Experte bittet: Tote und verletzte Tiere umgehend melden / Chance für den Nachwuchs

Weißstorch verunglückt in Windrad

Das Tier, das tot in Neddenaverbergen gefunden wurde, hatte Nachwuchs. Die Jungtiere aus dem Horst in Armsen werden jetzt in der Verdener Storchenstation groß gezogen. Möglich ist das, weil die Finderin den Vorfall gemeldet hat. Foto: Busmann

Armsen - Von Reike Raczkowski. Wer einen toten oder verletzten Storch im Landkreis Verden findet, sollte sich immer bei Hans-Joachim Winter melden. Der Wildstorchbetreuer erklärt nach einem Totfund in Neddenaverbergen, warum das so wichtig ist.

Immer mehr Menschen freuen sich über die Anwesenheit von Störchen in ihren Dörfern und errichten Nisthilfen für die eindrucksvollen Tiere. Diese werden von den Störchen auch gerne angenommen. „Sie sind in der dicht besiedelten Kulturlandschaft aber auch vielen Gefahren ausgesetzt. In meiner Zeit als Weißstorchbetreuer habe ich leider vermehrt auch mit toten oder verletzten Vögeln zu tun“, berichtet Winter. Hauptursachen seien der Anflug an Stromleitungen, Drahtzäune und Windkraftanlagen sowie der Tod durch Straßenverkehr. „Im Spätsommer fliegen die Jungstörche aus und verunglücken oft aus Unerfahrenheit. Das ist bedauerlich, wird den Bestand aber nicht gefährden“, weiß der Experte.

„Katastrophal wird es, wenn während der Brutperiode ein Alttier ausfällt.“ So auch im aktuellen Fall: Winter wurde ein toter Storch unter einem Windrad bei Neddenaverbergen gemeldet. Der Vogel konnte einem Horst mit drei Jungen, etwa zwei Wochen alt, in Armsen zugeordnet werden. Fällt ein Alttier aus, kann der Partner – Männchen und Weibchen teilen sich die Aufzucht untereinander auf – seine Jungen häufig nicht alleine großziehen. „Insbesondere wenn sie, wie in diesem Fall, noch sehr klein sind, ihr Dunenkleid tragen und rund um die Uhr gewärmt werden müssen, kann sich der Altvogel nicht auf Futtersuche begeben, ohne dass die Jungen Schaden nehmen.“ Der Verlust eines Elternteils bedeute somit zusätzlich auch den Verlust zukünftiger Nachkommen.

Mithilfe der Kreisstraßenmeisterei konnte Winter die Jungen, der Kleinste war leider tot, am nächsten Morgen mit einem Steiger herausnehmen. „Ich mache so etwas nicht gerne“, berichtet Winter über sein Gefühl, dem verbliebenen Elternteil die Jungen wegnehmen zu müssen. „Aber so werden sie wenigstens überleben.“

In der Storchenstation in Dauelsen werden die Tiere – etwas unterernährt, aber ansonsten fit – von Petra Müller aufgepäppelt. Wenn alles gut läuft, werden sie im August ausgewildert für ihre Reise ins Winterquartier. „Bleibt zu hoffen, dass der überlebende Storch im nächsten Jahr mit einem neuen Partner dort erfolgreicher brütet.“ Auch ein verletzter Storch falle für das Brutgeschehen aus. „Deshalb meine Bitte, jeden toten oder verletzten Vogel schnell zu melden. Oft kann der Vogel anhand des Ringes seinem Horst zugeordnet werden. So können die Jungtiere gerettet werden.“ Meldungen an Hans-Joachim Winter, Telefon 0176/50253884, oder die Storchenstation, 0170/2859771.

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