Bendingbosteler Kinder lernen beim Ubuntu-Projekt: „Gemeinsam sind wir stark“

Das Wir-Gefühl bleibt haften

Die Kinder betrachten ein kleines Spielzeugauto, das südafrikanische Kinder aus einem Stück Draht gebastelt haben.

Bendingbostel - Alle angeschnallt? Die Sitze in Position? Dann kann es ja losgehen. Die Flughöhe steigt immer weiter, irgendwann befinden sich die Reisenden weit über den Wolken. Die Stewardess serviert kleine Brötchen – und dann ist die Reisegruppe auch schon angekommen. Und zwar in Südafrika, einem Land, das zumindest für diesen Tag im Musikraum der Lintler Geest-Schule in Bendingbostel liegt.

Diese imaginäre Reise treten derzeit die Bendingbosteler Drittklässler an – mit ihren Reiseleiterinnen, der Rektorin Reinhild Hunold und Konrektorin Andrea Rudek. Der ungewöhnliche „Ausflug“ ist Teil des Projektes Ubuntu, dem sich die Schule seit einigen Jahren widmet. Im vergangenen Jahr wurde die LGS sogar als Ubuntu-Schule zertifiziert.

Lehrerin Andrea Rudek lässt die Kinder an einer südafrikanischen Salbe schnuppern.

„Ubuntu“ ist ein Zulu-Wort, das Gemeinschaft, Respekt und Toleranz ausdrückt. Es geht darum, dass in einer Ubuntu-Schule diese Werte gelebt werden und dadurch eine gute Gemeinschaft gefördert wird. Hunold: „Es ist ein Projekt, das hervorragend zu unserem Leitbild passt.“ Zum einen bringen die Bendingbosteler bereits seit zehn Jahren durch unterschiedliche Aktionen das Schulgeld für Schulpatenkinder in Südafrika auf, zum anderen besteht bekanntlich auch eine Partnerschaft zwischen dem Kirchenkreis Verden und Shiyane in Südafrika. An den beiden Projekttagen lernen die Kinder viel über das weit entfernte Land – aber es stellt sich schnell heraus, dass es bei Ubuntu um weit mehr als Erdkunde geht.

Große Augen machen die Drittklässler, als sie in den Musikraum kommen und afrikanische Musik ertönt. Hunold und Rudek heißen jedes Kind mit dem südafrikanischen Gruß „Sawubona“ willkommen. Auf dem Boden verteilt liegen Gebrauchsgegenstände, die die Aufmerksamkeit der Schüler auf sich ziehen. Ein Staubwedel aus Straußenfedern, Schmuck aus Plastikperlen, eine Trommel, ein Spielzeugauto aus Draht. Dazu Fotos und Lernkarten mit Wörtern auf Zulu. „isicabubabu“, Spinne, lernen die Drittklässler. Oder „iapula“, Apfel.

Die Kinder erfahren, dass in Südafrika die Schere zwischen Arm und Reich weit auseinander geht. Und dann wird auch ein besonders dunkles Kapitel der Geschichte des Landes angesprochen. Andrea Rudek hält zwei alte Fotos hoch, die Schulklassen in Südafrika zeigen. „Seht ihr den Unterschied?“ Die Kinder tun sich schwer mit einer Antwort. „Sie tragen unterschiedliche Schuluniformen?“, fragt ein Junge. „Auf dem einen Foto hängen Fahnen“, sagt ein Mädchen. Erst nach ein paar Minuten und zahlreichen Versuchen erkennt ein Schüler, was für Erwachsene sofort offensichtlich ist: „Ich glaube, auf dem einen Bild sind nur schwarze Kinder, auf dem anderen nur weiße.“ Selbst für die erfahrenen Lehrerinnen ist das ein Gänsehaut-Moment. „Da wird wieder offensichtlich, dass für Kinder die Hautfarbe kaum eine Rolle spielt“, sagt Reinhild Hunold. Als die Kinder erfahren, dass während der Apartheid weiße und nichtweiße Kinder in Südafrika in unterschiedlichen Schulen unterrichtet wurden, sind sie erschrocken. „Das ist blöd und ungerecht“, findet ein Mädchen.

Im weiteren Verlauf des Projektes knüpfen die Kinder Armbänder, schauen Filme über Südafrika und spielen spannende Spiele. Eines ist eine besonders große Herausforderung: Alle Kinder einer Klasse sollen sich auf die Bank auf dem Schulhof stellen. Das ist noch schwieriger, als es sich anhört und es funktioniert erst, als sich alle absprechen, sich festhalten und einander vertrauen.

Aus Erfahrung wissen die beiden Lehrerinnen, dass das, was die Kinder bei Ubuntu lernen, lange haften bleibt. Rudek: „Wenn ein paar Monate später eines der Kinder mit einem Problem zu mir kommt, dann reicht es oft schon, wenn ich sage: ,Denk einfach an Ubuntu’.“ Und dann wüssten die Kinder die Lösung: „Gemeinsam sind wir stark.“ 

rei

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