Drei Anlagen geplant

Kreepener und Sehlinger melden sich zu Wort : Windpark hat nicht nur Fans

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Uwe Rathe aus Sehlingen (links) und Sylke Bischoff (rechts) sind nicht die einzigen, die den Windkraft-Planungen für Kreepen/Sehlingen kritisch gegenüber stehen. 

Sehlingen/Kreepen - Wo immer Windkraftanlagen geplant sind, gibt es auch Anwohner, die dagegen sind. Das ist in Sehlingen und Kreepen nicht anders, wie jetzt in einem Gespräch mit einigen Bürgern deutlich wurde. Das betreffende Gelände ist im Regionalen Raumordnungsprogramm (RROP) des Landkreises als Vorranggebiet Windenergie ausgewiesen. Auch die Gemeinde Kirchlinteln hat bereits reagiert und ihre eigenen Planungen derart an das RROP angepasst, dass die Errichtung von Windanlagen in dem Gebiet mittlerweile rechtlich möglich ist.

„Nach unserem jetzigen Wissensstand sind von der Eigentümergemeinschaft Elko drei Anlagen zwischen Sehlingen, Kreepen und Süderwalsede geplant“, sagt Uwe Rathe aus Sehlingen. „Die Informationspolitik in dieser Angelegenheit ist einfach nur erschreckend“, sagt er. „Man muss jeder Information hinterherlaufen. Wenn wir nicht immer wieder nachgefragt hätten, wüssten wir wahrscheinlich bis heute überhaupt nichts“, sagt Andrea Ahlers aus Neddenaverbergen, deren Familie ein Grundstück in Kreepen besitzt. „Man fühlt sich richtiggehend hintergangen.“

Bürgermeister irritiert über Vorwürfe

Bürgermeister Wolfgang Rodewald zeigt sich von diesen Vorwürfen irritiert: „Ich kann diese Aussagen nicht nachvollziehen. Es hat nicht nur Informationsveranstaltungen gegeben, wir haben sogar einen eigenen Gesprächskreis mit den betroffenen Anwohnern, Vertretern von Elko und der Gemeinde ins Leben gerufen“, berichtet der Verwaltungschef. „Von mangelnden Informationen kann also überhaupt keine Rede sein.“ Laut Rodewald sei die Elko von ihrem ursprünglichen Plan, vier Anlagen zu bauen, bereits freiwillig abgewichen. „Von der neuen Planung mit nur drei Anlagen würden alle profitieren, auch die Bewohner der benachbarten Ortschaft Rahnhorst im Landkreis Rotenburg.“ Für die würde sich der Abstand zur nächsten Anlage von knapp 600 auf fast 800 Meter vergrößern. Das läge fast bei den Werten für Kreepen (875 Meter) beziehungsweise Sehlingen (900 Meter). Zulässig sei hier immerhin ein Mindestabstand von 500 Metern.

Ob der Vorschlag von Elko mit den größeren Grenzabständen zu Rahnhorst zum Tragen komme, werde derzeit geprüft, so Bürgermeister Rodewald. Er hätte sich dafür die Zustimmung der Flächeneigentümer mit unbebauten Grundstücken im unmittelbaren Umfeld zu den neuen Standorten gewünscht. Da dies nicht der Fall sei, befinde sich der Vorgang derzeit in der rechtlichen Prüfung.

Sorgen wegen Schattenwurf und Infraschall

Für die Gegner geht der Kompromiss nicht weit genug: Sie bemängeln, dass die Anlagen in den vergangenen Jahrzehnten immer größer geworden sind. „Der vorgegebene Abstand zur Wohnbebauung allerdings nicht, der liegt immer noch bei 800 Metern, das hätte dringend angepasst werden müssen“, so Rathe. Seine Mitstreiter berichten von ihren Sorgen vor Schattenwurf und Infraschall. Sie fürchten bei Nacht blinkende Lichter, umherfliegende Eisbrocken im Winter und Vögel, die von den Rotorenblättern erschlagen werden. Sylke Bischoff, Landschaftswartin des Landkreises: „Rotmilane sind in dem Gebiet auf jeden Fall vorhanden. Ich habe selbst dort schon fünf Tiere gesehen.“ Ihrer Meinung nach sollte beim avifaunistischen Gutachten dringend nachgebessert werden. „Es ist aus dem Jahr 2015, das ist in meinen Augen nicht mehr aktuell und beinhaltet auch keine ausreichenden Informationen.“ Auch ist sie der Meinung, dass sich die Themen Windkraft und sanfter Tourismus nicht miteinander vertragen. „Wenn die Gäste aus dem Fenster ihrer Ferienwohnung gucken und auf Windräder blicken, ist das kontraproduktiv.“

Horst Pommeränke aus Sehlingen erklärt: „Man darf nicht vergessen: Viele von uns haben ihre Häuser auch als Altersvorsorge gesehen. Klar, dass man Angst vor Wertverlust hat, wenn auf einmal so ein riesiges Windrad vor der Tür steht.“ 

rei

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