nicht den Kopf in den Sand stecken. Sie freuen sich schon jetzt auf das Ende der Beschränkungen im schulischen Bildungsprogramm. „Wir hoffen sehr, dass wir im neuen Jahr dann bald wieder durchstarten können“, schloss Rippich zuversichtlich.  lee

Der Anhänger war schon viel unterwegs. Hier stand er mit Christine Tewes (v.l.), Anja Meier, Annameta Rippich und Susanne Hogrefe auf der Gewerbeschau in Hohen.

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